Morde auf Amrum : Inselkrimis für Inselliebhaber

Mit seinem Krimi „Mordseekrabben“ spottet sich Krischan Koch durch die friesische Dickköpfigkeit.
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Mit seinem Krimi „Mordseekrabben“ spottet sich Krischan Koch durch die friesische Dickköpfigkeit.

Spannende Lektüre für lange Winterabende: Drei Autoren haben ihre Lieblingsinsel in Romanen verewigt.

shz.de von
14. Januar 2015, 19:53 Uhr

Krischan Koch, Bent Ohle und Volker Streiter, seit Jahren Amrum-Liebhaber und Insel-Urlauber, haben mehrere Amrumkrimis geschrieben, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.

Koch, als Journalist und Mitglied des „Hamburger Spottvereins“, spottet sich durch die friesische Dickköpfigkeit. Bent Ohle, Drehbuchschreiber, dessen Buch „Inselblut“ nächstes Jahr ins Fernsehen kommt, hat im Kopf einen fertigen Film mit Top-Dramaturgie, ehe er mit dem Schreiben loslegt. Und Volker Streiter, der mit seinem dritten, gerade frischen Amrumkrimi „Das Geheimnis des Strandvogts“ die Insel in einer Zeit vor Tourismus, Leuchtturm und Bäderarchitektur, nämlich 1845, zeigt, schreibt so authentisch und unaufgeregt, wie es wahrscheinlich nur im ganz normalen Leben vorkommt.

Der neue historische Krimi des Kölner Polizeibeamten birgt die Gefahr, dass man sich einlullen lässt von den wirklich schönen Landschafts- und Lebensbeschreibungen der Insel und ihrer Menschen – und einfach den Kriminalfall vergisst. So getreu spiegelt der Krimi wider, was wohl die meisten an Amrum fasziniert: die schlichte Weite, die alten (nicht immer sozialverträglichen) Strandvogt- und Himmelswetter-Geschichten oder die wilden Dünentäler, die man heute gerne noch genau so frei durchstreifen würde, wie es der elternlose Herumstreuner Nickels im Buch tut.

Vorlage für den jungen Outlaw, der an der Seite der hübschen Friesin Dina Martensen (erdacht) und des Reiseschriftstellers Johann Georg Kohl (echt) bei der Aufklärung des Mordes an einem Postläufer im Watt zwischen Föhr und Amrum beteiligt ist, ist ein Junge aus einem ehrenamtlichen Sozialprojekt in Streiters Heimat Köln, dem er seit Jahren versucht, ein Stück emotionale Stabilität zu schenken. Streiter schreibt täglich, vor oder nach dem Job. War es schwierig, den Sprachjargon von 1845 durchzuhalten? „Nein“, sagt er und grinst, „Biedermeier ist in mir.“
Während Streiter sich in seinen beiden zeitgenössischen Inselkrimis „Grab ohne Meerblick“ und „Mörderische Nachsaison“ als schreibender Polizist sehr für die tatsächliche Organisationsstruktur seiner Ermittlungseinheiten interessiert (Polizeirevier Amrum mit Festangestellten und Bäderdienstlern, Notrufstelle in Harrislee, zuständige Kripo in Niebüll) hat Bent Ohle, schreibender Drehbuchautor, in erster Linie die Dramaturgie im Kopf. „Ich habe jahrelang darüber nachgedacht, was ich über Amrum schreiben könnte“, sagt Ohle, der die ganze Geschichte von „Inselblut“ und „Inselgrab“ als Storyboard mit Pfeilen und Zeichnungen schon im Kopf hatte, bevor er daraus zwei Bücher machte: Von Frau verlassener Inselpolizist mit Alkoholproblem (in süßem Friesenhaus), Kriminalkommissarin mit Psychose, verlorene Schwester, verwandte Seelen, düsteres Geheimnis, der schwere Weg zu sich selbst ... „Großes Finale, griechische Tragödie“, sagt Bent Ohle, der das Drehbuchschreiben hintenan stellte, als er gleich für seinen ersten Krimi (spielt in Osnabrück) einen Preis erhielt. Für einen dritten Amrumkrimi hätte er schon einen Aufhänger im Kopf. Den könnte er weiter verfolgen. „Aber ich hadere noch“, sagt er. Erstmal ist er gespannt auf Dominique Grafs Verfilmung seines „Inselblut“-Romans.

Achtung! Kommen sie zum Lachen ruhig aus dem Keller! Krischan Koch ist nicht nur Krimiautor, er ist auch Filmkritiker beim NDR und schreibt Kabarettprogramme für den Hamburger Spottverein. Genau so spöttisch ist auch >>>>>> sein neuester Inselkrimi „Mordseekrabben“. „Solidaritätskonzert – Löffelente vom Golfball getroffen“, so fängt er an. „Eine bunte, überbordende Burlesque mit überzeichneten Typen“, sagt Koch. Die Sätze laufen über vor Beobachtungen, jede Leiche, jede Person wird wild geschwenkt, ehe Koch sie platziert und kräftig mit Ironie pfeffert. Die Einheimischen kommen bei ihm als Garnitur am Rande vor und dabei nicht immer gut weg. Also hat ihm auch schon mal ein Alt-Amrumer zu verstehen gegeben, er solle doch nicht auf die Insel kommen, wenn es ihm hier nicht passt. Spaßverderber, oder?! Mit der interessanten Erzählperspektive aus der Sicht des Verbrechers hatte Koch seinen ersten Amrumkrimi „Flucht übers Watt“ bestückt. Darin kehrt ein illustrer Kunstdieb, mit Frau und Fluchtvergangenheit in den USA, zig Jahre und etliche Kunstraube später an den Ort zurück, wo er die Bildbeute seines ersten Gemälderaubes (Emil Nolde!) versteckt hatte: in ein altes, schönes Nebeler Friesenhaus. Natürlich lässt auch die Story kein cholerisches Fährpersonal aus und keine nervigen Touristen, die in der Schlange vorm Krabbenkutterhäuschen vor einem stehen und immer den letzten Fisch abkriegen. „Mir sind im echten Leben einige dieser Charaktere tatsächlich begegnet. Dann hab ich sie im Buch um die Ecke gebracht. Und als ich das nächste Mal auf die Insel kam, waren sie tatsächlich weg. Ich sage Ihnen, das gab mir zu denken“, sagt Koch und lacht.

Die drei Herren sind natürlich Amrumkenner. Bent Ohle kam durch seiner Frau hierher, die als Kind auf der Insel urlaubte. Mittlerweile brauchen sie in Norddorf auch schon mal ein ganzes Haus für Oma, Opa, Tante, Freunde und Kinder. Krischan Koch, der die Insel seit Kindertagen kennt, hatte mit seiner Frau das Glück in Nebel eine kleine Wohnung unter dem Dach kaufen zu können, die ihm Freunde vermittelten. Hier steht jetzt sein Schreibtisch mit Blick aufs Watt. Volker Streiter kam 2008 auf die Insel, nachdem der Sylturlauber auf einer Amrum-Karte sah, dass die Insel Wald hatte, was er ungewöhnlich und erkundeswert fand, weshalb er hinreiste und nach Sylt nicht mehr zurückkehrte. Er sucht derzeit in Steenodde nach seinem Lieblingsquartier.

Was alle Bücher eint, ist der Urlaub im Kopf, der entsteht, wenn man sie liest. Und der entsteht auch, wenn man sie schreibt, da sind sich die Herren einig.

Die Autoren lesen jedes Jahr auf der Insel. Aber auch rund um ihre Heimatorte und darüber hinaus.

Weitere Infos unter:

www.volker-streiter.de;
www.bentohle.de;
www.dtv.de

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