Nordfriesische Inseln : Immobilien-Preise steigen weiter

Schnäppchenpreise sind auf den Inseln schon lange Geschichte.
Schnäppchenpreise sind auf den Inseln schon lange Geschichte.

Das Leben auf den Inseln wird immer beliebter. Föhr und Amrum sind an der Westküste längst eine Alternative zu Sylt.

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30. November 2017, 12:00 Uhr

Es scheint kein Ende in Sicht: Wie überall an Schleswig-Holsteins Nord- und Ostseeküste dreht sich auch auf Föhr und Amrum die Immobilien-Preisspirale munter weiter. „Unser Preisgefüge ist in den letzten zehn Jahren enorm gestiegen“, geht Leif Both, Inhaber der Föhr-Amrumer „Dahler & Company“-Dependance, annähernd von einer Verdoppelung aus. Eine Steigerung von zehn bis 15 Prozent sei in den vergangenen zwei Jahren zu verzeichnen, schätzt der Experte. Von Sylt allerdings, wo – abgesehen von kleineren Eigentumswohnungen – gefühlt fast alles siebenstellig sei, sieht Both die Inseln noch weit entfernt. „Diese Dimensionen werden wir auch nicht erreichen.“

Seit 2011 verteuerten sich Immobilien auf Amrum um 60 Prozent, auf Föhr um 46 Prozent, hatte Landesbausparkassenchef Wolfgang Ullrich bei der Vorstellung des neuen Immobilienmarkt-Atlas in Kiel konstatiert. Spitzenreiter ist demnach Dagebüll, wo die Preise für Häuser und Eigentumswohnungen in den letzten zwei Jahren um bis zu 55 Prozent gestiegen sind. Sylt liegt bei rund 15 Prozent. Mit der Folge, dass sich Immer mehr Sylt-Liebhaber, denen das Promi-Eiland zu teuer wird, in Richtung Nachbarinseln orientieren und hier die Ruhe und Landschaft in Nordsee und Wattenmeer schätzen lernen. Eine Entwicklung, die sich auch an den Immobilienpreisen auf Föhr und Amrum ablesen lässt. Die sind in den vergangenen zwei Jahren um 15 bis 20 Prozent gestiegen, schätzt Claus Petersen, Immobilienberater für Föhr und Amrum bei der Nord-Ostsee Sparkasse in Wyk. Demnach müssen aktuell für Eigentumswohnungen in bester Lage in Wyk rund 7000 Euro pro Quadratmeter (m²), in weniger guten Lagen – je nach Bestand – 4000 bis 5000 Euro/m² bezahlt werden. Für ein normales Einfamilienhaus in Wyk schätzt Petersen den Durchschnittspreis auf 450 000 bis 500 000 Euro, je nach Grundstücksgröße und Wohnfläche.

Dass die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen in erster Reihe mit Meerblick bei 3000 bis gut 8000 Euro liegen, bestätigt auch Leif Both. Erste Versuche, in den fünfstelligen Bereich zu kommen, habe es ebenfalls schon gegeben. Ein modernisierungsbedürftiges Haus auf Föhr-Land sei kaum noch unter 250 000 Euro zu bekommen. Und: „Wenn in Greveling eine Immobilie in der ersten Reihe auf den Markt käme, würden wir uns ab 2,5 Millionen Euro aufwärts bewegen.“

Die Nachfrage ist aufgrund des niedrigen Zinsniveaus ungebrochen, das Angebot dagegen eher begrenzt. Wassernähe, Infrastruktur und das typisch Friesische sind am meisten gefragt; auf Föhr liegen Wyk, Nieblum und Utersum, auf Amrum Nebel in der Gunst der Interessenten ganz oben. Entsprechend seien die Angebote, sagt Both, ein solides Bestandshaus in Wyk koste derzeit im Schnitt 500 000 bis 600 000 Euro, bei Wohnungen liege der Quadratmeterpreis bei 6000 bis 8000 Euro. Auf Amrum steche Nebel heraus. Hier lasse sich der Neubau eines Friesenhauses ab 1,5 Millionen Euro aufwärts realisieren.

Moderater beziffert Thomas Kraus, Immobilienberater der Föhr-Amrumer Bank, die Verteuerung in den letzten zwei Jahren. Um etwa acht Prozent seien die Preise im Schnitt für ein Einfamilienhaus auf Föhr gestiegen, auf Amrum um sechs. Letzteres gelte auch für Eigentumswohnungen auf beiden Inseln. Die Mittelwerte für Standard-Bestandsimmobilien beginnen auf Föhr für Eigentumswohnungen je nach Lage bei zirka 3200 bis 4000 Euro/m² (Amrum 3500 bis 4500 Euro/m²). Bei Einfamilienhäusern sei der Käufer auf Föhr ab etwa 380 000 Euro und auf Amrum ab zirka 450 000 Euro dabei. Neubauimmobilien, betont Kraus, sind deutlich teurer.

Wohnen, wo andere Urlaub machen – diese Entwicklung wird wohl auch auf Föhr und Amrum anhalten. „Der derzeitige Trend wird moderat weiterwachsen, in zehn Jahren muss mindestens die Hälfte noch einmal draufgepackt werden“, sagt Claus Petersen. „Die Menschen wollen Eigentum erwerben, um so ihr Kapital sicher anzulegen, und viele haben Gefallen an dem hiesigen Umfeld gefunden.“ Dem stimmt Leif Both zu: „Ich bin überzeugt, dass wir in zehn Jahren noch einmal von ganz anderen Preisen sprechen.“

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