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125 Jahre Seebad Nebel (Teil 1) : Im „Lustigen Seehund“ hat alles begonnen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Wiege des Tourismus auf der Insel Amrum lag in Steenodde. 1889 wurde dann mit dem Bau des Kurhauses auf der Satteldüne begonnen.

Wenn man es ganz genau nimmt, dann sind weder Wittdün noch Norddorf die ältesten Seebäder auf Amrum, sondern die Gemeinde Nebel mit dem Hafenort Steenodde. Hier nämlich wurde schon vor 1890 der Fremdenverkehr begründet, als der eigentliche Entdecker von Amrum, der Architekt Ludolf Schulze aus Hannover, nach der Ablehnung seines Antrages auf die Badekonzession für die Südspitze Wittdüns auf Steenodde das Gasthaus „Zum lustigen Seehund“ kaufte, dieses als Haus für Sommergäste einrichtete und eine Art Fremdenverkehrsverein für ganz Amrum ins Leben rief. Das war im Jahre 1888 und insgesamt wurden 65 Betten auf Amrum für die Aufnahme von Badegästen angemeldet.


Auf wertlosem Heideland erbaut


Ludolf Schulze aber starb schon 1893 und hatte keinen weiteren Anteil an der neuen Erwerbsquelle Fremdenverkehr. Vielmehr traten für den Bereich der Gemeinde Nebel im Herbst des Jahres 1889 einige Herren aus Hamburg, nämlich die Anwaltskanzlei Fülscher & Genossen, der Kaufmann C. Timm, der Architekt W. Voigt und der Fabrikant H. Riese auf den Plan und trafen auf eine Amrumer Gemeindevertretung, die unverändert bereit war, hektarweise Inselland in bester Fremdenverkehrslage an auswärtige Interessenten zu verkaufen. Nicht nur die Dünen, auch Heideland hatte in den Augen der Amrumer kaum einen Wert, obwohl man die Heide immerhin zum Schlagen von Brennmaterial und für die Herstellung von Stallbesen nutzen konnte.

Nicht weniger als neun Hektar wurden am 11. Dezember 1889 an die oben genannten Herren verpachtet beziehungsweise später verkauft. Und diese begannen zügig mit dem Bau eines feudalen Kurhauses im schweizerischen Fachwerkstil – eine Bauleistung, die in der Rückschau höchste Bewunderung verdient. Denn das Material musste über den Strand bei Steenodde, wo die Schiffe bei Hochwasser anlandeten, bei Ebbe mit Hilfe von Pferdefuhrwerken Amrumer Bauern entladen und über Süddorf und die Westerheide zum Bauplatz an der Satteldüne befördert werden. Trotzdem wurde der Prachtbau in unglaublich kurzer Zeit vollendet.


Reichlich ausgestattete Logierzimmer


Das Kurhaus meldete 70 „reichlich ausgestattete Logierzimmer mit anerkannten breiten Betten und Balkonen vor den meisten Zimmern …“ Eine Pferdebahn brachte die Besucher durch die Dünen und über den Kniep zu einer Badeanlage an der Nordseebrandung. Und des Weiteren verrät ein Prospekt‚ dass „das Publikum den besten Klassen angehört und große Sorgfalt darauf gelegt wird, jene Elemente fernzuhalten, welche den guten Ton stören könnten …“ Zur besten Klasse des Publikums gehörten auch der deutsche Offiziersverein mit den Wandsbeker Husaren.

Aber weniger gut ging es mit den Finanzen. Schon 1895 stand das hochherrschaftliche Leben im Kurhaus zur Disposition. Die Hamburger Herren gerieten in Konkurs, und um ungünstige Nachrichten in der Presse des Vaterlandes zu vermeiden, wurde das feudale Gewese von der Aktiengesellschaft Wittdün, vertreten durch Heinrich Andresen, für die vergleichsweise günstige Summe von 150  000 Mark übernommen und durch Verpachtung weitergeführt. Die Aktiengesellschaft hieß nun „Aktiengesellschaft Seebäder Wittdün und Satteldüne“.


Vom Kurhaus zum Kinderheim


Das Kurhaus an der Satteldüne teilte nun das Schicksal des jungen Seebades Wittdün: Es ging mit diesem 1907 erneut in Konkurs und wurde analog zu den großen Hotels in Wittdün nach turbulenten Jahren des Ersten Weltkrieges und der Inflation 1923, nunmehr im Besitz der Provinzialfettstelle Kiel, in ein Kindererholungsheim umgewandelt. Als solches ist es dann durch die folgenden Jahre gekommen, bis 1959 unter dem Kommando zweier noch heute unvergessener Damen: Der Oberin Grothe und Dr. Schoenecke, die auch zugleich Allgemeinärztin (neben Dr. Ide) auf Amrum war und zu den wenigen gehörte, die damals auf der Insel ein Auto hatten. 1943 war das Heim von der Landesversicherungsanstalt (LVA) übernommen worden und in den 1960/70-er Jahren entstanden auf dem umfangreichen Gelände etliche Neubauten. Das ursprüngliche Fachwerkgebäude hatte schon im Laufe der Zeit einiges von seiner Ursprünglichkeit – etwa die beiden Türme an der Südseite – verloren. Und 1986 wurde es endgültig abgebrochen, um Platz für die heutige Kinderfachklinik zu schaffen. Mit etwa 160 Arbeitsplätzen ist die „Satteldüne“ inzwischen der größte Arbeitgeber auf Amrum.

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