1. Weltkrieg : Im Grabenkampf gefallen

Begeistert sind deutsche Soldaten im August 1914 in den Krieg gezogen. Viele kamen – wie Jan Jacobs – nicht zurück.
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Begeistert sind deutsche Soldaten im August 1914 in den Krieg gezogen. Viele kamen – wie Jan Jacobs – nicht zurück.

Die Historikerin Dr. Karin de la Roi-Frey erinnert an die Föhrer Gefallenen. Jan Jacobs wird nur 20 Jahre alt. In einem Brief schildert er kurz vor seinem Tod das Geschehen an der Westfront.

shz.de von
13. Januar 2015, 06:45 Uhr

20  000 preußische Oberschüler haben sich beim Ausbruch des 1. Weltkriegs im August 1914 freiwillig gemeldet. Wer nicht gleich genommen wird, fühlt sich aussätzig. Zu den „Glücklichen“, die sofort in den Krieg ziehen dürfen, gehört der Kriegsfreiwillige Jan Jacobs. Der 1894 geborene Wrixumer hat auf dem Nordseepädagogium am Südstrand das Einjährige (Mittlere Reife) gemacht und dann eine Lehre in der Bank begonnen.

Das Elternhaus von Jan Jacobs steht im Ohl Dörp 25a. Bis 1895 ist es das Wohnhaus der Lehrer des Dorfes, drei Jahre später sind Nommen Schröder aus Niebüll und seine Frau Ingke, geborene Petersen, aus Midlum die Eigentümer. Sie haben fünf Kinder, von denen Tochter Ida zusammen mit ihrem Mann, dem Tischler Johannes Jacobs aus Wyk, das Elternhaus übernimmt. Jan ist der Erstgeborene ihrer vier Kinder.

Am 9. November 1914 veröffentlicht die „Föhrer Zeitung“ einen Brief von Jan Jacobs an seine Lehrer auf dem Nordseepädagogium: „Noch gesund und munter! Heute haben wir einen guten Tag. Ob es nun mit dem Geburtstag der Kaiserin zusammenhängt, weiß ich nicht; wir erhielten zehn Zigarren, ein Stück Speck, Chokolade und anderes. So werden die Schrecken des Krieges bei manchem ein wenig verschleiert; es ist wirklich schrecklich. Mir ist schon manches Bild zu Gesicht gekommen, wo ich mir die Tränen nicht ersparen konnte. Aber es muss sein, und jeder ist sich seiner Aufgabe voll und ganz bewußt. Bald wird’s anders kommen und da gibt’s ja zweierlei: entweder als tapferer Held für das heiligste gut zu fallen, oder gesund in die Heimat zurückkehren zu dürfen. Beides ist ja schön, und getrost gehe ich der Zukunft entgegen.“

Für den erst zwanzigjährigen Wrixumer wird es keine Zukunft geben. Acht Wochen nach dem Brief an seine ehemaligen Lehrer fällt er bei Sturmangriffen und Grabenkämpfen, in denen die Franzosen manchmal nur 50 Meter entfernt liegen, bei Soisson an der Aisne in Nordfrankreich.

Einen Tag später fällt in den gleichen Kämpfen der gleichaltrige Carl Roeloffs aus Süderende. Er wird tot in einem Gehölz aufgefunden und ist der erste Gefallene der Gemeinde St. Laurentii. Ob sich die zwei jungen Föhrer Soldaten Jan Jacobs und Carl Roeloffs kannten oder in Frankreich getroffen haben, ist unbekannt. Wie die letzten Stunden von Jan Jacobs aussahen, ist nicht überliefert. Auch die Frage, ob man ihm noch hätte helfen können, bleibt unbeantwortet. Die Versorgung der verwundeten Soldaten findet unter dem Motto „Triage“ statt. Leicht verletzte Soldaten werden zur Einheit zurückgeschickt, schwerer Verletzte werden versorgt, und die, denen nicht mehr zu helfen ist, werden zum Sterben liegen gelassen.

Carl Roeloffs findet, wie auch wohl Jan Jacobs, seine letzte Ruhe in einem Kameradengrab ohne Kreuz oder Grabstein. Die Ehrenmale von St. Laurentii in Süderende und von St. Nicolai in Boldixum erinnern an die jungen Männer, die so früh ihr Leben verloren.


Und was geschieht auf Föhr?


„Der Krieg bekommt mir wie eine Badekur“, soll Paul von Hindenburg gesagt haben, als er drei Jahre nach seiner Verabschiedung als Kommandierender General eines Armeekorps am 8. August 1914 den Oberbefehl der 8. Armee übernahm. Von Oldsum heißt es Ende 1914: Schule schickt Liebesgaben an die Hindenburg-Armee im Osten ab. Zu denen, die die Liebesgaben anfertigen, gehören Mädchen und Frauen aus Nieblum. „Die Strickabende bei Pastor Hansen werden fortgesetzt, und viele, viele Sachen sind schon fortgeschickt von hier“, schreibt die Nieblumerin Friederika Goos in ihr Tagebuch.

Die „Föhrer Zeitung“ fordert auf: „Schickt den Truppen Würfelzucker!“

Gelesene Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, die den Männern auf den vorgeschobenen Posten der Nachbarinseln und Halligen die Zeit verkürzen helfen, befördert unter anderem der Schiffer Andreas Hanberg, der vertretungsweise auch immer wieder als Klingelmann fungiert, nach Sylt. Im November 1914 verliert er bei einem schweren Nordoststurm vor Hörnum sein Schiff.














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