Amrumer Forst : Holzdiebstahl – kein Kavaliersdelikt

Bauhofmitarbeiter mussten eine wild abgesägte Birke bergen.   oe 
Bauhofmitarbeiter mussten eine wild abgesägte Birke bergen. oe 

Seit dem Orkan wird immer wieder illegal Brennholz aus dem Amrumer Forst geholt. Dabei gefährden die Täter nicht nur sich selbst.

shz.de von
19. November 2013, 12:30 Uhr

Als Strandräuber haben sich viele Amrumer in früheren Jahrhunderten betätigt, wenn Frachtschiffe vor ihrer Küste gestrandet waren. Nachdem der Orkan „Christian“ vor drei Wochen im Inselforst zahllose Bäume umgeknickt oder entwurzelt hat, sind nun auf Amrum immer wieder „Waldräuber“ zu beobachten, die sich billiges Brennholz besorgen. Die Bürgermeister der drei Inselgemeinden würden beklagen, „dass das Rechtsverständnis von Brennholzliebenden Amrumern nach dem verheerenden Sturm eine deutliche Schieflage erlitten hat“, berichtet Ordnungsamtsmitarbeiterin Sabine Grochla. Die inselweit zu beobachtende unrechtmäßige Entnahme von Holz aus den Forstverbandsflächen stellt laut Grochla klar den Tatbestand des Diebstahls dar. Dieses Holz gehöre den Mitgliedern des Forstverbandes Amrum und könne trotz des vermeintlichen Überangebots keinesfalls verschenkt werden. Vielmehr müssten dringend Gelder gesammelt werden, um den immensen Schaden im Amrumer Wald beseitigen zu lassen und das Gebiet durch Neuanpflanzungen wieder aufzuforsten.

Darüber hinaus würden die Holzdiebe teilweise andere Menschen gefährden, wenn sie – wie bereits geschehen – Bäume unfachmännisch zerlegt und wurzellose Stämme frei an andere Bäume angelehnt zurückgelassen haben. „Das ist unverantwortlich“, schimpften die Mitarbeiter des Wittdüner Bauhofs, nachdem sie eine Birke weggeräumt hatten, die neben einem Zugang zum stark frequentierten Fuß- und Radweg zurückgelassen wurde. Sie beklagten zudem, dass nur die Stammhölzer abgeholt würden. Selbst dicke Äste blieben kreuz und quer liegen und müssten vom Bauhof weggeräumt werden.

Besonders dreist haben es Holzdiebe in Nebel getrieben. Ein Grundstücksbesitzer am Tanenwai musste feststellen, dass auf seinem privaten Grund und Boden Bäume gesägt, das Stammholz mitgenommen und das Geäst zurückgelassen wurde. „Ich bin über so viel Missachtung von Eigentumsverhältnissen erschrocken. Das erinnert doch an Piratentum“, erbost sich der Geschädigte.

Andere Grundstückseigentümer sitzen ihre Räumpflichten schlichtweg aus. Teilweise sind nach drei Wochen immer noch Gehsteige durch umgebrochene Bäume blockiert.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen