zur Navigation springen
Insel-Bote

21. Oktober 2017 | 03:53 Uhr

Wyk : Hochkarätige Lese-Saison

vom

Auch in diesem Jahr überzeugen die Veranstalter des Literatursommers mit einer sehenswerten Gäste-Liste.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2013 | 09:50 Uhr

Wyk | Am Donnerstag ist es wieder soweit, geht der "Literatursommer Föhr" in seine dritte Runde. Erstmals ohne Berücksichtigung des durch das Schleswig-Holstein Musik Festival und das Kieler Literaturhaus vorgegebenen Länderschwerpunktes, der in diesem Jahr das Baltikum in den Fokus rückt. "Baltische Literatur ist schwer zu finden, es fehlt an Substanz und bekannten Namen", erläutert Michael Steuer, Vorsitzender des Vereins "Föhrer Blickwinkel", der die Veranstaltung organisiert, den Schritt. "Das Publikum fühlt sich nicht angesprochen."

Ganz anders beim insularen Literatursommer, der auch in diesem Jahr wieder illustre Gäste und regional bekannte Autoren nach Föhr führen wird. So wird am 9. Mai mit Wibke Bruhns um 20 Uhr im Kurgartensaal eine der bedeutendsten deutschen Journalistinnen den diesjährigen Reigen eröffnen. Deren Leidenschaft war stets die politische Berichterstattung und sie bewegte sich in ihrem beruflichen Leben nah am Zeitgeschehen und dessen prägenden Politikern. "Nachrichtenzeit - meine unfertigen Erinnerungen" ist ihr Buch betitelt, in dem die Studentenproteste 1968 ebenso zur Sprache kommen, wie der Aufstieg und Fall Willy Brandts, die Guillaume-Affäre, die vermeintlichen Hitler-Tagebücher, der Mauerfall oder die Auseinandersetzungen im Nahen Osten.

Letzterer steht auch im Mittelpunkt der Lesung des langjährigen ARD-Korrespondenten Werner Sonne aus dessen Buch "Staatsräson?". Sonne schildert die intensive militärpolitische Kooperation zwischen Deutschland und Israel und stellt die Frage, wie weit Deutschland im Ernstfall für Israels Sicherheit haftet.

Weniger brisant, dafür amüsant und nicht weniger spannend, berichtet der Sänger, Schauspieler, Autor und Liedermacher Klaus Hoffmann aus seinem Leben. Von seiner Kindheit im Nachkriegs-Berlin und seiner von den 1968-ern geprägten Jugend. Bei seinen ersten Schritten als Sänger in Berliner Szenekneipen hatte er sich vors Publikum gestellt und gesungen, "als wenn es gar nichts wär".

Auch Krimi-Fans werden nicht zu kurz kommen. Dem "Toten am Hindenburgdamm" ist Kari Köster-Lösche auf der Spur, Jörgen Bracker zeichnet ein packendes Porträt des Freibeuters Claus Störtebeker und Heike Denzau stellt ihren spannenden Kriminalroman "Marschfeuer" vor, der die Oberkommissarin Lyn Harms mit einem Brandstifter in einer Wewelsflether Kleingartenkolonie konfrontiert.

Weitab jeder Kleingarten-Idylle führt Christoph Ransmayr in seinem "Atlas eines ängstlichen Mannes" das Publikum in siebzig Episoden durch Kontinente, Zeiten und Seelenlandschaften bis zu den abgelegensten Orten der Erde. Wie Landkarten fügen sich die Episoden des preisgekrönten Schriftstellers, der in atemberaubenden Bildern das Leben und Sterben, Glück und Schicksal der Menschen skizziert, zusammen.

Eine bildhafte Sprache, die auch Henning Boëtius auszeichnet. Dessen Vater Föhrer war und der seinen großen - noch unvollendeten - autobiografischen Roman treffend "Der Insulaner" nennt. Im vergangenen Jahr "angelesen", sind die Föhrer Kapitel nun abgeschlossen und Boëtius wird das Publikum mit seinem ambivalenten Verhältnis zur "grünen Insel" einmal mehr in seinen Bann ziehen.

Trockener Humor ist angesagt, wenn Konrad Lorenz, begleitet von dem Trio "Hafennacht", seine Jugend auf St. Pauli nach dem Zweiten Weltkrieg beschreibt und großen Unterhaltungswert bieten auch Jörn Ratering ("Mambo Supa dupa"), Jutta Heinrich ("Freudsche Versprecher/Verbrecher", "Die Geschlechtlichkeit der Badelatschen") und Dora Heldt ("Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen"). Für die jüngeren Zuhörer bietet Klaus Rudolf Dörre eine "Orientalische Märchennacht", begleitet Dagmar Chidolue ihre Protagonistin Millie einmal mehr an die Nordsee und lädt Katja Brandis mit ihrem Jugendroman "Ruf der Tiefe" zu einer spannenden Reise in die Tiefsee ein. "Literarisches Strandgut" heißt es bei Michael Steuer und Torsten Tews, die aus einem "angeschwemmten Bücher-Mix lustvoll lesen" und zudem die Biografie des großen Föhrer Kapitäns Jens Jacob Eschels in einer szenischen Lesung zum Leben erwecken.

Aus zwei Büchern wird der Schauspieler und Synchronsprecher Stephan Benson im Rahmen der Abschlussveranstaltung lesen. "Inselstolz" ist eine Hommage an Norddeutschlands überschaubare Welten an der Küste und das große Herz ihrer Bewohner, "Wellenbrecher" erzählt die Lebensgeschichten diverser Kapitäne, bietet Fernweh und die Dramatik wilder Stürme und der Verzweiflung. Informationen zum Programmablauf unter http://foehrer.blickwinkel.com/index.php/literatursommer. Karten für alle Veranstaltungen sind im Vorverkauf in der "Wyker Buchhandlung" in der Mittelstraße erhältlich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen