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Viel Arbeit : Hinter verschlossenen Türen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Woran arbeiten die Verantwortlichen des Museums Kunst der Westküste eigentlich im Winter?

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2017 | 18:47 Uhr

Die Eingangstür ist verschlossen. Hinter der Glasscheibe können Passanten verpackte Kartons sehen. Im Museumsshop werden veraltete Produkte durch neue ersetzt. Im angrenzenden Gasthof sind die Tische an die Wände geschoben, die Stühle stehen obenauf. Durch die große Glastür fällt der Blick in den grauen Wintergarten. Die Terrasse, wo im Sommer Gäste an Tischen in der Sonne sitzen, ist geräumt. Die Spiegelwände zeigen nur die weiße Fassade der umliegenden Gebäude.

Jedes Jahr im Winter ist das Museum Kunst der Westküste (MKDW) für mehrere Wochen geschlossen. Die Verantwortlichen nutzen diese Zeit, um die alte Ausstellungen ab- und eine neue aufzubauen. Was passiert genau hinter den verschlossenen Türen des Museums? Der Insel-Bote hat einen Blick hinter die Kulissen des MKDW geworfen.

Neuer Anstrich

Die Shop-Mitarbeiter und das Aufsichtspersonal haben in diesen Wochen Urlaub. Die Zeit wird genutzt, um das Museum zu renovieren. „Wir haben in diesem Jahr fast alle Wände neu streichen lassen“, sagt die Museumsverantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Chrstiane Morsbach. Zunächst werden die Löcher verputzt, anschließend bekommen die Wände einen neuen Anstrich: die Galerie erstrahlt in Weiß und Grau, die Säle werden in Beige und Weinrot getaucht. „Darauf lassen sich Papierarbeiten gut darstellen. Zudem dürfen diese nicht so viel Licht bekommen“, erklärt Morsbach. Die Glasräume, wo die Skagen-Ausstellung aufgehängt werden soll, werden in einem Sandton gestrichen. „Das Beige stellt die langen Strände dar. Zusätzlich spielen wir hier mit rosa und orange – für Sonnenuntergänge und -aufgänge“, sagt die Pressesprecherin. Dieses Farbspiel soll die richtige Umgebung für die Malerei mit Meeresansichten geben. Für den Anstrich sorgt Holger Eggert mit seinem Team. Für alles brauchen sie etwa zwei bis drei Wochen. „Zudem haben wir im Museum ein neues Lichtsystem installieren lassen“, so Morsbach. Die Deckenstrahler werden nun mit LED beleuchtet.

Frei Surfen

Der Haustechniker läuft mit Thorben Dohrn durch die Räume und überprüft die Ausleuchtung der neu installierten Antenne für den MKDW-Hotspot. Das Museum will zukünftig freies Wlan ohne Zugangsdaten im kompletten Museum anbieten. „Die neue Antenne hat theoretisch eine Reichweite von 180 Metern, abzüglich der Wände“, erklärt Dohrn. Ziel sei es, eine komplette Ausleuchtung des Gebäudes hinzukriegen. Deshalb laufen die zwei Herren gemeinsam durchs Museum und überprüfen die Signalstärke der Antenne mit dem Smartphone.

Die Ideen-Stube

Die Museumsdirektorin Professor Ulrike Wolff-Thomsen sitzt in der Verwaltung. In ihrem Dachgeschoss-Büro entstehen viele Ausstellungskonzepte. „Hinter einer Ausstellung steckt ein ganzes Konzept. Die Bilder werden nicht einfach mit Nägeln an die Wand gehämmert“, sagt die Kuratorin.

Zunächst muss ein Thema gefunden werden: „Was gibt es Interessantes für Urlauber und Insulaner? Was ist so noch nicht da gewesen? Dann kann eine Fragestellung entwickelt werden“, erklärt Wolff-Thomsen.

Die Dauer der Vorbereitung hängt vom Thema ab. Die anstehende Dombrowski-Ausstellung – historische Fotos aus dem 1950-er Jahren – wurde etwa ein Jahr im Voraus geplant. „Die Overbeck-Ausstellung war hingegen mit Forschung verbunden. Es ist schließlich die erste Ausstellung, die sich mit Werken beider Künstler auseinandersetzt“, erklärt die Kunst-Expertin. Briefwechsel, Zeichnungen und Skizzen erfordern einen größeren zeitlichen Aufwand. „Dann ist ein Vorlauf von zweieinhalb Jahren bestimmt notwendig.“ Aus diesem Grund sitzt Wolff-Thomsen zurzeit bereits an der Planung für die Ausstellungen 2019.

In der Konzeptplanung stellt sich als nächstes die Frage: Welche Ausstellung passt zu welchen Räumlichkeiten. Die Architektur und die Helligkeit der Räume spielen hier eine Rolle. Die Ausstellungssäle eignen sich besonders für Gemälde, die Spiegelräume für Figuren, Skulpturen und Videos. Auf der Galerie wirken hingegen Fotografien besonders gut. Die Museumsdirektorin zeigt auf einem Grundriss des Museums, wie die Planung genau abläuft: Hier ist markiert, wie viele Bilder etwa an eine Wand passen. Auch Besonderheiten, wie Steckdosen, müssen beachtet werden. „Ziel ist es, mit der Ausstellung eine Geschichte zu erzählen“, erklärt Wolff-Thomsen.

Das Konzept wird zunächst auf Papier erstellt. Anschließend wird die Ausstellung mittels eines Computerprogramms simuliert. „Zu 85 Prozent funktioniert die Theorie auch in der Praxis“, weiß die Kuratorin aus Erfahrung.

Hinter den einzelnen Ausstellungen steckt ein großer organisatorischer und kreativer Prozess. „Es gibt immer wieder Überraschungsmomente. Wenn die Originale erst einmal hängen und aufeinander reagieren, dann erzählen sie ihre eigene Geschichte“, zeigt Wolff-Thomsen ihre Begeisterung. Auch sie gewinne dann immer wieder neue Erkenntnisse. Besonders sei auch, dass die Ausstellungen ebenfalls manchmal miteinander kommunizieren. Wie in der vergangenen Saison: „Die Fotografien von Mila Teshaieva sahen aus wie gemalt, Jochen Heins Gemälde hingegen wie fotografiert“, sagt die Museumsdirektorin.

Kunst vermitteln

In der Werkstatt hinter dem Blauraum stehen Tische, Stühle und Staffeleien in Reih und Glied. Papier und Stifte liegen bereit. Die Leiterin der Kunstvermittlung, Sylvia Haumersen, hat für den nächsten Workshop alles vorbereitet. Dieses Jahr bietet das Museum erstmals auch Workshops während der Winterpause an – allerdings nur für Klinikgäste. Das Thema ist die kommende Skagen-Ausstellung.

Auch einheimische Kinder kommen ein bis zwei Mal im Jahr hierher. „Es ist toll zu sehen, wenn die Kinder nach Monaten wiederkommen und sich an einzelne Bilder erinnern“, sagt Haumersen. „Es ist schön, dass etwas hängen bleibt.“ Ab dem 5. März sind die Türen des Museums dann wieder für alle geöffnet.

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