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Flüchtlinge : Hilfestellung beim Start in ein neues Leben

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Verwaltung sucht ehrenamtliche Betreuer für Asylbewerber. In diesemJahr müssen im Bereich des Amtes Föhr-Amrum 33 Menschen aufgenommen werden.

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erstellt am 27.Mai.2014 | 11:45 Uhr

Sie haben ihre Heimat aufgegeben, Familienangehörige und Freunde zurückgelassen und auf ihrer langen und oft gefährlichen Reise häufig sogar ihr Leben riskiert, um fern von Bürgerkriegen, Gewaltherrschaft oder bitterer Armut neu beginnen zu können. Immer mehr Flüchtlinge und Asylbewerber kommen auch nach Deutschland, müssen untergebracht und bei ihrem Start in dem fremden Land, dessen Sprache sie meistens nicht beherrschen, unterstützt werden – auch auf der Insel Föhr.


Kaum Sprachkenntnisse


Jede Kommune muss eine Aufnahmequote erfüllen. 33 dieser Menschen werden so im Jahr 2014 nach Föhr kommen, berichtet Ordnungsamtsleiter Jörg Michelsen. Auch wenn die abgelegene Insel für viele nur eine Zwischenstation ist, sie sich darum bemühen, bald wieder aufs Festland zu ziehen, wo das Leben billiger ist und Integrationsangebote leichter erreichbar sind – solange sie hier sind, benötigen sie Ansprechpartner, die sie auf den ersten Schritten in ein neues Leben begleiten. Eine Aufgabe, die das Amt nicht in ausreichendem Umfang leisten kann. Deshalb sucht die Amtsverwaltung Insulaner, die bereit sind, die Neuankömmlinge ehrenamtlich zu betreuen und vielleicht sogar als Dolmetscher wirken können.

„Wir schaffen das nicht, mit denen mittags einkaufen zu gehen“, beschreibt Amtsdirektorin Renate Gehrmann eine der Aufgaben, die auf die Betreuer zukommen würden. Denn die Asylbewerber, die der Insel zugewiesen werden, werden zwar von Mitarbeitern des Ordnungsamtes am Fähranleger abgeholt und finden in ihren Unterkünften eine Erstausstattung an Möbeln und Hausrat vor. „Wir gehen mit denen zum Sozialzentrum und einmal einkaufen, zeigen ihnen, wo die nächste Bushaltestelle und der Sperrgutbasar ist und versuchen auch, ihnen aus unserem Fundus Fahrräder zur Verfügung zu stellen“, so Ordungsamtsleiter Jörg Michelsen.

Doch dann müssen diese Neu-Insulaner sich allein zurechtfinden. Und sie müssen mit dem Geld, das sie vom Sozialzentrum bekommen, auskommen. Gerade mal 362 Euro im Monat sind das und damit noch weniger, als ein Hartz IV-Empfänger erhältt. Dass man damit auf der Insel kaum zurecht kommen kann, weiß auch der Leiter des Sozialzentrums, Uwe Fester. Mit ein Grund, dass viele Asylbewerber Föhr möglichst bald wieder verlassen wollen. Ein weiterer seien Therapieangebote, die es für sie hier nicht gebe. Denn etliche der Flüchtlinge, die auf Föhr stranden, seien durch das, was sie in ihren Heimatländern und auf der Flucht erlitten haben, schwer traumatisiert und behandlungsbedürftig.

Aktuell, so berichtet Jörg Michelsen, leben neun Flüchtlinge aus Afghanistan auf Föhr, darunter drei Kinder. Doch er rechnet fest damit, dass der Insel bereits im Juni weitere Asylbewerber zugewiesen werden und sich so die Unterkünfte bald wieder füllen. Neben dem „Blauen Haus“ und dem benachbarten Neubau in Wyk sowie dem Haus Nickels in Alkersum sind das auch ehemalige Dienstwohnungen, die sich in kommunaler Hand befinden.

Bei der Belegung werde genau darauf geachtet, dass die Menschen, die dort zusammen leben müssen, zueinander passen, nicht etwa aus Ländern kommen, die verfeindet sind. „Familien nehmen wir am liebsten, weil es für die hier gute Voraussetzungen gibt“, meint Jörg Michelsen.


Oft traumatisiert


Egal ob Familien oder Einzelpersonen – anfangs fühlen die meisten Asylbewerber sich in der neuen Heimat recht verloren. „Wir können die nicht einfach zusammenpferchen, wir müssen etwas für diese Menschen tun“, betont Renate Gehrmann. „Dazu benötigen wir Ansprechpartner außerhalb der Behördenstruktur, die die Ankömmlinge auf ihren ersten Schritten begleiten“. Bei Einkäufen, Behördengängen und Arztbesuchen seien die ehrenamtlichen Betreuer gefragt, und gelegentlich auch als erste Anlaufstelle bei Problemen.

Ganz besonders froh wären Gehrmann, Michelsen und Fester außerdem, wenn sie Menschen finden würden, die die Sprache der Neu-Föhrer sprechen und dolmetschen können. Einen Insulaner, der Afghanisch spreche, habe man inzwischen sogar aufgetan, berichtet Jörg Michelsen.

Wer bei der Betreuung der auf Föhr untergebrachten Asylbewerber helfen möchte, kann sich mit dem Amt Föhr-Amrum, ✆ 04681/50040, in Verbindung setzen.

 

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