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Insel-Bote

19. November 2017 | 08:07 Uhr

Auf Amrum : Heuler mit Familien-Anschluss

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Holger Lewerentz ist ein vom Land Schleswig-Holstein bestellter Seehundjäger. Eine Nacht lang hatte er einen ganz besonderen Gast.

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2015 | 09:00 Uhr

Holger Lewerentz ist Jäger, nahm an einer rund sechsmonatigen Spezialausbildung mit diversen Lehrgängen auf dem Festland teil, und unterstützt nun als vom Land Schleswig-Holstein bestellter Seehundjäger seine beiden Kollegen auf Amrum. Die umfassende Schulung reichte von der Theorie bis zum Sezieren und Analysieren toter Tiere. Bereits seit September des vergangenen Jahres ist der 52-Jährige dabei, hat Bekanntschaft mit einer bissigen Kegelrobbe gemacht und musste viele tote, an einer Infektionskrankheit verendete Tiere bergen.

In diesem Jahr stellt sich die Lage an Amrums Stränden allerdings wieder entspannter dar, berichtet der gebürtige Itzehoer. Und es gibt auch nette Momente im Alltag, die verdeutlichen, dass den Seehundjägern das Wohlergehen und der Schutz der Seehunde, Kegelrobben und anderer Meeressäuger am Herzen liegen.

So hatte Lewerentz zu dem ersten Heuler der Seehund-Wurfsaison, einem von der Mutter getrennten Neugeborenen oder Jungtier, ein besonderes Verhältnis. Das etwa drei Tage alte Tier hatte sich im Norden der Insel einem badenden Mädchen angeschlossen und war mit auf den Strand gerobbt. Die Mutter tauchte auch nach Stunden nicht auf, um den Nachwuchs wieder ins Wasser zu locken, und der Seehundjäger war gefordert.

Da der Transport in die Aufzuchtstation in Friedrichskoog erst am nächsten Morgen möglich war, bekam das kleine Raubtier Familienanschluss. „Bis zur ersten Fährabfahrt am nächsten Morgen habe ich kein Auge zugetan“, berichtet Lewerentz, denn der Heuler habe seinem Namen alle Ehre gemacht und ununterbrochen nach seiner Mutter gerufen. Nun ist er froh, dass der „Zwerg“ eine reelle Chance hat, aus der Aufzuchtstation wieder ausgewildert zu werden.

Seehunde und Kegelrobben gehören im nordfriesischen Wattenmeer zu den imposantesten Tieren dieses einzigartigen Lebensraumes. Der Seehund unterliegt dem Jagdrecht, wird aber bereits seit 1974 in Schleswig-Holstein nicht mehr bejagt. Die Jäger sind im Rahmen ihrer Hegeverpflichtung zuständig und verantwortlich für den Schutz der Tiere. Die Landesregierung hat speziell geschulte Seehundjäger eingesetzt, die über eine umfangreiche Jagdausbildung und den notwendigen Sachverstand für die Anatomie und Lebenszyklen der schutzbefohlenen Tiere verfügen.

Seehunde werden 140 bis 180 Zentimeter lang und 100 bis 130 Kilogramm schwer, ihr Aussehen ist stark von dem Trocknungsgrad ihres Felles abhängig. Die natürliche Lebenserwartung liegt bei maximal 40 Jahren. Die elfmonatige Tragezeit der Weibchen endet mit dem Wurf im Juni oder Juli. Der im Durchschnitt 85 Zentimeter große und sieben bis zehn Kilogramm schwere Nachwuchs wird gut fünf Wochen gesäugt und muss sich dann selbst versorgen.

Empfohlenes Verhalten beim Fund eines verletzten Seehundes oder Heulers: die Tiere nicht anfassen; Hunde fernhalten; einen Abstand von mindestems 300 Metern einhalten; Seehundjäger, Seehundstation oder Polizei benachrichtigen; Seehunde nicht ins Wasser jagen.

 

 

 

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