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Insel-Urlaub : Herr Wechsel in der Wechselzone

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Seit zwei Wochen trainiert Frank Wechsel auf Föhr für den Hamburg-Triathlon. Sein Ziel ist der Ironman auf Hawaii.

Am Wochenende war er nach Dänemark ausgebüchst. Mal eben auf die Insel Rømø und zurück, 200 Kilometer Radfahren, ohne dauernd wenden zu müssen. Frank Wechsel grinst. Denn eigentlich ist Föhr sein Trainingsgebiet. Hier bereitet sich der 42-Jährige auf den härtesten Triathlon vor, den es gibt. Den Ironman auf Hawaii. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen. In zünftiger Hitze am 14. Oktober. Davor liegt aber noch die Qualifikation, die er schaffen muss, am 13. August in Hamburg. Die gleiche Langdistanz. Seine Supersportleruhr zählt schon seit Trainingsbeginn die Tage runter: noch neun! Wenn er da durch ist und gut war, dann darf er nach Hawaii. 400 gehen in Hamburg in seiner Altersklasse (40 bis 44) an den Start. Nur die ersten vier kommen weiter. „Ob das in 9:30 Stunden oder 9:50 sein wird, weiß keiner. Hamburg hat die Langdistanz zum ersten Mal. Aber wenn alles glatt läuft, dann hab ich eine Chance“, sagt der Familienvater.

Mit Frau und zwei Kindern ist er seit zwei Wochen auf Föhr. Ein Kompromiss, sagt er. Aus Trainingslager für Papi und Urlaub für die Kids, sieben und zehn Jahre alt. Seine Frau Silke Insel trägt das gottseidank alles mit. Frank Wechsel lacht: „Eigentlich habe ich mir vorgestellt, das ich morgens um sechs Uhr 30 Kilometer laufen gehe und dann ab neun Uhr Zeit für die Familie habe.“ Kopfschütteln. „Aber in der Realität bin ich danach so platt, dass ich erst Mal zwei Stunden auf dem Sofa liege.“

Heute und morgen ist noch großes Training, am Sonntag dann zum Abschluss der Wyker Stadtlauf, zwei Runden, zehn Kilometer. Frau und Kinder laufen eine Runde. Danach fährt Wechsel das Training langsam runter. Sein Pensum bisher: 750 Kilometer auf dem Rad, zwölf im Meer und 95 Kilometer auf den Beinen. „Zum Laufen ist es hier phantastisch.“ Frank Wechsel liebt die Bebauung in Oldsum und Nieblum. „Das muss man sich immer wieder bewusst machen, wie schön das hier ist.“ Radfahren ist auch okay. Seine Uhr am Handgelenk überträgt jeden Kilometer auf die Föhrkarte in seinem Handy. Wilde Zickzackmarkierungen quer über die Insel. Einmal rum sind 30 Kilometer.

„A der Wind und B diese gewisse Monotonie sind schon gut fürs mentale Training“, sagt Wechsel. „Wenn man das schafft, schafft man noch ganz andere Sachen.“ Das Schwimmen freilich ist schwierig im Meer. „Ist eigentlich mehr so ein Durchpflügen. Bei dem Wind und der Strömung kann man technisch nicht sauber schwimmen.“ Auch hier überträgt seine Uhr alles aufs Handy. Auf dem Display ist zu erkennen, dass Wechsel für 100 Meter mal 40 Sekunden und mal vier Minuten gebraucht hat. „Optimale Bedingungen sind das natürlich nicht“, sagt er und kündigt an, diese Woche noch aufs Rad zu steigen, damit nach Flensburg zu fahren und dort im Campus-Bad eine Vier-Kilometer-Einheit zu bewältigen. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit auf dem Rad beträgt zwischen 33 und 36 Stundenkilometer. „Ist schon irre“, sagt Wechsel. „Früher reichten Tacho und Pulsuhr, heute wird deine Leistung in Watt gemessen und über ein Tool gleich aufs Handy übertragen“.

Frank Wechsel hat optimale Bedingungen: Sein Verlag in Hamburg, den er gemeinsam mit seiner Frau betreibt, gibt Sportmagazine heraus. Auch Bücher. Die „Laufbibel“ ist da der Bestseller, einige Exemplare gibts am Sonntag beim Stadtlauf zu gewinnen. Geschäftsführer Wechsel, der als Fotograf auch schon bei den Olympischen Spielen war, hat natürlich Verbindungen in die Branche – und auf Föhr ein tolles Testfahrrad. Carbon, kaum zehn Kilo, Hochprofilfelgen, 12  000 Euro kann so ein Stück schon kosten. „Alles auf Aerodynamik ausgelegt“, sagt Wechsel.

Frank Wechsels letzte Langdistanz, der Holland-Klassiker in Almere, liegt 20 Jahre zurück. Da war er 21 und topfit. 9:11 Stunden hat er gebraucht. Damals studierte der bei Osnabrück Geborene in Marburg, Hannover und Freiburg Medizin. „Arzt wollte ich nie werden, aber der Körper und seine Physiologie hatte mich schon immer interessiert.“ Die Idee, jetzt nochmal so ein großes Ding zu reißen, hat mit Hamburg zu tun. „Ich hab’ immer gesagt, wenn die lange Distanz mal zu uns in die Heimat kommt, dann bin ich am Start“, sagt er und lacht. „Und als das dann im Sommer 2016 feststand, da war das im ersten Moment ein Schock“, erinnert er sich. „Ich musste ja bei Null anfangen.“ Dank Leistungsdiagnostik, Ernährungsberatung und Rückhalt zuhause („Ich habe dieses Jahr erst drei Mal Rasen gemäht und noch immer nicht die Winterreifen gewechselt“) hat er die Vorbereitung gut gemanaged. „Aber aufstehen und loslaufen muss man natürlich immer noch selbst“, sagt er. 15 Kilo hat er abgenommen, er fühlt sich gut. Für die zehn Kilometer am Sonntag hat er einen Plan: „Die ersten Fünf mit angezogener Handbremse, die zweite Runde dann gucken, wo man liegt.“ Für Hamburg hofft er auf Wind. „Den kann ich jetzt“, sagt er und lacht.

In der Mitte zwischen Hamburg im August und hoffentlich Hawaii im Oktober liegt noch der Tri-Island-Triathlon auf Amrum, Föhr und Sylt. Na klar, läuft Wechsel den auch. Als Medienpartner war sein Verlag schon die letzten beiden Male involviert und Wechsel war mit Mikrofon am Anzug und Sportkamera auf dem Kopf unter den Aktiven eher reportermäßig unterwegs. „Aber dieses Mal lauf ich ohne und gucke, wie ich durchkomme“, hat er sich vorgenommen. Seine Frau wird auch mitlaufen. Ihre Familie hat Wurzeln auf Föhr, weshalb Familie Wechsel/Insel seit Jahren das Eiland fest im Urlaubsplan hat. Der Silvesterlauf ist ein Muss. Und das Neujahrschwimmen auch. Da haben alle vier Spaß dran.

Einen interessanten Ernährungs-Tipp hat Frank Wechsel noch für die Anstrengungen einer Triathlon-Langdistanz: Vorteilhaft sei ein leerer Magen-Darm-Trakt und ein voller Kohlenhydratspeicher. Wie man das am besten macht? „Viel Cola, Gummibärchen und Milchreis.“

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