auf Föhr und amrum : Helfen, wenn Hilfe benötigt wird

Der Vorstand: Maiken Dethlefs, Elke Clausen, Elke Schultz, Gabriela von Hollen-Heindorff, Dr. Immo Borth sowie Susanne Campbell, die bisher als Schriftführerin fungierte (v. re.).
Der Vorstand: Maiken Dethlefs, Elke Clausen, Elke Schultz, Gabriela von Hollen-Heindorff, Dr. Immo Borth sowie Susanne Campbell, die bisher als Schriftführerin fungierte (v. re.).

Die Hospiz-Initiative hat 2016 elf Menschen in ihren letzten Tagen begleitet. Der Verein feiert im Herbst sein zehnjähriges Bestehen.

shz.de von
29. März 2017, 12:15 Uhr

Seit zehn Jahren gibt es nun die Hospiz-Initiative Föhr-Amrum. Daran erinnerte ihre Vorsitzende, Elke Schultz, bei der Mitgliederversammlung, bei der sie die abgelaufenen Monate Revue passieren ließ. Geprägt waren sie von großem Einsatz der Helferinnen und Helfer, aber auch durch den Abschied vom langjährigen Vorsitzenden Jörg Weißbach, der die Insel verlassen hat. Als Verlust bezeichnete Schultz auch das Ausscheiden von Susanne Campbell aus dem Amt der Schriftführerin.

Die Helferinnen und Helfer der Hospiz-Initiative haben, so steht es im Jahresbericht, im vergangenen Jahr elf Menschen in ihren letzten Tagen begleitet und insgesamt 1800 Stunden der Initiative und ihren Aufgaben geschenkt. Auf 20 ehrenamtliche Helfer kann die Initiative bauen und mit Mirjam Meister und Kerrin Mengel gibt es nun zwei neue Koordinatorinnen. Die beiden Frauen kamen pünktlich zur Mitgliederversammlung von einer Ausbildung auf dem Festland zurück, die sie erfolgreich mit der Prüfung abgeschlossen haben. „Wir haben eine Menge Input bekommen und der Kopf schwirrt uns noch“, berichteten die beiden, die in Zukunft die ersten Ansprechpartnerinnen für Einsätze der Helfer sein werden.

Die zweite Vorsitzende der Initiative, Ina Ketels, wird eine Ausbildung zur Begleitung von Kindern und Jugendlichen absolvieren. Außerdem soll im Jahr 2018 eine neue Ausbildungsreihe für Hospizbegleiter stattfinden, so ein Ausblick in die Zukunft. Bereits jetzt gebe es eine ganze Reihe von Interessierten.

Elke Schultz berichtete weiter davon, dass das kleine Hospiz-Zentrum in Wyk, das als Anlaufstelle dienen sollte, nicht angenommen wurde. „Wir werden dieses Zentrum nicht fortführen, ist es doch für Ehrenamtliche auch frustrierend, im Büro zu sitzen und vergebens zu warten“, so Schultz. Man denke nun über eine Alternative zu diesem Treffpunkt nach. Auch das Trauer-Café in Nieblum, das anfangs recht gut besucht wurde, soll eingestellt werden. Als Problem hat Elke Schultz die mangelnde Anonymität auf Föhr erkannt, was Trauerende davon abhalten könne, sich im Gespräch zu öffnen. Stattdessen soll in Zukunft zwei mal im Jahr ein „Lebendcafé End-lich“ stattfinden. Dabei soll den Besuchern die Möglichkeit geboten werden, miteinander ins Gespräch zu kommen. Um aber weiter in der Öffentlichkeit präsent zu sein, sollen in den kommenden Monaten zahlreiche Veranstaltungen angeboten werden. Dazu gehört auch eine Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen, die am 22. September in „Grethjens Gastof“ in Alkersum stattfinden wird.

Dem Kassenbericht von Michael Cornils, den Susanne Campbell verlas, war zu entnehmen, dass die Initiative durch zahlreiche Organisationen unterstützt wird, so vom Föhrer Landfrauenverein, den Rotariern, dem Roten Kreuz und der Tourismus GmbH (FTG).

Zu den Regularien der Jahresversammlung gehörten auch die Wahlen. Dabei wurden Gabriela von Hollen-Heindorff zur neuen Schriftführerin gewählt und Dr. Immo Borth als beratender Arzt des Vorstandes bestätigt. Zweite Beisitzerin bleibt Maiken Dethlefs und dritte Beisitzerin wurde Elke Clausen. Als Kassenprüferinnen werden Susanne Campbell und Hannelore Fock-Smith fungieren.

Unter dem Punkt Verschiedenes berichtete Elke Schultz davon, dass, sobald Ina Ketels ihre Ausbildung abgeschlossen hat, im Internet ein Chat für Jugendliche eingerichtet werden soll. Man gehe davon aus, dass junge Menschen sich auf diese Weise eher mitteilen können. Generell sei aber die Hospiz-Initiative stets über eine feste Telefonnummer erreichbar. „Viele Betroffene melden sich erst sehr spät“, wusste die Vorsitzende zu berichten, doch als Initiative sei man stets bemüht, schnell zum Einsatz zu kommen, um Unterstützung und Hilfe zu bieten.

Als Referent war Dr. Hermann Ewald, ärztlicher Leiter des Flensburger Katharinen-Hospizes, nach Föhr gekommen, um über das Palliative-Care-Netz Nord (PCNN) zu informieren. Hermann Ewald fungiert in Flensburg als Koordinator der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) für die Bereiche Flensburg, den Kreis Schleswig-Flensburg und den Kreis Nordfriesland. Die SAPV ist flächendeckend im ganzen Land im Einsatz und wird von den Krankenkassen finanziert, wobei Krebskranke einen Großteil der Betreuten ausmachen. Die SAPV wird von den Hausärzten verschrieben und die palliative Betreuung übernehmen Ärzte und Pflegekräfte, die als patientenbezogene Teams eng zusammenarbeiten.

Im Zuständigkeitsbereich von Ewald sind 42 Ärzte und 113 Pflegekräfte im Einsatz, und es gibt 93 Kooperationspartner – unter anderem Apotheken, Seelsorger und Physiotherapeuten. Mit vier Palliativmedizinern weist Föhr prozentual die höchste Facharztdichte in diesem Bereich in der Region auf, berichtete der Gast vom Festland. Sein Vortrag mündete in ein längeres Gespräch, bei dem die Besucher sich über weitere Einzelheiten der SAPV informierten.



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