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1. Weltkrieg : „Heldentod“ mit 19 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Wyker Friedrich Bohn hatte sich im August 1914 freiwillig gemeldet. Acht Monate später fällt er in Flandern.

General Erich Ludendorff ist enttäuscht. Die Voraussage über die Wirkung der Blasangriffe war stark übertrieben. Aus 6000 Stahlflaschen hat man am 22. April 1915 in einem Frontabschnitt bei Ypern/Flandern fünf Minuten lang Chlorgas abgeblasen. Eine weißgelbe, zerstörerische Wolkenwand wälzte sich in sechs Kilometer Breite auf die gegnerische Seite zu. Kein Soldat verfügte über eine Gasmaske. Durch diesen ersten Gasangriff der Kriegsgeschichte verlieren die Franzosen am „Schwarzen Tag von Ypern“ 15  000 Mann. Die hinter der Gaswolke operierenden Deutschen überrennen die Linien der Alliierten. Der Gegner kann zwar zurückgeworfen werden, aber nur für kurze Zeit.

Zu einem der bei Het Sas/Ypern kämpfenden Reservekorps gehört auch der aus Wyk stammende Friedrich Bohn. Der Tag, an dem die Oberste Heeresleitung den Frontdurchbruch einstellt, weil das Giftgas nicht genug Wirkung zeigt, ist der 25. April 1915. Es ist der Todestag des 19-jährigen Friedrich Bohn. Von einem Kameraden ihres Sohnes erhalten die Eltern Matthias Bohn und Christine geb. Cortzen bereits wenige Tage später die Nachricht, dass Friedrich den „Heldentod fürs Vaterland“ gestorben ist. Am 16. Mai 1915 wird in der St- Nicolai-Kirche eine Gedächtnisrede für ihn gehalten.

In Friedrichs Geburtsjahr 1895 gründet sein Vater, der Klempnermeister Matthias Bohn, seine Firma in Wyk, für die der Nachfolger schon feststeht: Friedrich. Acht Jahre geht Friedrich in Wyk zur Schule, dann besucht er eine höhere Schule und wohnt während dieser Zeit bei seinem Onkel Bernhard Bohn in Brunsbüttel. Gleich bei Kriegsbeginn meldet sich Friedrich Bohn freiwillig. Mit seinem Tod 1915 ändert sich für den Bruder Bernhard alles. Nun wird er die Firma übernehmen, obwohl er künstlerisch veranlagt ist und eigentlich Seemann werden möchte. Bernhard Bohn besucht nach dem 1. Weltkrieg eine Fachschule für Klempner und Installateure, und zwar die künstlerische Abteilung. Sein Sohn Matthias „Tiesche“ bewahrt bis heute das väterliche Meisterstück – ein zwölfteiliges Teeservice mit Kanne aus Neusilber – auf. Bernhard Bohn wird auch den Gedenkstein für seinen Bruder Friedrich auf der Familiengrabstätte in Boldixum entwerfen und ausführen.


Und was geschieht auf Föhr?



Friedrich Bohns Mutter Christine ist eine Tochter von Friedrich Wilhelm Cortzen, Tischler auf der Wyker Werft, und Caroline Cortzen geb. Andresen. Sie führen am Wyker Sandwall 20 ein großes Logierhaus, das spätere „Haus Possehl“. Ihre Tochter Marie ist die erste Frau von Friedrich Bohns Onkel Bernhard in Brunsbüttel. Neben Marie und Friedrich Bohns Mutter Christine haben die Cortzens noch zwei Töchter: Caroline, deren Mann Richard Possehl 1917 fallen wird, und Emilie, die ihren Mann Franz Köhn drei Jahre nach Kriegsende an den Folgen seiner Kriegsverletzungen sterben sehen muss.

Franz Köhn gehört zu denjenigen, die zur Inselwache Amrum abkommandiert werden. Auf einer am 11. September 1914 abgestempelten Feldpostkarte schreibt er seinen Schwiegereltern von Wittdün: „Dies, bei einer Felddienstübung aufgenommene Bild zeigt Euch einen Teil derjenigen, die täglich vergeblich nach unseren Gegnern ausspähen. Mögen sie doch endlich mal kommen. Für die mir von Euch, Familie Possehl und Familie Bohn übersandten Grüße bedanke ich mich vielmals und erwidere sie Allen, herzlichst Franz.“

Am 21. Mai 1915 schreiben die Cortzens an „Gefreiter Franz Köhn, Inselwache, Amrum“: Sollte Italien sich nicht noch bedenken. Es wäre zu wünschen.“ Drei Tage später findet der Kriegseintritt Italiens gegen die einstigen Freunde Deutschland und Österreich statt.





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