Konzert in Wyk : "Heimspiel" für zwei junge Föhrerinnen

Ein starkes Trio: Norma Schulz, Ines Eberlein  und    Sebastian Hubert (v. l.) traten in der Kapelle und der 'Alten Druckerei' auf. Foto: psz
Ein starkes Trio: Norma Schulz, Ines Eberlein und Sebastian Hubert (v. l.) traten in der Kapelle und der "Alten Druckerei" auf. Foto: psz

Mit Popular- und klassischer Musik bescherten Ines Eberlein und Norma Schulz ihrem Wyker Publikum zwei gelungene Konzerte. Die beiden Hamburgerinnen sind auf Föhr groß geworden.

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22. Oktober 2009, 10:58 Uhr

Wyk | Unter dem Motto "Classic meets Pop" wurde mit zwei Konzerten in der Kapelle in der Süderstraße und in der "Alten Druckerei" eine interessante Mischung aus Jazz- und Motown-Klassikern sowie Mahler- und Brahms-Stücken geboten. Ines Eberlein und Norma Schulz, geborene Föhrerinnen mit Wahlheimat Hamburg, kamen mit dem Pianisten Sebastian Hubert zu einem Kurzbesuch auf die Insel und feierten eine gelungene Premiere, denn in dieser Formation standen die Künstler erstmalig auf der Bühne.

War das Auftaktkonzert in der Kapelle schon gut besucht, erwies sich die "Alte Druckerei" als fast zu klein. "Wir hätten hier noch ein paar mehr Konzerte spielen können," konstatierte Norma Schulz nach dem Auftritt. Wohl wahr, denn Nachfrage und Warteliste waren so umfangreich, dass das Betreiber-Duo Michael Steuer/Torsten Tews seinen Kultursalon locker noch einmal hätte füllen können.
Ernste und unterhaltende Musik

Beide Sängerinnen genossen ihr Heimspiel sichtlich und hatten in der familiären Kleinkunst-Atmosphäre keinerlei Mühe, die "Alte Druckerei" zu erobern. So bildete eine wunderbare Ines Eberlein (Mezzosopran) mit Zigeunerliedern von Johannes Brahms den Auftakt und überzeugte mit Stimme und Hingabe. Die "Liebe zur hohen Dichtkunst, die da vertont wurde" (Eberlein) war der Sängerin bei jedem Stück anzumerken, nahm das Publikum mit und ließ den Funken von Beginn an überspringen.

Ebenso überzeugend Norma Schulz, die für den Einstieg den Jazz-Klassiker "Over The Rainbow" gewählt hatte. Schulz, die als bevorzugte Musikrichtung den Blues nennt und die besonders stark ist, wenn sie ihre "Röhre" zur Geltung bringen kann, hatte es beim Publikum allerdings ein wenig schwerer. Nicht etwa ob ihrer Leistung - vielmehr fiel es den Zuhörern offensichtlich schwer, zwischen "E"- und "U"-Musik umzuschalten. Ein Problem, das auch Sebastian Hubert kennt, sich aber nicht anmerken ließ. Sicher und souverän vermittelte der Pianist zwischen den Stilrichtungen.

Die Sängerinnen machen seit ihrer Kindheit zusammen Musik. "Als ich zehn Jahre alt war, haben wir gemeinsam im Gospelchor angefangen, haben in der Folge immer zusammen Musik gemacht und sind 2005 nach Hamburg gegangen", erkärte Norma Schulz. Die 22-Jährige hat ihr dreijähriges Studium der Popular-Musik an der Sängerakademie bereits abgeschlossen und sammelt in Hamburg bei Auftritten mit Paddy Korn und Kurt Buschmann Erfahrungen. Mit ihrem Lied "Heimat", einer selbst geschriebenen Liebeserklärung an Föhr und an diesem Abend ebenfalls im Repertoire, belegte sie im März den zweiten Platz bei der Verleihung des Medienpreises 2009 des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes.
Pädagogische Arbeit festigt eigenes Können

Ines Eberlein wird ihr Studium im März abschließen, will anschließend die Hochschule besuchen - mit Schwerpunkt Oper. Finanzielles Standbein für die 23-Jährige, ebenso wie für ihre Kollegen, ist das branchenübliche Unterrichten. Profitabel nicht nur in finanzieller Hinsicht, wie Eberlein verriet: "Man festigt noch einmal seine eigene Technik. Durch die Weitergabe des Erlernten werden die eigenen Fähigkeiten reflektiert, das bringt sehr viel."

Auch Sebastian Hubert, der auf Umwegen zur Klassik kam und dessen musikalische Wurzeln im Jazz liegen, wird sein Studium im März abschließen. Nächstes Ziel des 27-Jährigen ist die künstlerische Reife, wenn möglich soll in einigen Jahren das Konzertexamen den krönenden Abschluss bilden. Aber auch der Jazz soll in Zukunft nicht zu kurz kommen - am liebsten würde Hubert auf beiden Hochzeiten tanzen, wohl wissend, dass der Spagat nicht einfach sein wird.
Nächste Konzerte 2010

Zukunftsmusik, die an diesem Abend keine Rolle spielte. Das begeisterte Publikum bekam mit dem Duett "I Have Been Changed For Good" die geforderte Zugabe und der verdiente Beifall verlangte nach weiteren Auftritten. Die wird es geben, allerdings erst im nächsten Jahr - nach den Abschlussprüfungen.

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