Amrum : Hausaufgaben für den Forstverband

Nur eine Übung, aber in der knochentrockenen Insellandschaft könnte die Amrumer Feuerwehr schnell zu einem echten Brand gerufen werden.
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Nur eine Übung, aber in der knochentrockenen Insellandschaft könnte die Amrumer Feuerwehr schnell zu einem echten Brand gerufen werden.

Trotz erhöhter Brandgefahr sind nicht alle Waldwege für Feuerwehrfahzeuge befahrbar. Die Löschwasserversorgung ist gesichert.

shz.de von
03. August 2018, 16:00 Uhr

Auch wenn der offizielle Waldbrandindex für Amrum derzeit mit Status 3 noch nicht bei der höchsten Waldbrandstufe 5 angelangt ist, bangen die Amrumer Feuerwehren um den Insel-Wald. Anlässlich einer Wehrführerdienstversammlung, an der auch die drei Bürgermeister sowie Vertreter des Forstverbandes und der Versorgungsbetriebe Amrum teilnahmen, verdeutlichte der stellvertretende Amtswehrführer Klaus-Peter Ottens die Sorgen der Feuerwehren.

Die derzeit hohen Lufttemperaturen, gepaart mit dem seit vielen Wochen ausgebliebenen Regen trockneten die Vegetation enorm aus. Auf Amrum sind es vor allem die reizvollen und nahtlosen Übergänge der Vegetation von Dünen, Wald und Heideflächen, die eine große Gefahr für Flächenbrände darstellen. Selbst wenn der Wald noch ein gewisses Feuchtepotenzial in seinem Bodenbewuchs gespeichert haben könnte, sind Dünengras und Heide knochentrocken. „Ein Brand wäre schlichtweg eine Katastrophe“, ist Amrums oberster Feuerwehrmann besorgt.

Deutlich wurde bei diesem Treffen, dass die Waldwege zurzeit für Einsatzkräfte nur eingeschränkt befahrbar sind. Deshalb wurde ein Sofortmaßnahmenkatalog formuliert. „Wir reden hier nicht nur von heruntergerissenen Blaulichtern, sondern über kapitale Schäden an unseren Fahrzeugen im Einsatzfall“, waren sich die Wehrführer einig. Hier sei der Forstverband Amrum, in dem die Waldbesitzer der Insel organisiert sind, ganz klar aufgerufen, umgehend die Wege freischneiden zu lassen. Ansonsten sei es unmöglich im Brandfall das Löschwasser über die weitläufigen Strecken zu transportieren.

„Wir haben eine gesicherte Löschwasserversorgung auf der Insel“, versicherte Wassermeister Tewe Thomas von den Versorgungsbetrieben. Die insulare Transportleitung sei ein Ringleitungsverbund mit einem umfangreichen Hydrantensystem. Von diesen Wasserentnahmestellen müsse die Feuerwehr im Einsatzfall das Wasser aber noch über hunderte von Metern in die Wald-, Heide, und Dünenflächen transportieren.

Nebels Bürgermeister Cornelius Bendixen versprach, den abgesperrten Waldweg von der Landesstraße Richtung Vogelkoje, auf dem große Findlinge die Durchfahrtvon Autos unterbinden, für die Einsatzfahrzeuge zu öffnen und mit flexiblen Sperren zu versehen. Alle Anwesenden waren sich einig, dass die jetzt so dringlichen Freischneidemaßnahmen eigentlich schon im Frühjahr hätten geschehen müssen und zukünftig die Kontrollen des Lichtraumprofils von mindestens vier Metern auch ohne den Aufruf der Feuerwehren erfolgen müssen. Christian Engels als Mitglied des Vorstands des Forstverbandes sicherte zu, dass umgehend der zuständige Förster kontaktiert werde, um die Maßnahme fachgerecht durchzuführen.

Wie Ottens stellvertretend für alle Amrumer Feuerwehren erklärte, sind bei solchen Wetterlagen die Sinne der Feuerwehrleute besonders geschärft. Denn nicht alle Nachtschwärmer würden daran denken, dass zurückgelassene Glasflaschen und Scherben am folgenden Tag eine Brennglasfunktion haben. Sie müssten deshalb unbedingt wieder mitgenommen werden, appelliert der stellvertretende Amtswehrführer und weist auch auf das generelle Rauchverbot in den Wäldern hin. „Vernünftige verstehen dies auch im Bereich der Dünen und Heideflächen. Hierzu gehören selbstredend auch Grillfeuer“, sagt er. Brandgefährlich sei auch das immer wieder beobachtete wegschnippen von brennenden Zigarettenkippen aus fahrenden Fahrzeugen. Und schließlich weist er auf das Campingverbot außerhalb der ausgewiesenen Zeltplätze auf der Insel hin.

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