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Friesisches Theater : Happy End in der letzten Sekunde

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Szenen aus der Arztpraxis: Das neue Stück der Norddorfer Theatergruppe Theno nahm das aktuelle Inselgeschehen wieder gekonnt aufs Korn.

„Bi a Dochter“ (beim Arzt), heißt das jüngste Stück der friesischen Theatergruppe Theno. Szenen aus dem Inselleben hatte Annegret Bachmann wieder zu Papier gebracht – mit spitzem Humor und kleinen Fundstücken aus dem Jahr 2014. Der erste Akt spielt in der Kurverwaltung und der Zuschauer wird Zeuge von ganz normalen Inselproblemen. Wann und wie gebe ich die Kurkarte ab, wozu und wofür sind die Kurkarten überhaupt da und braucht man wirklich für jeden Gast eine Kurkarte? Wann zählt der Gast als Gast oder haben alle einfach schrecklich viele Verwandte?

Carmen, gespielt von Maren Gerrets-Blome, trumpft erst als Vermieterin mit ihrer spitzen, sehr fordernden Art auf und hat dann im zweiten Akt auch als Arzthelferin in der Praxis das Zepter in der Hand. Barbara Motzke alias Rosine, tritt bestimmend als Mitarbeiterin der Kurverwaltung auf, doch mit einem burn out und „auerluf faan alas“ (überdrüssig von Allem), ist sie auch Stammgast im Wartezimmer der Arztpraxis, wo sie auf viele andere Patienten trifft. Eine von ihnen ist Marie, die ebenfalls in der Kurverwaltung arbeitet, jedoch mit ständiger Übelkeit zu tun hat, an der sie lautstark das Publikum teilhaben lässt. Und auch Tewe (Kai Quedens), sitzt dort, der zuvor in der Kurverwaltung, was Kurabgabe und andere Regeln angeht, ziemlich arrogant augetreten war. Die Quittung dafür bekommt er, als sich die Steuerfahndung incognito bei ihm einmietet. Auch die Fahnder bekamen von ihm keine Kurkarten – er dafür eine Steueprüfung.

Die beiden Streithähne Udo (Jens Winkler) und Johnny (Ole Rief) haben sich nur in den Haaren und gehen sich an den Kragen. Ob es um den Job geht, einer arbeitet bei Wasserwerk, der andere bei der Gemeinde, oder um die hübsche Marie, um die sie beide herumscharwenzeln, Hauptsache es wird gerangelt, geschubst und gestritten. Am Anfang noch harmlos, landen sie durch ihre Reibereien mit Platzwunde und fast gebrochenem Bein auch im Wartezimmer des Doktors. Begleitet werden sie von Hannes (Dieter Bachmann), der jede Krankheit und jedes noch so kleine Wehwehchen selbst schon hatte: „Det hed ik uk ans, det as gans geferlag“ (Das hatte ich auch schon einmal, das ist ganz gefährlich). Annegret Bachmann spielt Neetje, die auch über leichte Schmerzen klagt, die jedoch schnell von fast alleine verfliegen. Wendelin, Jan Ruth, sorgt immer wieder für Stirnrunzeln, den Ruf nach Desinfektions-Spray und mitfühlende Blicken. Als er dann noch mitten im Wartezimmer die Hosen herunter lässt, kann das Publikum sich kaum noch halten vor Lachen.

Olga, die von Barbara Schult gespielt wird, versucht nicht nur den Bürgermeister und die Gemeinde zu verklagen, sondern denkt auch, dass ihre Tochter Marie kein Interesse an Männern hat. Wobei dem Publikum die ewige Übelkeit nicht entgangen ist und die Gerüchte einer Schwangerschaft sich verdichten, obwohl man nicht darüber spricht und die Arzthelferinnen Schweigepflicht haben. „Det mut ik ei sai“ (das darf ich nicht sagen). Gerda, gespielt von Hilke Friedrichs, hat mit ihrer positiven, fröhlichen Art keinen leichten Stand bei ihrer Kollegin Carmen. Absolute Pünktlichkeit, Gehorsam und immer eine spitze Zunge verkörpert Maren Gerrets-Blome in ihrer Rolle und reißt das Publikum mit sich.

Eine Story mit Happy-End, denn endlich, in den letzten fünf Sekunden, taucht auch der Doktor, Marc Motzke, noch auf. Er wird in Flagranti mit seiner schwangeren Marie beim Knutschen erwischt. Schallendes Gelächter, tosender Applaus, ein voller Erfolg. Erstmalig spielten Kirsten Tadsen, Ole Rief und Marc Motzke bei Theno mit und bestanden ihr Bühnendebüt mit Bravour. Rainhard Boyens, der sonst auch auf der Bühne stand, zeichnete dieses Mal für die Technik verantwortlich. Marianne Martinen hatte als Souffleuse zum Glück nicht soviel zu tun, denn textsicher waren sie, die Elf auf der Bühne. Alle drei Abende waren ausverkauft und die Schauspieler wuchsen über sich hinaus. Theno zeigte ein friesisches Theaterstück, welches wieder aus dem wahren Inselleben erzählte. Ein Erfolg war das Stück nicht nur für die Theatergruppe, sondern auch für die Amrumer Sozialstation. Denn die erhält die Spenden, die am Ende der Vorstellungen gesammelt wurden.

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