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Führungskrise bei der Feuerwehr : Happy End in der allerletzten Minute

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Fast hätten Wittdüns Brandschützer ohne Chef dagestanden. Dietmar Hansen macht nun doch weiter.

Nur wenige Tage vor der Jahresversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Wittdün war die Zukunft der Organisation des in Gemeindeverantwortung liegenden Brandschutzes ungewiss. Wittdüns Gemeindewehrführer Dietmar Hansen hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, nach seiner jetzt abgelaufenen Amtsperiode nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Wie schwierig es sein würde, unter den 22 Aktiven jemanden zu überzeugen, die Verantwortung für die Gemeindefeuerwehr zu übernehmen, wurde schon bald deutlich. Solch ein Posten bedeutet viel Freizeitverlust und verlangt dem Amtsinhaber ein hohes Maß an Verantwortung und einsatztaktischen Qualitäten ab, um im Ernstfall in nur wenigen Minuten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Alle Versuche, Hansen zum Weitermachen oder junge Feuerwehrleute für eine Nachfolge zu begeistern, blieben erfolglos.

„Ich hatte wirklich schlaflose Nächte“, gestand der stellvertretende Amtswehrführer Klaus-Peter Ottens. Das Reglement des Brandschutzgesetzes sieht vor, dass sich das Land einschaltet, wenn eine Wehr nicht selbst einen neuen Chef findet, und eine Zwangsverpflichtung von geeigneten Mitgliedern stattfindet. Da Eintritt und Austritt aus einer Feuerwehr aber freiwillig sind, stünden in einem solchen Fall Austritte zu befürchten. „Im schlimmsten Fall droht eine Pflichtfeuerwehr, bei der alle Bürger im Alter zwischen 18 und 50 Jahren verpflichtet werden“, beschreibt Ottens das Prozedere. Im Jahre 2005 hat die Gemeinde List auf Sylt genau solch eine Pflichtfeuerwehr einrichten müssen.

Wie Wittdüns Bürgermeister Jürgen Jungclaus bei der Jahresversammlung bestätigen musste, war bei ihm kein Wahlvorschlag für einen neuen Gemeindewehrführer fristgerecht eingegangen. In dieser Situation mochte Hansen seine Feuerwehr dann doch nicht im Stich lassen. Intensive Gespräche mit Mitgliedern der Wittdüner Wehr und der Ortswehrführerin von Süddorf-Steenodde sowie die Gefahr, dass ein junger Kamerad in die Verantwortung gepresst werde, hätten ihn bewogen, sein Amt nun doch noch weitere sechs Jahre auszuüben. Für die Wahl musste allerdings ein neuer Termin anberaumt werden, um die Fristen einzuhalten. Die Versammlung wird nun am 26. Februar erneut zusammenkommen.

Die stellvertretende Gemeindewehrführerin Petra Müller und Gruppenführer Fin Zimmermann wurden von der Versammlung in ihrem Amt bestätigt. Ivo Dwornik wurde zum stellvertretenden Gruppenführer gewählt. Kassenwart Kai Gerisch hielt allerdings seinen letzten Kassenbericht ab und übergibt dem frisch gewählten Tom Kruggel die bestens geführten Unterlagen.

„In Anbetracht der gerade noch so an der Gemeinde Wittdün vorbeigeschlidderten Situation dürfen sich die Verantwortlichen nicht in Sicherheit wiegen“, meinte ein lang gedienter Feuerwehrmann und ging scharf mit denen ins Gericht, die aus angeblichen Zeitgründen den Feuerwehrdienst verweigern. „Alle, die hier für das Wohl der Allgemeinheit in der Pflicht stehen, machen dies, weil sie verantwortungsbewusst handeln. Alle sind berufstätig, haben Familie und ein Privatleben“, betonte der Brandschützer. Bürgermeister Jungclaus versprach, sich bei der Einwerbung von neuen Einsatzkräften einzubringen. Er zollte der Arbeit der Freiwilligen höchsten Respekt und dankte den Anwesenden für ihre Bereitschaft zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Stelle zu sein, um Unheil abzuwenden. Die Feuerwehren würden aber nur funktionieren, wenn Menschen bereit sind, diesen Solidarpakt mit Leben zu füllen.

Wehrführer Hansen freute sich, dass er mit Leif Hinrichsen, der von der Utersumer Feuerwehr stammt, einen ausgebildeten Kameraden in den Reihen der Wittdüner Feuerwehr neu begrüßen konnte. Harald Lemcke wurde auf eigenen Wunsch in die aktive Reserve überstellt.

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