Handwerk: Es mangelt an Maurer-Lehrlingen

Zu wenig junge Menschen wollen den Umgang mit der Kelle lernen. Foto: dew
Zu wenig junge Menschen wollen den Umgang mit der Kelle lernen. Foto: dew

Betriebe haben "wie gehabt" Auszubildende eingestellt / In technischen Berufen fehlen Bewerber

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15. Oktober 2011, 07:43 Uhr

Niebüll | Ein kluger Mann baut vor. Getreu diesem alten Sinnspruch haben einheimische Handwerksbetriebe einem drohenden Fachkräftemangel vorgebeugt und vorausschauend auch über einen temporären Bedarf hinaus Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt. Dennoch herrscht in einigen - vor allem technischen - Berufen Mangel. Insgesamt haben zu dem am 1. September begonnenen Ausbildungsjahr 160 Azubis ihre Lehre angetreten, teilte Berthold Brodersen, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft (KHS) Nordfriesland-Nord, mit.

Die Zahl der jüngst besetzten Lehrstellen entspricht der der beiden vergangenen Jahre. 2009 traten 157, im Vorjahr 161 Lehrlinge an, die Azubis einiger Innungen wie der Bäcker und Fleischer, die überregional organisiert sind, nicht mitgerechnet. Nach mehrjähriger Erfahrung verbleiben nicht alle Azubis nach erfolgreich abgeschlossener Lehre in ihrem Beruf. Von drei bis vier Berufsanfängern bleibt etwa nur einer dem begonnenen/erlernten Beruf treu. Der eine bricht die Lehre ab, ein anderer besucht nach der Lehre eine weiterführende Schule oder tritt ein Studium an. Andere wiederum hängen eine zweite Berufsausbildung an. "Daher ist es wichtig, dass wir lieber mehr als zu wenig Azubis einstellen", sagt Brodersen, der zurzeit Klagen aus dem Bauhauptgewerbe vernimmt, wo es vor allem an Maurern fehlt. Acht Lehrlinge haben die Ausbildung begonnen, wobei zwölf bis 15 Ausbildungsplätze hätten besetzt werden können.

Mängel sind nach den Worten des KHS-Geschäftsführers auch dort festzustellen, wo zum zu erlernenden Beruf besondere schulische Voraussetzungen vonnöten sind. Das gilt vor allem für technische Berufe wie den "Elektriker" und das Heizungsbauer- und Sanitärhandwerk. "Das Tischlerhandwerk ist personell gut versorgt", weiß Brodersen. Hingegen könnte der Zulauf zum Fleischer-, Bäcker- und Friseurhandwerk etwas besser sein, wenngleich es zurzeit in diesen Berufen noch einigermaßen "okay" ist. Mit Blick auf die Berufliche Schule Niebüll erinnert sich der KHS-Geschäftsführer noch "richtig guter" Jahre, die sich auf ein etwas niedrigeres Level eingependelt haben.

Die jungen Menschen, die sich für einen Handwerksberuf entschieden haben, sehen sich schulisch und betreuerisch gut versorgt. Im dualen System "Schule/Betrieb" stehen sowohl in der Beruflichen Schule als auch in der KHS vorbildliche Lehrwerkstätten zur Verfügung. Außerdem steht den Azubis im Bereich der beiden nordfriesischen Kreishandwerkerschaften eine vom Land geförderte Ausbildungsbetreuerin zur Seite - und zwar in Person von Hannelore Schalla-Puzicha (Niebüll) und Benjamin Thöming (Husum), die für junge Leute, die in die Handwerksrolle eingeschrieben sind, da sind, wenn Probleme auftreten. 2010 halfen sie in 237 Fällen mit Rat und Tat weiter.

"Es sind noch Ausbildungsplätze da", wendet sich KHS-Geschäftsführer Brodersen an alle noch suchenden jungen Leute. Es sei nicht zu spät. Überhaupt sei es zurzeit um das heimische Handwerk nicht schlecht bestellt. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt. Brodersen: "Auch in Nordfriesland hat das Handwerk einen goldenen Boden."

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