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Föhrer Feuerwehrtopf : Hand in Hand für den Vogelschutz

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Bauern und Naturschützer arbeiten seit sechs Jahren erfolgreich zusammen. Der Bruterfolg bei den Uferschnepfen stieg seitdem von 15 auf 54 Tiere an.

Es ist kaum zu übersehen und zu überhören, dass allenthalben die Frühlingsgefühle vorherrschen. Auch die Zugvögel sind zurück und bereiten sich auf die Aufzucht der nächsten Generation vor. Damit ist für die ehrenamtlichen Betreuer im gemeinsamen Wiesenvogelschutz Föhr (GWS) der Moment gekommen, an dem sie sich wieder aufmachen, um regelmäßig nach den Uferschnepfen in der Föhrer Marsch zu sehen. Diese Aktion zum Schutze der vom Aussterben bedrohten Vogelart wurde im Jahr 2010 gestartet und wird seit 2012 unter dem Dach der Inselgruppe Föhr-Amrum des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) durchgeführt.

Als Projektleiter fungiert der Husumer Biologe Frank Hofeditz, der jetzt auf der Insel unterwegs war, um den augenblicklichen Vogelbestand zu kartieren. Erfahrungsgemäß kehren die Tiere – abhängig von der Witterung – Ende März zurück. „Die Uferschnepfen haben zum großen Teil ihre Reviere im feuchten Grünland bezogen“, so sein erstes Resümee, wobei noch nicht eindeutig feststeht, ob sie bereits ein Gelege haben. Bisher konnte der Biologe etwa 45 Paare beobachten. „Es zeichnet sich somit eine Besiedlung auf Vorjahresniveau ab“, ist der Fachmann überzeugt.

Vor dem Start in die neue Brutsaison hatte Frank Hofeditz bei einer Versammlung in den Räumen des BUND den zehn Ehrenamtlichen und Interessierten eine Übersicht über die Entwicklung im GWS vorgelegt. Das Grundprinzip ist dabei, dass Landwirte und Gebietsbetreuer beim Schutz der Uferschnepfen, die früher prägend zur Marschenlandschaft gehörten, zusammenarbeiten. Die Betreuer erfassen die Standorte der Gelege und beobachten die Entwicklung der Uferschnepfen-Familien. Dabei machen die Vogeleltern auch dem nicht so geübten Betreuer die Beobachtung relativ einfach. Die Landwirte passen die Bewirtschaftung ihrer von Uferschnepfen bewohnten Flächen der Entwicklung des Vogelnachwuchses an, indem sie die Mahd oder den Auftrieb des Viehs verschieben. Für diese Einschränkung der Nutzung werden die Bauern dann aus dem sogenannten Feuerwehrtopf entschädigt. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 16  000 Euro an die teilnehmenden Bauern überwiesen.

Insgesamt 14 Landwirte beteiligten sich im vergangenen Jahr an der Aktion, wobei auf 31 Teilflächen Uferschnepfen gebrütet haben. Insgesamt 49 Uferschnepfen-Reviere mit 33 Familien wurden im vergangenen Jahr registriert, wovon 34 Reviere im Bereich des GWS lagen, wo 43 Jungvögel flügge wurden. Diese Reviere umfassen eine Fläche von 51 Hektar, womit rund ein Prozent der Marschländereien als Kinderstube der Uferschnepfen fungiert. Ein besonderer Uferschnepfen-Schwerpunkt ist die Marsch rund um den Sörenswai in Oldsum und die Reviere liegen im Bereich von Midlum, Oevenum und Wrixum. Für etwas Irritation bei den Vogelschützern sorgen schon seit einigen Jahren zwei Paare, die auf der trockenen Wrixumer Geest brüten.

Der Überblick über die Entwicklung des Bestandes und den Bruterfolg seit 2009, dem Jahr an dem der offizielle Schutz der Uferschnepfen begann, lässt zwiespältige Gefühle aufkommen. Die Zahl der Föhrer Reviere ist nämlich von rund 100 auf 49 zurückgegangen. Erfreulich dagegen lesen sich die Zahlen der Entwicklung des Bruterfolges. Während zu Beginn dert Schutzaktion gerade 15 Jungvögel flügge wurden, was einen Prozentsatz von 0,15 pro Vogelpaar bedeutet, steigerte sich die Zahl der jungen Uferschnepfen im Lauf der Jahre, wobei auch der Verlauf der Witterung seinen Einfluss auf den Bruterfolg hatte. In der Saison 2014 konnte eine Steigerung des Bruterfolges in sämtlichen Gebieten auf 54 Tiere verzeichnet werden. „Damit ist der Bruterfolg auf sagenhafte 1,10 Prozent pro Paar gestiegen“, betonte Hofeditz diesen Erfolg des Vogelschutzes.

Zwar werden aus dem Feuerwehrtopf nur die Maßnahmen zum Schutz der Uferschnepfen honoriert. Doch die kommen natürlich auch anderen Wiesenvögeln zu Gute, die ebenfalls bedroht sind. Es wurden dabei Kiebitze, Austernfischer und Rotschenkel registriert, deren Bestand auch leicht angestiegen ist. Die Bekassine jedoch konnte schon seit zwei Jahren nicht mehr als Brutpaar in der Föhrer Marsch beobachtete werden.

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