Hallig-Gäste werden zur Kasse gebeten

Warteschlange auf dem Anleger: Verlieren Hooges Besucher künftig wegen  des Hallig-Talers noch mehr Zeit? Foto: vb
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Warteschlange auf dem Anleger: Verlieren Hooges Besucher künftig wegen des Hallig-Talers noch mehr Zeit? Foto: vb

Während Hooges Bürgermeister Mathias Piepgras die Einführung einer Extra-Abgabe verteidigt, warnen Kritiker vor einem Chaos

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01. April 2011, 09:19 Uhr

Nordfriesland | Von heute an wird auf Hooge der Hallig-Taler fällig. Jeder Gast muss beim Betreten einen Euro zahlen. Für jedes Kind sind es 20 Cent. Ein Hafenmeister und Service-Kräfte kassieren das Geld im Namen der Kommune. Hooge ist Bedarfsgemeinde und will mit den neuen Einnahmen sowohl den angeknacksten Haushalt sanieren als auch in die Infrastruktur investieren.

Bürgermeister Mathias Piepgras hatte im Verlauf der langwierigen Verhandlungen beim Kassieren auf die Hilfe der Reedereien gesetzt (wir berichteten). Doch nicht alle wollen den Zeit- und Personalaufwand dafür aufbringen. Einer der Kritiker ist Bernd Diedrichsen. Er ist Kapitän auf der "Hauke Haien" und seit 1988 selbstständig. Diedrichsen fürchtet zum einen, dass Gäste durch einen weiteren Griff in ihre Taschen von einem Besuch der Hallig abgeschreckt werden könnten. Er sieht eine unnötige finanzielle Belastung für Hooge-Besucher. "Da kommt das eine zum anderen", sagt er. Die anreisenden Gäste zahlen unter Umständen nicht nur für den Parkplatz ihres Pkw, hinzu kommen auch die Kosten für die Überfahrt, auf der Hallig für Kutschfahrten, Fahrräder, Verpflegung und Museumsbesuch. "Und nun auch noch der Hallig-Taler. "Seit 1990 werden erhöhte Brückengelder an das Amt Pellworm für jeden Hallig-Anleger entrichtet", erklärt Bernd Diedrichsen. Ein Teil dieser Abgaben sei für den Unterhalt der Anleger bestimmt, ein weiterer geht an die Gemeinden. "In den Anlege-Gebühren von 78 Cent, die jeder Gast ohnehin schon zahlt, sind bereits Kurtaxe und Brückengelder enthalten."

Lange Wartezeiten und damit ein Chaos befürchtet Bernd Diedrichsen vor Ort beim Kassieren des Hallig-Talers. "Allein die Hauke Haien hat bis zu 170 Gäste an Bord." Sollten durch irgendwelche Umstände mehrere Fahrgastschiff zusammen eintreffen, kämen schnell 300 bis 500 Menschen zusammen. Das führe zwangsläufig zu Wartezeiten. "Bei nur drei bis vier Stunden Aufenthalt ist der Unmut der Gäste programmiert." In seinem Flyer habe er Gäste nicht mehr auf die Einführung des Hallig-Talers hinweisen können, erklärt der Kapitän. Er möchte die Gäste jedoch nicht erst an Bord mit der unangenehmen Nachricht überraschen und will daher mit einem Schild an seinem Motorschiff auf die neue Regelung hinweisen. Bernd Diedrichsen, selbst Hooger Bürger, schlägt der Gemeinde statt des Hallig-Talers vor, Kosten bei den Immobilien und deren Unterhalt sowie dem Fuhrpark zu reduzieren.

Hooges Bürgermeister Mathias Piepgras verteidigt den Hallig-Taler. "Nach einem Jahr des Verhandelns bin ich froh über irgendeine Entscheidung. Wir versuchen als Gemeinde, aus einer schwierigen Situation eigenständig herauszukommen. Eigentlich sollte sich jeder Schleswig-Holsteiner über meine Aktion freuen. Das Land muss künftig weniger Geld zuschießen." Bis auf einige Reedereien habe er sehr viel Zustimmung erfahren. Piepgras war gestern sogar in Kiel beim Ministerpräsidenten, um ihm das Projekt vorzustellen. Reiseveranstalter nutzen nach seinen Worten die Möglichkeit, Kontingente des Hallig-Talers vorab zu ordern. In den übrigen Fällen würde ein Kassieren an Bord die Initiatoren entlasten. Hier hofft der Bürgermeister noch auf ein Einlenken der Reeder. Was mögliche Wartezeiten beim Empfang der Hallig-Gäste auf Hooge betrifft, so muss Mathias Piepgras zugeben: "Die Gefahr besteht." Hier setzt er auf das eingesetzte Personal. Die zusätzlichen Kosten für die neu geschaffene Stelle des Hafenmeisters und die drei Service-Kräfte schätzt Piepgras auf 20 000 Euro jährlich. Um einen Massenansturm zu verhindern, hofft der Gemeinde-Chef auf Absprachen der Reeder untereinander. "Wir sind auf einem guten Weg."

Ob sich der Hallig-Taler am Ende wirklich rechnet, ist eine offene Frage.

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