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wyker Krankenhaus : Gynäkologie: Klinik kündigt jetzt auch den Belegarzt-Vertrag

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die beiden Frauenärzte fürchten um die Zukunft der Versorgung. Ein neues Gutachten hält die Geburtshilfe auf der Insel weiter für machbar und sicher.

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erstellt am 13.Dez.2015 | 20:16 Uhr

Wie geht es nach der Schließung der Geburtshilfeabteilung weiter mit der Betreuung von Schwangeren und der gynäkologischen Versorgung auf Föhr? Dies wird morgen Thema bei einer Gesprächsrunde sein, zu der Ärzte, Hebammen, Klinikleitung sowie Vertreter von Krankenhausförderverein und Politik zusammenkommen. Doch zumindest das Föhrer Gynäkologen-Ehepaar Juliane Engel und Dr. Thomas Hölter sieht rabenschwarz, was die Zukunft seiner Tätigkeit auf der Insel angeht. Denn der Belegarztvertrag der Frauenärzte wurde vom Krankenhaus gekündigt. Was für die Klinikleitung, so der Sprecher des Klinikums Nordfriesland, Michael Mittendorf, ein rein formaler Vorgang ist, treibt den beiden Ärzten die Sorgenfalten auf die Stirn.

„Da die Geburtshilfe eingestellt wurde, muss der Vertrag nun auf die neuen Verhältnisse (nur Gynäkologie) angepasst werden“, so Mittendorf, „der Belegbereich ‚Gynäkologie‘ auf der Insel geht weiter“. Doch ob er weiter geht, hängt für die beiden Ärzte davon ab, wie ein neuer Vertrag gestaltet wird. Sie fürchten, dass die Klinik sich an der Haftpflichtversicherung, die nötig ist, wenn die Ärzte chirurgische Eingriffe im Krankenhaus vornehmen, nicht mehr beteiligt und sie auch die Kosten für Vertretungsärzte allein wuppen müssen. Und das, so betont Thomas Hölter, sei angesichts der durch die Schließung der Geburtshilfe weggebrochenen Einnahmen und der geringen Patientinnenzahl auf der Insel für die Praxis nicht leistbar. „Wir müssten dann noch Geld mitbringen, wenn wir weiterhin im stationären Bereich tätig sein wollten“, fürchtet Hölter.

Eine 24-Stunden-Bereitschaft an 365 Tagen im Jahr könne es jedenfalls in Zukunft nicht mehr geben. Einen Vorgeschmack auf diese Situation wird es bereits in der nächsten Woche geben: „Am 18. wird die Praxis jetzt erst einmal urlaubsbedingt geschlossen und damit besteht keine Versorgungssicherheit mehr“, kündigt Hölter an. Sowohl Insulanerinnen als auch Schwangere, die über Weihnachten einen Kurzurlaub auf Föhr machen, müssen dann, sollten plötzlich Komplikationen auftreten, aufs Festland.

Doch die dortigen Entbindungsstationen und Boardinghäuser, die Schwangere von den Inseln vor dem Geburtstermin aufnehmen sollen, sind jetzt offenbar schon an ihrer Kapazitätsgrenzen gestoßen, vermutet Juliane Engel. „Immer mehr Patientinnen, die wir, weil es demnächst los gehen könnte, aufs Festland schicken, werden in Flensburg wieder weggeschickt“, berichtet sie. Die Konsequenz: Bei Nacht und Nebel mussten Föhrer und Amrumer Frauen schon per Hubschrauber wieder in die Geburtsklinik zurückgebracht werden.

Düstere Aussichten, denn Konsequenzen könnte ein Wegfall der Gynäkologen-Bereitschaft auch für das Modell haben, das derzeit diskutiert wird, um doch wieder Geburten auf Föhr zu ermöglichen. Die Idee: Die Hebammen könnten den Kreißsaal anmieten und dort „Hausgeburten“ anbieten. Dies wäre aber nur dann möglich, wenn in Notfällen schnell ein Gynäkologe hinzugezogen werden könnte.

Dabei sind Engel und Hölter felsenfest davon überzeugt, dass Geburtshilfe auf der Insel auch weiterhin ohne Risiken für Mütter und Kinder leistbar wäre. Dafür spräche nicht nur, dass es seit vielen Jahren nicht einen einzigen Zwischenfall gegeben habe, sondern auch ein Gutachten, das Thomas Hölter und Juliane Engel in Auftrag gegeben hatten. Anders, als offenbar die Expertise, auf die Klinikchef Frank Pietrowski sich stützt, die er aber streng unter Verschluss hält, kommt das neue Gutachten laut Hölter zu dem Schluss, das die Geburtshilfeabteilung mit geringen finanziellen Mitteln aufrechterhalten werden könne. Er habe Frank Pietrowski angeboten, ihm dieses Gutachten zur Verfügung zu stellen, berichtet Hölter. Aber nur, wenn der im Gegenzug endlich den Akteuren auf Föhr das Gutachten vorlege, mit dem er die Schließung der Geburtshilfe am Wyker Krankenhaus begründet.


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