hitzestau und kreislauf-probleme : Gute Ausrüstung mit kleinen Fehlern

Lediglich ein Muster kann Kristian Bußmann (rechts) präsentieren. Jan-Albert Pohl muss weiterhin auf die dünnere Garnitur hoffen.
Lediglich ein Muster kann Kristian Bußmann (rechts) präsentieren. Jan-Albert Pohl muss weiterhin auf die dünnere Garnitur hoffen.

Die für den Innenangriff unverzichtbaren Anzüge, die unter anderem gegen Flammenüberschlag schützen, haben auch ihre Schattenseiten. Die Einsatzkleidung ist zu warm und bringt gesundheitliche Gefahren für die Wyker Blaujacken mit sich.

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11. November 2013, 08:00 Uhr

Die Wyker Freiwillige Feuerwehr hat ein Problem, das sich mit einem sonst eher dem weiblichen Teil der Gesellschaft zuzuordnenenden Satz umschreiben lässt: Sie haben nicht Passendes anzuziehen.

„Wir haben eine exzellente Einsatzkleidung, die für den Innengang sehr gut geeignet ist“, ist Wyks stellvertretender Wehrführer Ocke Holm grundsätzlich zufrieden. Allerdings habe der heiße Sommer ein Problem wieder auf die Tagesordnung gebracht: Die Rettung von Schwerverletzten bei Verkehrsunfällen, Sicherheitswachen bei Hubschrauberlandungen oder Einsätze mit dem Rettungsboot führten bei hohen Temperaturen bei einigen Kameraden zu Kreislaufproblemen. „Die Ganzjahres-Einsatzschutzkleidung“, so Holm, „führt zu einem regelrechten Hitzestau und ist im Sommer nicht zumutbar“, zu schnell könne der Einzelne dehydrieren.

Die für den Innenangriff unverzichtbare Kleidung, die unter anderem gegen einen Hitze- oder Flammenüberschlag schützt, habe auch ihre Schattenseiten, erläutert Feuerwehrmann Kristian Bußmann. Allen Membranen zum Trotz schwitze man in der Ausrüstung „wie ein Ochse“. Beim Wyker Stadtlauf 2012 etwa, als selbst die Läufer reihenweise der Hitze Tribut zollen mussten und Kreislaufprobleme zum Massenphänomen wurden. „Da standen wir mit den dicken Klamotten.“

Bei einem Brandeinsatz müsse der Einzelne nach 15 bis 20 Minuten ohnehin aus dem Gebäude. Ein technischer Hilfeeinsatz aber könne sich auch über Stunden hinziehen. Dann sei – bei sommerlichen Temperaturen und mit schwerem Gerät wie etwa Schere oder Spreizer – das Arbeiten in der schweren Kleidung schlicht unmöglich. Dass dies nicht nur bei sommerlichen Temperaturen gilt, verdeutlicht Jan-Albert Pohl, Gruppenführer der „First Responder“. Noch allen in guter Erinnerung sei der Orkan „Christian“. Sieben Stunden hätten er und seine Kameraden in der Kleidung verbracht, „ich war klitschnass bis auf die Haut“.

Kein neues Problem, nur bis dahin war eine entsprechende Kleidung nicht verfügbar. „Die dünnen Ausrüstungen, die bisher angeboten wurden, waren von der Ausführung her nicht ausreichend“, verweist Jan-Albert Pohl etwa auf fehlende Kniepolster und Reflexstreifen. Nun aber bietet eine Schweizer Firma Ausrüstungen aus dünnerem Material an, deren Funktionalität trotzdem über die einer normalen Stoffhose hinausgeht und die damit den grundsätzlichen Anforderungen der Wehr entspricht.

Gebraucht werden Hosen und Jacken, rund 350 Euro seien pro Garnitur zu veranschlagen, so Holm. Von denen im günstigsten Fall zirka 50 angeschafft werden müssten, um die Feuerlöschgruppe I auszustatten. Knapp 18 000 Euro, die nicht allein aus der Kameradschaftskasse bezahlt werden können.

Der Gang zur Stadt verbietet sich für die Wehr. Ohnehin ist dort das Säckel nicht prall gefüllt und die Blaujacken verursachen laufende Kosten, da die herkömmlichen Garnituren sukzessive gegen neue ausgetauscht werden. Zudem kommen auf Wyk bis voraussichtlich 2015 die Kosten für zwei neue Feuerwehr-Fahrzeuge zu. „Ein dicker finanzieller Brocken, den die Stadt zu wuppen hat“, so Holm, weshalb die Blaujacken zur Finanzierung der benötigten Ausrüstung einen alternativen Weg wählen und zeitnah vornehmlich Geschäftsleute ansprechen wollen, um Unterstützung einzuwerben. Klar, dass auch Spenden von privater Seite willkommen sind.

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