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Marokkaner Hicham el Moustaqil : Grunzend à la carte bestellt

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Trotz anfänglicher Sprachprobleme empfindet der Marokkaner Hicham el Moustaqil die Insel Föhr heute als seine zweite Heimat.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2013 | 08:20 Uhr

Wyk | Marokko - ein Land in Afrika, das uns wie aus einer anderen Welt erscheint und an Märchen aus "tausend und einer Nacht" denken lässt. Für Hicham el Moustaqil ist Marokko seine Heimat. Er wurde 1975 in Marrakesch geboren und wuchs dort mit vier Geschwistern auf. Sein Elternhaus war muslimisch geprägt und die Lehren des Koran gehörten zum Alltag.

1999 besuchte er zum ersten Mal die Insel Föhr. Bei Sturmflut kam er seinerzeit in Dagebüll an, weshalb er in einem Hotel übernachten musste. Er sprach kaum Deutsch und erzählt, dass er hungrig war und sich etwas zu essen bestellen wollte. Verständlich habe er sich gemacht, indem er Grunzlaute wie ein Schwein von sich gab und gleichzeitig ablehnend mit dem Kopf schüttelte. Mit "muh" habe er dann die Kuh imitiert und zustimmend genickt. So kam er zu seinem Rumpsteak mit Salat.

Nur ein Jahr darauf zog es ihn endgültig auf die Insel. Er heiratete im August 2000 eine Insulanerin und bekam mit ihr zwei Kinder. Inzwischen ist er geschieden und neu verheiratet, hat einen kleinen Sohn.

Der junge Marokkaner arbeitete zunächst zwei Jahre als Küchenhilfe, danach einige Zeit als Koch. Hicham el Moustaqil hat in seiner Heimat den Beruf des Schneiders erlernt und darin seinen Meister gemacht, außerdem war er in Marrakesch als Schlachter tätig. Auf Föhr hat er sowohl als Reinigungskraft als auch als Änderungsschneider gearbeitet.

"Ich bin hier sehr freundlich aufgenommen worden", betont er, dass er sich von Beginn an auf Föhr wohlgefühlt hat. Was nicht zuletzt an der Tatsache liegt, dass seine Schwester hier lebt. Da er ein Mensch des Südens ist, behagt ihm der Winter allerdings weniger, den Schnee war er sehr schnell leid. Inzwischen kommt er jedoch mit dem norddeutschen Klima besser zurecht, als mit der Hitze im fernen Marrakesch.

An das deutsche Essen musste er sich gewöhnen. "In Marokko wurde alles in einem Topf zubereitet", erzählt er. Inzwischen mag er jedoch die hiesige Küche und liebt Rotkohl, Klöße und Entenbraten. Als Moslem isst er kein Schweinefleisch und hält den Ramadan streng ein. Für seine Familie und Freunde kocht er ab und an marokkanisch. "Taschin" etwa, das aus Hähnchen, Lamm oder Fisch besteht und in einem bestimmten Topf gegart wird. Dazu kommen dann Gemüse und Kartoffeln.

Hicham besitzt seit 2003 die deutsche Staatsangehörigkeit und hat auf Föhr lediglich einen Marokkaner zum Freund, hat zu den Insulanern aber gute Kontakte. Vorurteile hat er nie erlebt und er kann sich vorstellen, für immer auf der Insel zu bleiben. "Aber ich muss viele Menschen um mich herum haben, ich bin sehr gesellig", gibt er zu. Er liebt das Einkaufen, Spaziergänge dagegen mag er nicht so. "Dabei möchte meine Frau sehr gerne öfter mit mir spazieren gehen", erzählt er lachend.

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