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Gemälderestaurator : Große Meister sind in seinen Händen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Werner Müller restauriert Bilder berühmter Künstler wie Mondrian und Picasso – oder auch von Nolde, dem nordfriesischen Expressionisten. Derzeit arbeitet er im Nolde-Museum in Seebüll an dem Bild „Der jüngste Tag“.

Fehler sind nie gut, aber in manchen Berufen sind sie schwerwiegender, als in anderen. So auch in dem Beruf von Werner Müller. Der 55-Jährige ist klassisch ausgebildeter Gemälderestaurator und regelmäßig für die Nolde Stiftung in Seebüll tätig. Seit mehr als 25 Jahren kümmert er sich um die Werke des großen Expressionisten und ist gelegentlich in der Stiftung anzutreffen. Dabei hat der gebürtige Hagener eine Menge Erfahrung gesammelt, die aber nie zur Routine geworden ist. Denn das sei das Entscheidende in dem Beruf: Man müsse sich immer darüber im Klaren sein, was man in der Hand habe und dabei immer wachsam sein. Denn wenn ein Missgeschick passiert, kann es in der Regel nicht rückgängig gemacht werden. „Mir ist glücklicherweise noch nie ein Schaden passiert“, sagt Werner Müller.

An Werken von Nolde, Mondrian und Picasso zu arbeiten, das hört sich für den Laien aufregend an, für Werner Müller ist es jedoch Alltag. „Das klingt vielleicht arrogant, aber für mich ist das nichts Außergewöhnliches“, erklärt er. Auch die Arbeit an sich sei nicht spektakulär, denn die Aufgaben des Restaurators beruhten auf drei Elementen.

Zunächst einmal gehe es um die Schadensvermeidung an den Werken. Das heißt, dass Werner Müller Bilder, die für Ausstellungen in anderen Städten auf Reisen gehen sollen, auf ihre Transportfähigkeit prüft und eine Zustandsbeschreibung anfertigt. Vor wenigen Wochen bereitete er beispielsweise einige Werke Noldes für eine Ausstellung in Baden-Baden vor. Nicht nur der Transport zur Ausstellung muss fachgerecht sein, auch in den Museen müssen optimale Licht- und Klimabedingungen herrschen. Dazu gehöre auch die Teamarbeit aller Mitarbeiter der Nolde-Stiftung, die auf ihre Weise zum Erhalt des wichtigen Werkes von Emil Nolde bei tragen, sagt der Fachmann.

Das zweite Element seiner Arbeit ist die Konservierung. Die Werke müssen gegen Alterung und Farbverlust geschützt werden, die Farbschichten gefestigt werden, damit sie nicht abbrechen. Im schlechtesten Fall gehen originale Farbschichten verloren und das Gemälde muss restauriert werden – dies wäre dann das dritte Element. Oberstes Gebot hierbei ist jedoch die Zurückhaltung des Restaurators. Die Gemälde sollen so unverfälscht und original wie möglich erhalten und in die nächste Generation gebracht werden. Wie zum Beispiel bei dem Bild „Der jüngste Tag“ an dem Müller gerade arbeitet. Im oberen rechten Bereich gibt es eine kleine Farbabhebung, die der Fachmann ins Visier genommen hat und die für den Laien kaum erkennbar ist. „Wenn ich da jetzt nichts unternehme, wird in naher Zukunft ein unwiederbringlicher Farbverlust entstehen“, erklärt er.

Alle Fremdmaterialien, die er dabei verwendet, werden genauestens dokumentiert und in einem Archiv gespeichert. Zudem zeichnet der Restaurator auf einer Schwarzweißfotografie genau die Stellen ein, die er bei dem Gemälde behandelt hat. So bleibt für die Nachwelt immer genauestens nachvollziehbar, was an dem jeweiligen Werk getan wurde.

Insgesamt hat Müller an den Bildern von Emil Nolde relativ wenig zu tun, denn sie sind in einem sehr guten Zustand, sagt er. „Nolde hat sich sehr mit Farbe und Haltbarkeit auseinander gesetzt und eine sehr stabile Maltechnik gehabt. Das Gemälde, an dem ich gerade arbeite, sieht aus, als sei es vor drei Monaten entstanden, nicht vor 100 Jahren“, so das Urteil des Fachmanns.

Da Restaurator Müller ausschließlich in Museen arbeitet, hat er meist nur mit den Originalwerken großer Künstler zu tun. Einmal hielt er jedoch auch eine Fälschung in den Händen. Um welches Werk es sich dabei handelte, darf er jedoch nicht verraten. Nur so viel sei gesagt: Es war kein Werk von Emil Nolde.

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