Silvesterfeuerwerk : Große Gefahr für Reetdachhäuser

Seit gestern gibt es die Raketen wieder zu kaufen. Abgeschossen werden dürfen sie auf den Inseln aber nicht so ohne weiteres.
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Seit gestern gibt es die Raketen wieder zu kaufen. Abgeschossen werden dürfen sie auf den Inseln aber nicht so ohne weiteres.

Das Böllern ist auf Amrum komplett verboten. Auf Föhr dürfen Raketen nur an Stränden und Deichen abgeschossen werden.

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30. Dezember 2014, 12:30 Uhr

Seit Wochen wird in bunten Prospekten schon für die Zutaten fürs Silvesterfeuerwerk geworben, gestern startete der Verkauf auch in Läden auf den Inseln. Die Insulaner müssten es wissen, doch vielen Gästen ist gar nicht bewusst, dass die Böller und Raketen auf Föhr und Amrum wegen der Gefahr für die vielen reetgedeckten Häuser nicht so ohne weiteres abgeschossen werden dürfen.

Auf Amrum gilt – wie übrigens auch auf der Nachbarinsel Sylt oder im Nordseebad St.-Peter-Ording – ein absolutes Abbrennverbot für Feuerwerkskörper der Klasse II. Dazu gehören neben Raketen auch Kanonenschläge, Knallfrösche oder Schwärmer. Auf Föhr konnte man sich, sehr zum Leidwesen von Amtswehrführer Joachim Christiansen und seine Kollegen bei den Freiwilligen Feuerwehren, nicht zu einem Totalverbot durchringen. Doch wer morgen das neue Jahr mit bunten Lichtern und lauten Böllern begrüßen will, muss strenge Regeln beachten. Denn ausschließlich an den Föhrer Stränden und Deichen darf das Silvesterfeuerwerk abgebrannt werden. Und auch da ist zu jeglicher Bebauung ein Sicherheitsabstand von 200 Metern einzuhalten.

„Doch wer misst schon genau 200 Meter ab“, ist Christiansen alles andere als glücklich über diese Regelung. Eindringlich weist er darauf hin, dass die historischen Ortskerne der Inseldörfer für jeden „Silvester-Pyromanen“ absolut tabu sein müssen. Denn wenn hier – schlimm genug – auch nur ein Dach Feuer fangen sollte, könnte das schnell eine Kettenreaktion auslösen, der mehrere Häuser zum Opfer fallen.

Doch trotz aller Verbote und Appelle sind alle Jahre wieder auch mitten in den Dörfern am Neujahrsmorgen die Straßen mit Überresten von Feuerwerkskörpern übersät. Eine Unvernunft, die dazu führt, dass die Feuerwehren den ganzen Silvesterabend nicht wirklich abschalten können. „Vor Mitternacht kann ich nichts trinken, im Ernstfall muss ich ja nüchtern sein“, so Christiansen. „Dabei würden auch wir Feuerwehrleute gerne ein ruhiges Silvester feiern.“ Genauso übrigens, wie viele Bewohner von Reetdachhäusern, die anstatt auf der Festmeile am Sandwall oder anderswo die Partystimmung zu genießen, zu Hause bleiben und, sollte in der Umgebung geböllert werden, sorgenvoll ihre Dächer beobachten.

Sorgen bereitet dem Amtswehrführer dabei neben den Silvesterraketen Signalmunition, wie sie beispielsweise Sportboote an Bord haben. Deren Benutzung ist zwar, genau wie das Aufsteigenlassen von unbemannten Heißluftballons im gesamten Gebiet des Amtes Föhr-Amrum, also auch an den Stränden und Deichen, strengstens untersagt. Doch auch an dieses Verbot halten sich längst nicht alle. Diese Signalraketen, so der Amtswehrführer, seien mit Phosphor gefüllt und würden selbst im Schnee noch weiter brennen. Und sie fliegen viele hundert Meter weit, bevor sie im schlimmsten Fall auf einem Reetdach landen. „Wer so was abschießt, ist kriminell“, hat Joachim Christiansen für solche Unvernunft kein Verständnis.

Eine Unvernunft, die übrigens ziemlich teuer werden kann. Denn, so heißt es in einer Amtsverordnung zum Silvesterfeuerwerk: „Verstöße gegen diese Abbrennverbote können mit einer Geldbuße bis zu 10  000 Euro pro Einzelfall geahndet werden“.

Dass man den Silvesterabend auch ohne großes Feuerwerk stimmungsvoll begehen kann, beweisen übrigens die Amrumer. Sie treffen sich, mit Wunderkerzen ausgestattet, traditionell um Mitternacht an der Nebeler St.-Clemens-Kirche, wo der Posaunenchor das neue Jahr mit Musik begrüßt.

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