Runder Geburtstag : Große Feier für kleine Blaujacken

Die Jugendwehr Borgsum-Goting-Witsum beim Inseltreffen 1968 in Nieblum.
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Die Jugendwehr Borgsum-Goting-Witsum beim Inseltreffen 1968 in Nieblum.

Die Jugendfeuerwehr Borgsum feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Jubiläumsfest für Mai geplant.

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20. Januar 2018, 15:00 Uhr

Die Jugendfeuerwehr Borgsum feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Die Vorbereitungen für das Jubiläumsfest, das einen Tag vor Pfingsten gefeiert werden soll, laufen. Es sind kleine Spiel-Wettkämpfe gegen „junge“ und „alte“ Kameraden der anderen Wehren geplant, „aber der Spaß soll im Vordergrund stehen“, kündigt Schriftführer Jan-Erich Hinrichsen an. Natürlich wird es auch einen offiziellen Teil mit Blasmusik und Kommers geben. Als die „Großen“ 1997 ihr 100-Jähriges feierten, war eine Chronik erschienen, eine solche historische Aufarbeitung ist nun auch für die Jugendwehr geplant.

Am 18. Januar 1918 hatten neun Schuljungen die Jugendfeuerwehr gegründet. Zum Hauptmann wurde der damals 15-jährige Ernst Backer gewählt. Schon in den Jahren zuvor hatte man versucht, eine Jugendwehr ins Leben zu rufen, die aber immer wieder auseinanderging. Und so mussten sich die Eltern bereit erklären, bei grundlosem Austritt ihrer Kinder fünf Mark zu zahlen. Das wirkte: „Wir haben niemals die 5 DM verlangen brauchen“, schrieb Ernst Backer in einem Bericht.

Die Borgsumer Jugendfeuerwehr, zu der bis 1972 auch die Gotinger gehörten, ist – nach Oevenum und Nieblum – die drittälteste im Land. Warum gerade auf der Insel so früh mit der Jugendarbeit begonnen wurde, war dem Mangel an aktiven Männern geschuldet: Waren die Väter auf dem Meer oder Feld, musste der Nachwuchs die Brandbekämpfung übernehmen. „Die Borgsumer Jungen sind aber nie mit zum Einsatz gewesen“, erzählt Christfried Martens, „die Oevenumer während des Krieges schon“. Der Sohn eines der damaligen Gründerväter trat den Borgsumer Blaujacken 1938 mit sechs Jahren bei. Damals war es normal, dass jeder Junge mit dem Eintritt in die Schule auch in die Jugendwehr ging. Die Uniformen wurden von den Eltern selbst genäht und meistens gleich zu groß, aber „irgendwann wuchs man ja rein“, erinnert sich der 85-Jährige. Besonders gefiel Martens die kleine Feuerspritze zum Üben, in die man das Wasser noch mit Eimern füllen musste. Das Marschieren wurde ihnen natürlich beigebracht, gemeinsam gespielt aber auch. Ein großer Spaß war der alljährliche Jugendfeuerwehrball, „Ich habe jeden Tanz getanzt und das Mädchen hatte ich mir danach ausgesucht, wo es gutes Abendessen gab“, schmunzelt Martens.

Wettkämpfe kamen erst später dazu, den Anfang machte wohl das Inseltreffen an der Meere, wo sich die Jugendwehren im Wettspritzen maßen. Ab den Sechzigern konnte dann eine Leistungsspange erlangt werden, die höchste Auszeichnung in der Jugendfeuerwehr. „Dadurch hatten wir beim Üben ein Ziel und es wurde mehr Wert auf Praxis und Theorie gelegt“, berichtet Jan-Erich Hinrichsen.

Als Hinrichsen der Jugendwehr 1963 beitrat, waren dort fast alle Jungen aus dem Dorf. Das änderte sich, als die Freizeit-Aktivitäten zunahmen. Aber die Mitgliederzahl in Borgsum habe sich „eigentlich immer stabil gehalten“, überlegt Hinrichsen, „einmal betrug sie zwar nur etwa zwölf, aber dafür hatten wir auch Jahre mit mehr als 30 Kindern“.

Im vergangenen Jahr haben die Borgsumer allerdings mit den Utersumern zusammen geübt, da es in beiden Jugendwehren nicht genügend Kinder für eine Teilnahme an den Wettkämpfen gab. Aber durch fünf Neuzugänge wuchs deren Zahl wieder auf 18 an, davon 16 Jungen und zwei Mädchen.

Nachwuchsprobleme habe die Jugendwehr derzeit also nicht „aber Luft nach oben gibt’s ja immer“, so der Jugendwart Stefan Hinrichsen. Er sieht sogar die Möglichkeit, in diesem Jahr wieder allein zu üben. Zwischen Ostern und Oktober steht dann wieder alle 14 Tage das Training für Schlauchzielwurf und Löschangriffe auf dem Programm. „Die Arbeit als Jugendwart macht mir viel Spaß, man bringt den Kindern das Wichtigste für die aktive Wehr bei und möchte sie natürlich auch für das Weitermachen begeistern“, berichtet Hinrichsen.

Auch der Jugendfeuerwehrball zählt zu den Höhepunkten und wird in diesem Jahr am 24. Februar mit den Utersumern zusammen gefeiert. Beide Gemeinden richten das Fest derzeit abwechselnd aus, dieses Jahr findet es in Borgsum statt. Im September ist außerdem das Treffen der Inseljugendwehren geplant, das ebenfalls in Borgsum stattfinden wird.

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