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Schleswig-Holstein Musik Festival 2017 auf Föhr : Gesamtkunstwerk aus Literatur und Musik

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Wiederum fünf Veranstaltungen an den bewährten Spielstätten. Mit Avi Avital kommt der Botschafter der Mandoline auf die Insel.

 

Keine zwei Wochen nach dem Auftaktkonzert in Lübeck fällt auch auf Föhr der Startschuss für das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) 2017. Fünf Konzerte sind es auch in diesem Jahr, und den Auftakt macht morgen, Mittwoch, 12. Juli, um 20 Uhr die Band „Viva Voce“. Rock- und Popmusik ist dann auf der Fähre der Wyker Dampfschiffs-Reederei im Binnenhafen angesagt, auf Schlagzeug, Bass oder E-Gitarre allerdings wird das Publikum vergeblich warten. Die fünf Bandmitglieder erzeugen ihre coolen Sounds ausschließlich mit ihren Stimmen und dieses „Instrument“ beherrschen sie meisterhaft.

Vier der heute fünf Mitglieder zählenden Gruppe erlernten ihr sängerisches Handwerk im renommierten Windsbacher Knabenchor. Dort gaben sie auch damals schon aus Spaß kleine Exklusivkonzerte mit Popeinlagen. Eine Leidenschaft, die 1998 zur Gründung der Gruppe „Viva Voce – Die A-cappella-Band“ führte. Die Musiker, die sich durchaus als Pop-Stars sehen, nennen ihren ganz eigenen, kreativen Musikstil Vox-Pop. Doch auch die christlichen Traditionen des Windsbacher Knabenchores, einer Einrichtung der Evangelisch-Lutherischen Kirche, haben in ihrem Repertoire Platz. Auf der Fähre allerdings darf sich das Publikum morgen auf das spritzige Vox-Pop-Programm „Ego“ freuen.

David Bennent kommt am Dienstag, 18. Juli, um 20 Uhr in das Alkersumer Museum Kunst der Westküste. Begleitet von Magali Mosnier (Flöte), Adrien La Marca (Viola) und Isabelle Moretti (Harfe) liest der Schauspieler aus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust, aus „Ravel“ von Jean Echenoz sowie aus „L’Amour par Terre/Der umgestürtzte Amor“ und „Claire de Lune/Mondschein“, von Paul Verlaine, beide jeweils auf französisch und deutsch. Ganze Seelenlandschaften werden in Paul Verlaines „Clair de lune“ angesichts des traurig-schönen Mondscheins offenbar. Die mystische Stimmung des Gedichts inspirierte Claude Debussy zu seinem berühmten gleichnamigen Klavierstück, das an diesem durch und durch französischen Abend in einer Fassung für Harfe erklingt.So mischt sich der Klangzauber der Musik mit der Literatur zum Gesamtkunstwerk.

Auch das jüngere Festival-Publikum kommt wieder auf seine Kosten: Kinder von sechs bis zehn Jahren erfahren am Freitag, 21. Juli, um 16 Uhr im Kurgartensaal, wie aus Blech Musik wird. Musiker allerdings haben bei dem Wort „Blech“ teure, goldglänzende Instrumente wie die Trompete, die Posaune oder die Tuba im Kopf. Wie man vom billigen zum edlen Blech kommt, erzählt die Geschichte der Blecharbeiter. Fünf Männer, die gerade arbeitslos geworden sind, entdecken, dass sich mit dem Schrott ganz tolle Musik machen lässt. Und sie merken auch, dass es besonders gut klingt, wenn sie alle fünf zusammen spielen. Sie gründen eine Band und nennen sich „Die Blecharbeiter“, schließlich haben sie ja schon immer mit dem Metall zu tun gehabt. Und dann kommen sie groß raus und haben ihren Spaß – und Kinder und Eltern an diesem Abend auch.

Innovativer Folk aus Schweden erklingt am Freitag, 28. Juli, um 20 Uhr in der Boldixumer St.-Nicolai-Kirche. „Swedish Folk“ ist das Programm der Gruppe „Väsen“ überschrieben, die mit einem besonderen Instrument aufwartet: der Nyckelharpa oder auch Schlüsselfiedel. Wie die Geige wird sie mit einem Bogen gestrichen, jedoch greift der Spieler die Saiten nicht mit seinen Fingerkuppen, sondern mittels einer Tastatur ab. Der Halleffekt entsteht durch zusätzliche Resonanzsaiten. In Schweden ist die Nyckelharpa seit dem Spätmittelalter eines der Hauptinstrumente der Volksmusik. Einige der ältesten Darstellungen des Instruments finden sich in Kirchen auf Gotland und in Uppland. Exakt daher stammt einer der bedeutendsten Meister der Nyckelharpa, Olov Johannson. Zusammen mit Mikael Marin und Roger Tallroth bildet er die Formation „Väsen“, die seit fast drei Jahrzehnten zu den gefragtesten schwedischen Folkmusikgruppen zählt.

Der israelische Mandolinenvirtuose Avi Avital steht neben dem französischen Komponisten Maurice Ravel in diesem Jahr im Zentrum des Festivals. Am Donnerstag, 3. August, ist Avital um 20 Uhr in der St.-Johannis-Kirche in Nieblum zu Gast. Noch vor einigen Jahren hätte kaum ein Konzertveranstalter gewagt, einen Mandolinen-Soloabend anzubieten. Dass das heute möglich ist, ist vor allem dem überaus sympathischen Israeli zu verdanken. Dieser ist in den vergangenen Jahren zu einer Art Botschafter der Mandoline geworden und hat das alte, zwei Jahrhunderte lang vergessene Instrument für die Zukunft fit gemacht. Dabei hört er nie auf, sein eigenes Instrument zu erforschen, seine Möglichkeiten auszuloten. Diese Entdeckerlust spiegelt sich auch in seinem Soloprogramm, dessen großen Rahmen Bachs geniale d-Moll-Partita für Violine solo in einer beeindruckenden Mandolinenfassung bildet. Was aus dem kleinen Zupfinstrument darüber hinaus noch rauszuholen ist, zeigt er mit weiteren, sehr unterschiedlichen Werken, darunter einer Eigenkomposition namens „Kedma“ (ostwärts), die klanglich in den Orient und in seine Heimat zurückweist.

Karten für alle Föhrer Veranstaltungen gibt es im Vorverkauf beim Föhr-Amrumer Reisebüro in der Wyker Mittelstraße, telefonisch unter
✆ 0431/237070 oder im Internet, (www.shmf.de). Nach allen SHMF-Abendveranstaltungen fährt ein Personenschiff von Wyk nach Dagebüll.

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erstellt am 11.Jul.2017 | 08:30 Uhr

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