Föhr : Gemeinde steht vor Neuanfang

Für die St.-Nicolai-Kirche in Boldixum wird ein neuer Hausherr gesucht.
Für die St.-Nicolai-Kirche in Boldixum wird ein neuer Hausherr gesucht.

Das Wyker Pastoren-Ehepaar verlässt die Insel. Ob beide Pfarrstellen wiederbesetzt werden, ist derzeit ungewiss.

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19. Juli 2018, 10:30 Uhr

Sollte der Kirchengemeinderat (KGR) St. Nicolai geplant haben, das sich anbahnende Problem mit den Pastorenstellen in Wyk in ruhigem Fahrwasser und ohne Hektik lösen zu können, haben die Protagonisten dem Gremium nun einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im Gottesdienst hatte Pastor Edwin Becker-Wichmann die Gemeinde darüber informiert, dass sich Pastorin Hanna Wichmann erfolgreich auf eine Stelle in Rostock beworben hat. Diese wird sie bereits am 1. September antreten und bis dahin in Wyk nicht mehr tätig sein. Derzeit macht die Familie Urlaub, für die Zeit danach wurde Hanna Wichmann Sonderurlaub gewährt. Auslöser für die Entwicklung war die Tatsache, dass sich der KGR mit großer Mehrheit gegen eine Verlängerung des Arbeitsvertrages für Pastor Edwin Becker-Wichmann über Februar 2019 hinaus ausgesprochen hatte (wir berichteten). Hier ist derzeit ein Auflösungsvertrag im Gespräch.

„Wir hoffen sehr, dass wir die erste Pfarrstelle bald und gut neu besetzen können“, sagt der stellvertretende Propst Holger Asmussen. „Der Kirchenkreis bemüht sich um eine Mediation für den Kirchengemeinderat, um die Zusammenarbeit zu stärken. Wir möchten, dass in der Gemeinde wieder nach vorne gesehen wird und hoffen, dass es gute Wege in die Zukunft gibt.“ Von den Mitgliedern des KGR ist derzeit keine Stellungnahme zu erhalten, hier wird auf das laufende Verfahren verwiesen.

Die Pfarrstelle I in Wyk soll zum 1. August mit einem Stellenumfang von 100 Prozent ausgeschrieben werden, erklärte Inke Raabe, Pastorin für Öffentlichkeitsarbeit im Evangelischen Regionalzentrum Westküste, auf Nachfrage gegenüber unserer Zeitung. Man hoffe auf eine Neubesetzung der Pfarrstelle zum Jahreswechsel. Gespräche mit den Inselpastoren über die Regelung der Vakanz stehen an. Für die Pastoren Kirsten Hoffmann-Busch und Philipp Busch (Nieblum) sowie Dirk Jeß (Süderende) bedeutet das eine nicht unerhebliche Mehrarbeit. Eine Vertretungsregelung über einen längeren Zeitraum hält Dirk Jeß deshalb auch für unrealistisch. „Es wird nicht anders gehen, dass wir vorerst einen Teil übernehmen müssen. Aber ich hoffe, dass in absehbarer Zeit wieder jemand in Wyk sein wird, der die Aufgaben übernimmt.“

Über einen Auflösungsvertrag für die Stelle von Edwin Becker-Wichmann, der seinen Dienst im August noch auf der Insel versehen wird, werde der Kirchenkreisrat nach der Sommerpause beraten, so Inke Raabe. Die Entscheidung müsse in gegenseitigem Einvernehmen erfolgen, der Kirchenkreis werde den Plänen der Familie für deren gemeinsame Zukunft aber keine Steine in den Weg legen. Auch die Entscheidung, ob und mit welchem prozentualen Anteil die zweite Pfarrstelle dann ausgeschrieben wird, liegt beim Kirchenkreisrat (siehe Info).

Dass die Entscheidung des KGR in Sachen Edwin Becker-Wichmann nicht auf ungeteilte Zustimmung stieß, war spätestens in einer Gemeindeversammlung im März deutlich geworden. Hier schlugen den Mitgliedern des Gremiums massive Kritik und die Forderung entgegen, ihre Entscheidung rückgängig zu machen. Dass dies nicht geschehen werde, machte seinerzeit der stellvertretende KGR-Vorsitzende Sönke Peter Weinbrandt deutlich.

In Rostock wird Hanna Wichmann künftig als Pastorin für Kinder- und Jugendarbeit im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg tätig sein. Laut Stellenbeschreibung übernimmt sie die Leitung des Bereiches und trägt die Verantwortung für die inhaltliche und geistliche Gestaltung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Kirchenkreis sowie die Gesamtvertretung des Arbeitsfeldes in Kirche und Gesellschaft. „Den direkten Kontakt zur Basis werde ich trotzdem haben, nur eben auf ein größeres Gebiet und nicht auf eine einzelne Gemeinde verteilt“, so die Pastorin.

Nach 15 Jahren wird die Familie Föhr also verlassen. Und damit ein Stück Heimat, sagt Hanna Wichmann, immerhin seien hier die Kinder aufgewachsen. Und auch Wehmut schwinge mit, räumt die Pastorin ein, die sich ihren Abschied von der Insel anders vorgestellt hatte: „Wir haben hier mit Herzblut gearbeitet und viele neue kreative Ideen umgesetzt. Und wir hätten auch noch mehr gehabt für die Zukunft.“

Pfarrstellenplan: Info

Der von der Kirchenkreissynode bereits im Jahr 2010 beschlossene Pfarrstellenplan sieht eine generelle Anpassung der Pfarrstellenanteile in allen Kirchengemeinden im Kirchenkreis Nordfriesland vor. In weiten Teilen ist er in den vergangenen acht Jahren bereits umgesetzt worden.  Durchschnittlich sollen im Kirchenkreis Nordfriesland durch eine Vollzeitpfarrstelle rund 1900 Gemeindeglieder betreut werden. Für die Insel Föhr mit ihren drei Kirchengemeinden und rund 5000 Gemeindegliedern sieht der Pfarrstellenplan eine pastorale Betreuung im Umfang von drei Vollzeitpfarrstellen vor. Dieses würde eine Reduzierung des aktuellen Stellenumfangs auf der Insel um eine Pfarrstelle bedeuten. Der Kirchenkreisrat entscheidet darüber, wann und wie der Pfarrstellenplan umgesetzt wird.

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