Auf amrum : Gemeinde steht unter Zugzwang

Freier Blick aufs Weltnaturerbe: Der Strandservicegebäude am Südstrand ist in die Jahre gekommen und hat derzeit keinen Pächter.
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Freier Blick aufs Weltnaturerbe: Der Strandservicegebäude am Südstrand ist in die Jahre gekommen und hat derzeit keinen Pächter.

Geplanter Abriss der Nordseehalle: Wittdün verliert einen Veranstaltungssaal und die Schutzstation Wattenmeer ihre Ausstellungsräume.

shz.de von
08. Januar 2015, 09:00 Uhr

Mit dem noch im Januar beginnenden Abriss der Nordseehalle in der Mittelstraße wird die Infrastruktur in Wittdün um eine weitere Einrichtung reduziert. Womit die Gemeindevertretung unter einem gewissen Zugzwang ist, denn der Veranstaltungssaal und die Heimat der Ausstellungsräume der Schutzstation Wattenmeer fallen ersatzlos weg. Zwischenzeitlich hatte die Halle den Amrumer Schulkindern als Ersatz gedient, um in den Wintermonaten die sich hinziehende Bauphase der neuen Sporthalle an der Öömrang Skuul zu überbrücken.

Bereits in den zurückliegenden Jahren hatte die Halle als Veranstaltungsort sukzessive Anteile an die moderneren und ansprechenden Säle auf der Insel verloren. Ein Umstand, der auf verschiedenen Sitzungen des Gemeindegremiums von den Vermietern in Wittdün bedauert und kritisiert worden war. Nachdem bereits im vergangenen Jahr das baufällige Gebäude der alten Kurverwaltung abgerissen wurde und nun die Nordseehalle folgt, wird auf dem Gemeindegrundstück ein genossenschaftliches Wohnbauprojekt umgesetzt. Im Dezember wurde hierfür zwischen der Gemeinde Wittdün und der Genossenschaft „Üüs aran“ ein Kooperationsvertrag für 99 Jahre geschlossen.

Mit diesem Vertrag verbindet die Gemeindevertretung die Hoffnung, dass Wittdün trotz seiner Abhängigkeit als Bedarfszuweisungsempfänger Gelder für die Kofinanzierung wichtiger Infrastruktur generieren kann. Nebeneffekt dabei sei, dass das Grundstück nicht aus der Hand gegeben werde, und ein ansonsten zu erzielender Verkaufserlös wahrscheinlich komplett in der Schuldentilgung verschwinden würde.

Für den neuen Vorsitzenden des Tourismusausschusses, Karsten Albertsen (Bürgerblock Wittdün), der im Herbst des vergangenen Jahres den Vorsitz von Silke Wulfert (SPD) übernommen hatte, hat ein Punkt oberste Priorität: Die in Wittdün anstehenden Projekte zur Infrastrukturentwicklung zu unterstützen und mit entsprechendem Engagement voranzubringen. Hierzu gehört auch die Umsetzung des Projektes Strandservicegebäude. Ob in dem bisher geplanten Umfang und mit welcher Funktion das Gebäude am Südstrand realisiert werden soll, war nach der Kommunalwahl von den gewählten Kommunalpolitikern neu zur Diskussion gestellt worden. Neben einem rund 80 Personen fasssenden Veranstaltungssaal sollten auch die Strandversorgung und ein Ausstellungsbereich der Schutzstation untergebracht werden. Aber auch die Nutzung des sogenannten Filetgrundstückes am Fähranleger wurde in den Fokus der Überlegungen gerückt.

Schon seit mehreren Legislaturperioden wird der Zustand des in die Jahre gekommenen Strandservicegebäudes mit Bordmitteln kaschiert. Der Standort wurde bereits vor acht Jahren in das Konzept und die Planungen zur Verbesserung der gesamtinsularen Infrastruktur aufgenommen. Wie Bürgermeister Jürgen Jungclaus erklärte, sei der Gemeindevertretung deren Dringlichkeit bewusst. In bester Strandlage und förmlich am Schaufenster zum Weltnaturerbe Wattenmeer gelegen, wäre es ein großer Schritt für die Gemeinde. „Wir müssen schnellstmöglich entsprechende Förderanträge auf den Weg bringen“, verdeutlichte Jungclaus, nachdem das Projekt auf Basis der bestehenden Planung mit den Förderrichtlinien der neuen Periode der Aktivregion Uthlande abgeglichen worden sei.

Zum Herbst hatte die bisherige Betreiberin des Strandkiosks ihren auslaufenden Vertrag nicht verlängert und ihr dreijähriges Engagement beendet. Der stets nur für ein Jahr verlängerte Pachtvertrag des 30 Quadratmeter großen Verkaufsraums ließ für eine engagierte Investition in den Standort seitens des Pächters kaum unternehmerischen Spielraum. Aber auch der nicht vorhandene Platz für wetterunabhängige Sitzgelegenheiten erschwerte die Personalplanungen und die Umsatzmöglichkeiten trotz der Traumlage. Zudem wird die sogenannte Badebucht vor der Promenade durch eine fortschreitende Versandung, die nur für Kleinkinder noch zum Baden auskömmliche Wassertiefen zulässt, ihrem Namen selbst bei Flut kaum gerecht. Ein Umstand, der die Badegäste vielfach zum Kniep abwandern ließ.

Um die nötigen Finanzmittel für die vielfältigen Aufgaben zu bekommen, sei es unter anderem unabdingbar, die hohe Belastung durch die Betriebskosten des Badelandes zu senken. Denn die Ausgaben, die im Wirtschaftsbetrieb der Amrum-Touristik Wittdün verbucht werden, hemmen die Gemeinde. Um kostengünstigere Alternativen zu der bisherigen Energieversorgung mit Strom und Gas einzusetzen, wolle man sich technischen Rat bei Fachleuten einholen. Hierdurch versprechen sich die Gemeindevertreter zudem Energie-Einsparpotenziale.

Der Komplex Amrum-Badeland und ehemaliges Thalassozentrum bietet bereits ein vielschichtiges Angebot an SPA-, Freizeit- und Sportmöglichkeiten. Weitere Angebote sollen nach dem Abriss der Nordseehalle dort angesiedelt werden und somit kurzfristig die touristische Infrastruktur in Wittdün stärken. In den Sommermonaten haben sich zudem Open-Air-Angebote am Strandservicegebäude und dem Badeland als erfolgreich erwiesen.

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