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Insel-Bote

19. Oktober 2017 | 15:32 Uhr

Föhr : Gelungener Auftakt

vom

Wibke Bruhns eröffnete eindrucksvoll den diesjährigen Literatursommer

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 08:44 Uhr

Wyk | Mit einem fulminanten Auftakt startete der Literatursommer Föhr in seine dritte Saison. Wibke Bruhns gewährte mit Auszügen aus ihrer Autobiografie "Nachrichtenzeit - Meine unfertigen Erinnerungen" einen Einblick in das Leben eine der profiliertesten Journalistinnen Deutschlands.

Deren Werdegang von einer echten "Revolution" begleitet war, die sie an diesem Abend pointenreich noch einmal ins Bewusstsein holte: Als erste Nachrichtensprecherin im Deutschen Fernsehen hatte sie in der ersten Hälfte der 1970-er Jahre das öffentliche Gemüt erregt. Eine Sprechpuppe sei sie gewesen, so Bruhns, die von anderen verfasste Texte vorzulesen hatte. Ein Job, der sie anödete und zugleich für eine Bekanntheit sorgte, die sie auszunutzen wusste.

Denn Bruhns, deren Vater Hans-Georg Klamroth 1944 nach dem missglückten Attentat auf Hitler als Mitwisser gehängt worden war, war glühender Verehrer Willy Brandts. Für sie der einzige, der nach dem Nazi-Terror eine lupenreine Biografie vorweisen konnte. "Willy wählen" habe es folglich 1972 geheißen, als Wibke Bruhns - als Journalistin nicht ganz regelkonform - aktiv den erfolgreichsten Wahlkampf in der Geschichte der SPD an der Seite von Günter Grass und anderen Prominenten gestaltete. Das Ergebnis waren die sensationelle Wahlbeteiligung von 91 Prozent und die Wiederwahl Brandts zum Bundeskanzler.

Lange Jahre arbeitete die Autorin als Auslandskorrespondentin in Israel und Washington. Schade, mag deshalb manch einer der Besucher gedacht haben, denn in der knapp 90-minütigen Lesung musste sich die heute als freie Autorin in Berlin lebende Bruhns auf eine Themenauswahl beschränken. "Ich kann Ihnen das Buch ja nicht vollständig vorlesen", reagierte sie schlagfertig auf die Feststellung aus dem Publikum, dass das Thema Palästinenser nicht zur Sprache gekommen war. Nicht nur das: Auch die Studentenproteste 1968, die vermeintlichen Hitlertagebücher oder der Berliner Mauerfall blieben außen vor.

Dem Beifall tat dies am Ende keinen Abbruch. Beifall für einen großartigen Auftakt des diesjährigen Literatursommers. Zum zweiten Mal war Wibke Bruhns nach 2005 auf Föhr und der Terminkalender erlaubte keine weiteren Aktivitäten. Beim nächsten Besuch aber, verriet die Autorin nach der Lesung, wird ein Hallig-Besuch auf dem Programm stehen.

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