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Katzen-Problem auf Föhr : Geldspritze für das Tierhuus abgelehnt

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Leiterin Janine Bahr bezeichnet die Kastration der freilaufenden Tiere als erhebliche finanzielle Belastung. Ein bestehender Vertrag deckt jedoch die Kosten.

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erstellt am 15.Jun.2015 | 09:00 Uhr

Die Population verwilderter Katzen ist auf Föhr wie dem Festland ein bekanntes Problem. Dass dies nicht nur den Tierschutz, sondern die gesamte Insel und deren Gemeinden angehe, hatte Janine Bahr bereits im Fachausschuss vorgetragen. Und um Unterstützung gebeten, denn die Samtpfoten vermehren sich auch auf Bauernhöfen unkontrolliert. Gerade dort aber erreicht Bahr die Menschen oft nicht, die die Problematik weit weniger dramatisch sehen, als die Wyker Tierärztin. Diese hofft auf mentale Unterstützung in Form von Ansprechpartnern in den Gemeinden, die jeweils den Kontakt herstellen könnten.

Dabei setzt Bahr auf die Vermittlung der Bürgermeister, deren Reaktionen gleichermaßen verhalten positiv wie unterschiedlich sind. Während Oldsums Dorf-Chef Hark Riewerts für mehr Aufklärung der Katzenbesitzer als einfache Methode, dem Problem wirkungsvoll entgegenzutreten, wirbt, spricht sich Witsums Oberhaupt Cornelius Daniels eher für die martialisch-finale Variante aus. Ein bis zwei Katzen fange er pro Woche, verweist Daniels stolz auf seine Bescheinigung als Jäger, die ihm erlaube, Fallen zu stellen. Ein bis zwei Tiere, die für die Kastration allerdings nicht mehr geeignet seien. „Ich bringe sie nicht ins Tierheim, die werden unschädlich gemacht. 200 Meter vom Haus entfernt darf ich jede Katze fangen.“

Derweil hofft die Leiterin des Tierhuus’, in dem sich derzeit rund 60 Katzen tummeln, nicht allein auf mentale, sondern auch auf finanzielle Unterstützung. 50 bis 80 Neuzugänge pro Jahr sind nach Aussagen der Tierärztin der Normalfall, die in der Regel alle kastriert werden. Würde dies konsequent gehandhabt, könne man das Problem in den Griff bekommen. Laut Bahr wurden allein im vergangenen Jahr 30 verwilderte Tiere kastriert, „auf Kosten des Tierhuus‘, das ist natürlich ein ganz großer finanzieller Aspekt“.

Den abzufedern, ein Zuschuss allerdings ausbleiben wird. Vielmehr verweist Jörg Michelsen, Leiter des Wyker Ordnungsamtes, auf einen seit vielen Jahren bestehenden Vertrag, der letztmalig 2013 neu gefasst wurde. Nach diesem Papier ist Bahr für das Einsammeln und Annehmen sowie die Versorgung von Fund- und Wildtieren auf Föhr und Amrum zuständig. Zudem ist explizit aufgeführt, dass sie durch Fang und Kastration die übermäßige Population der freilaufenden Katzen abzubauen und entsprechende Räumlichkeiten vorzuhalten hat, und, wird kein Besitzer gefunden, die Tiere zu vermitteln. Gelingt dies nicht, sieht die Vereinbarung vor, dass die Katzen nach einiger Zeit ins Tierheim nach Flensburg überführt werden. „Alle diese Leistungen bekommt Frau Bahr bezahlt“, äußerte Michelsen sein Unverständnis für den Vorstoß. „Sie hätte den Vertrag lesen sollen, in dem ist genau festgelegt, wofür sie Geld bekommt.“ Erst wenn die Ausmaße über das Vereinbarte hinausgingen, sei man gesprächsbereit, eine solche Situation aber sei derzeit nicht erkennbar.

Dass Katzenbesitzer ihre Tiere nicht nur im Tierhuss kastrieren lassen können, betont Jörg Michelsen ausdrücklich. Bereits 2011 habe die Veterinärverwaltung des Kreises Nordfriesland eine Vorreiterrolle übernommen und für Schleswig-Holstein die sogenannte innovative Verwaltung gegen Katzenelend ins Leben gerufen. In diesem Rahmen waren drei Jahre lang Haushaltsmittel nur für Kastrationen eingeplant worden. „Wir haben als Amt die Kastration einer Katze mit 25 Euro gefördert und die Tierärzte des Kreises hatten sich zu einer Gegenleistung in gleicher Höhe bereit erklärt“, verweist der Leiter des Ordnungsamtes auf eine 50-prozentige Entlastung der Katzenbesitzer. Eine Maßnahme, die nach schleppendem Beginn auch sehr gut angenommen worden sei: „Wir haben pro Jahr etwa 40 Katzen kastrieren lassen.“

Dieses Programm ist 2015 durch ein Landesprogramm abgelöst worden, das direkt mit den Tierärzten kooperiert. Demnach werden jeweils im Frühjahr und im Herbst Katzen behandelt. Bei Aktionen im Herbst 2014 und im Frühjahr 2015 seien für gut 100  000 Euro landesweit 4700 der Tiere kastriert worden, so Michelsen. „Ein Programm, das auch weitergeführt werden soll, auch wenn derzeit noch unklar ist, woher die Haushaltsmittel genommen werden sollen.“

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