Seefahrt : Geisterschiffe auf den Weltmeeren – ein Fall führte nach Föhr und Amrum

Hohe Wellen schlagen gegen die Helgoländer Küste. Ein Sturm wie dieser wurde der „Adolph Bermpohl“ im Februar 1967 zum Verhängnis.
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Hohe Wellen schlagen gegen die Helgoländer Küste. Ein Sturm wie dieser wurde der „Adolph Bermpohl“ im Februar 1967 zum Verhängnis.

Im 19. Jahrhundert war der Fall der „Mary Celeste“ spektakulär, zu deren Crew auch Insulaner gehörten.

shz.de von
30. Mai 2018, 18:00 Uhr

Geisterschiffe gibt es immer wieder, auch in jüngster Zeit. So wurde 2017 vor der Küste Japans ein Holzboot mit teilweise skelettierten Leichen entdeckt. Nicht zum ersten Mal. Mehr als hundert Boote waren es im Jahr 2017. Sie kommen oft aus Nordkorea, von wo wagemutige Männer in Holzbooten mit altersschwachen Motoren weit auf den Ozean hinausfahren. Um gutes Geld zu verdienen, fangen sie Hummer und Krabben, die sie, jenseits aller nordkoreanischen Kontrollen, manchmal direkt auf hoher See verkaufen. Es kommt zu Unglücken, und viele dieser Fischer bleiben auf See.

Aus der deutschen Seefahrtsgeschichte ist vielen noch der Seenotrettungskreuzer „Adolph Bermpohl“ in Erinnerung. Genau zwei Jahre und vier Monate nach der Schiffstaufe in Bremen, in der Orkannacht des 23. Februar 1967, verunglückte er vor Helgoland. Nach der Rettung der dreiköpfigen Besatzung eines niederländischen Kutters verlor sich die Spur der „Adolph Bermpohl“ in den Weiten der Nordsee. Die sofort eingeleitete große Suchaktion blieb ohne Erfolg. Schon am folgenden Vormittag fand man zwar den Seenotrettungskreuzer, allerdings ohne eine Spur der Retter und Geretteten. Später wurden auch  drei der vier Seenotretter und zwei der drei  niederländischen Fischer  gefunden. Von den beiden  anderen Männern fehlt bis heute jede Spur.

Der Seenotrettungskreuzer wurde, in der Nordsee treibend, gefunden. Von der Besatzung fehlte jede Spur.

Der Fall „Mary Celeste“ führt Ermittler auch nach Föhr und Amrum

Fast 100 Jahre früher, am 5. Dezember 1872, überholte ein britisches Schiff in der Nähe der Azoren die „Mary Celeste“. Sie bewegte sich halb segelnd, halb treibend und völlig unbeschädigt auf dem Wasser. An Bord schien soweit alles in Ordnung zu sein. Die Ladung zeigte keine Auffälligkeiten, Proviant war genügend vorhanden, aber es war kein Mensch an Bord. Allerdings fehlten Navigationsgeräte und ein Beiboot. Und auf einem Tisch lagen noch die letzten Briefzeilen des Steuermanns an seine Frau. Um diesen mysteriösen Fall aufzuklären, kam es auch zu offiziellen Befragungen auf Föhr und Amrum. Zu den Besatzungsmitgliedern gehörten nämlich die Brüder Volkert und Boy Lorenzen aus Utersum sowie Arian Martens aus Süddorf auf Amrum. Volkert Lorenzen war im Gegensatz zu seinem Bruder Boy verheiratet und hinterließ ein Kind. Ida Caroline Lorenzen, nach ihrer Großmutter Ida Ingke Hayen genannt, lebte in Utersum. Arian Martens aus Süddorf hinterließ zwei Töchter, von denen es zahlreiche Nachkommen gibt, wie Georg Quedens in „Inseln der Seefahrer“ schreibt. Vom Schicksal der „Mary Celeste“ verschont blieb der Oldsumer Riewert Arian Peters, dessen Anmusterung auf Grund seines Herzfehlers rückgängig gemacht werden musste.

Der historische Dreimaster „Amphitrite“ spielte 1972 im Fernsehfilm „Das Geheimnis der Mary Celeste“ mit Hans-Joachim Kulenkampff die Hauptrolle. 

Das „Geisterschiff Mary Celeste“ beschäftigte die Menschen noch lange und gab Anstoß zu vielen Spekulationen, so auch auf dem Treffen der Föhrer Seefahrergilde im Oktober 1951 unter Leitung des Wyker Kapitäns Wilhelm Schröder. Letztendlich konnte geklärt werden, dass das Schiff von allen eiligst verlassen wurde, weil man ein Feuer fürchtete. Dieser Irrtum entstand durch die kräftige Gasentwicklung des geladenen und bei großer Hitze zum Teil ausgelaufenen, verdampfenden Alkohols. Wahrscheinlich war nach einiger Zeit eine Rückkehr zum Schiff geplant, wozu es aus Wetter- und Strömungsverhältnissen wohl nicht mehr kam. Was sich auf dem Ruderboot abspielte, möchte man sich lieber nicht vorstellen.

Wohl das berühmteste Geisterschiff ist „Der fliegende Holländer“. So nannte man den holländischen Kapitän Bernard Fokke, der außergewöhnliche Geschwindigkeitsrekorde mit seinem Schiff aufstellte. Das konnte doch nur mit dem Teufel zugehen! Als Tribut holte sich der Teufel schließlich Schiff und Mannschaft am Kap der Guten Hoffnung. Seitdem soll das Schiff geisterhaft über die Meere fahren. Manche wollen das Geisterschiff gesehen haben. So auch 1881 der spätere König Georg von England, vor dessen Schiff angeblich plötzlich der Bug eines im „roten Licht glühenden“ Geisterschiffes auftauchte. Mehr als zehn Personen sollen die schwarzen Masten und die blutroten Segel genau gesehen haben.

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