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Erster Weltkrieg : Gefallen mit gerade 19 Jahren

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Kaufmann John Nickels Hinrichsen starb bei schweren Kämpfen um den Winterberg.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2017 | 08:30 Uhr

Der noch immer bestehende Garten hinter dem Haus Große Straße 28 führt hundert Jahre zurück, als dort noch „Lucie Grün“ die Gemüsebeete bearbeitete und ihre Ernte vorne im Laden des Hauses verkaufte. Aber auch von der Nachbarinsel kam Ware. „Fiddi Post“ (Friedrich Friedrichs, dessen Eltern eine Postannahmestelle hatten) erzählt: „In den Hungerjahren des Ersten Weltkriegs hat fast jeder Amrumer eimerweise Heidelbeeren gepflückt und sie bei uns im Hotel abgegeben. Meine Eltern verkauften die Beeren weiter an „Broder Mehl“ in Wyk.“ Eigentlich verkauften sie an „Lucie Grün“, deren Mann gemäß seinem Ökelnamen einen Mehlhandel betrieb. Er fungierte als Zwischenhändler von der Wrixumer Mühle zu den Wyker Haushalten, Bäckereien und großen Logierhäusern mit eigener Backstube.

Im August 1918 inserierte „Lucie Grün“ den Verkauf von Weißkohl, Wirsingkohl, Kohlrabi und roten Wurzeln. Zu dieser Zeit war schon über ein Jahr vergangen, seit ihr „innigstgeliebter einziger Sohn, der Kaufmann John Nickels Hinrichsen ... bei den schweren Kämpfen um den Winterberg (an der Aisne) am 6. Mai durch Granatschuss im Alter von 19 Jahren gefallen“ war. Zurückgekommene Briefe, die ihn nicht mehr erreicht hatten, brachten den Eltern Hinrichsen die traurige Gewissheit. John Nickels Hinrichsen „war die Freude seiner Eltern“. Am 28. Mai 1917 wurde für ihn in der Boldixumer St. Nicolai-Kirche ein Gedenkgottesdienst gehalten.

„Lucie Grün“ überlebte ihren Sohn um viele, viele Jahre und konnte mit Hilfe von Nachbarn bis ins hohe Alter ihren Gemüseladen weiterführen.

Und was geschieht auf Föhr?

Neben „Lucie Grün“ in der Großen Straße 28 gab es zu dieser Zeit viele kleine Geschäfte und Werkstätten in Wyk. So gehörte die spätere Bäckerei Jensen in der Großen Straße 34 bis 1907 dem Bäcker Theodor Gließmann. Als sie vor dem Ersten Weltkrieg abbrannte, eröffnete er in der Friedrichstraße 2 eine Werkstatt für Fahrräder mit Verkauf und Verleih, der er später ein Kolonialwarengeschäft hinzufügte.

Im Nachbarhaus (Nr. 32) von „Lucie Grün“ wohnte Julius Schulz, der Kutschfahrten für Sommergäste anbot. Eine lange Holzwand bis zu ihrem Haus zeigte eine aufgemalte Kutsche mit einem Kutscher auf dem Bock. Über die Westerstraße hinweg Richtung Osten befand sich in der Großen Straße 26 das Textilhaus von Arnold Hubo (1854-1921), der im März 1918 sein 25jähriges Geschäftsjubiläum feierte.

1914 - 1918: Die Opfer
Vor 100 Jahren brachte der Erste Weltkrieg unendliches Leid über die Menschen in den beteiligten Staaten – auch für Föhr hatte dieser Krieg weitreichende Folgen.  Viele Insulaner zogen begeistert in die Schlacht,  etliche kehrten nicht mehr zurück.  Die Historikerin Dr. Karin de la Roi-Frey  hat den Schicksalen der Kriegstoten von 1914 bis 1918 nachgespürt, deren Namen auf dem  Ehrenmal des Boldixumer Friedhofs stehen.  In einer Serie wird sie in den kommenden Jahren – jeweils zum 100. Todestag – an diese Menschen erinnern.



 

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