zur Navigation springen

Der Erste Weltkrieg : Gefallen kurz vor dem 24. Geburtstag

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Überseekaufmann Heinrich Nerong hatte bei Ausbruch des Krieges London verlassen und sich freiwillig gemeldet. Er ließ sein Leben in Tarnopol in Galizien.

Es waren schwere Jahre für Friederike Nerong geb. Lorenzen (1854-1942) von der Wyker Werft. Ihr Mann, der Lehrer und Heimatforscher Ocke Chr. Nerong (1852-1909), an den die gleichnamige Straße in Boldixum erinnert, war 1909 mit nur 57 Jahren gestorben. Ein Jahr später zog Friederike Nerong von Dollerup bei Flensburg, wo ihr Mann Lehrer gewesen war, zurück nach Wyk in das Hellinghaus am Hafen. Dort leitete ihre Mutter Henriette Boezine Lorenzen nach dem frühen Tod des Ehemannes die Werft, bis sie1915 im Alter von 85 Jahren starb.

Zu dieser Zeit saß Friederike Nerongs Bruder, der Kapitän Paul Wilhelm Lorenzen (1871-1920), bereits in Taltal/Chile mit seinem Schiff fest, wo er vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überrascht worden war. Jahre des Wartens auf eine Rückkehr in die Heimat begannen für Lorenzen und seine Besatzung. Als es schließlich 1920 soweit war, erlag Paul Wilhelm Lorenzen einem Hitzschlag.

Friederike und Ocke Chr. Nerong hatten sechs Kinder. Heinrich (1891-1915) wurde Überseekaufmann und befand sich beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs in London. „Er kam mit der letzten Fahrmöglichkeit zurück nach Deutschland und stellte sich dem Vaterland“, heißt es in der großen Familienchronik der Lorenzens.

Der Kriegsfreiwillige Heinrich Nerong verbrachte den Kriegswinter 1914/15 im Lazarett, sein Beinleiden konnte kuriert und er zurück an die Front geschickt werden. Schon einige Zeit vor der offiziellen Todeserklärung erhielt Friederike Nerong ihre an den Sohn gerichteten Briefe mit dem Vermerk „Gefallen“ zurück. Im September erhielt sie die traurige Gewissheit, dass ihr jüngster Sohn wenige Tage vor seinem 24. Geburtstag am 30. August 1915 in Tarnopol/Galizien gefallen war.

Über den Krieg im Osten heißt es zu dieser Zeit: „Als Ende September 1915 die große französisch-englische Offensive im Artois und in der Champagne losbricht, müssen die Mittelmächte die Operationen im Osten einstellen, um mehrere Divisionen umgehend an die Westfront … zu verlegen. Nach monatelangem Bewegungskrieg stabilisiert sich jetzt die Ostfront auf der Linie von Riga, Dünaburg … über Baranowitschi, Dubno, Tarnopol bis Czernowitz.

Am 4. Oktober 1915 fand in der St.-Nicolai-Kirche in Boldixum ein Gedenkgottesdienst für Heinrich Nerong statt. Seine Mutter Friederike lebte später in der Wyker Mühlenstraße 25, wo sie manchmal Besuch von ihrer Großnichte Maria D. Volquardsen (1922-2008) erhielt. Nach deren Erinnerungen war sie „eine kleine alte, immer schwarz gekleidete Frau“.

Und was geschieht auf den Inseln?

Zu den während des Ersten Weltkriegs in verschiedenen Ländern Internierten von Föhr und Amrum gehörte auch Jakob Doorentz (1881-1959) aus Boldixum (Holm 3) genannt Jakob „Chines“, weil er 1914 bis 1918 in China festsaß. Ludwig Pfeiffer (1873-1974) aus Wyk, Sohn der bekannten Bäckersfrau „Metje“ Pfeiffer (1840-1933) aus der Westerstraße, lebte vier Jahre vor Buenos Aires/Argentinien auf einem Schiff, dem ein plattdeutsch sprechender Händler namens Hansen aus Oevenum immer wieder Fisch brachte. Peter Christiansen (1878-1921) aus dem Haus am Wyker Glockenturm war wie sein Onkel Paul Lorenzen vier Jahre in Südamerika interniert. 1919 kehrte er nach Deutschland zurück und starb überraschend auf einer Südamerikafahrt in Taltal/Chile. Er wurde dort neben seinem Onkel beigesetzt.

1931 besuchten Engellena Jensen (1901-1985) aus Oevenum und ihre Freundin Ella von Wilamowitz-Moellendorf (1900-1981), eine Tochter von Boye Petersen (1869-1943), Kapitän der „Preussen“, auf einer großen Reise die Gräber. Sie schrieb in ihr Tagebuch. „So etwas Klägliches – wenn ich an unsere Friedhöfe denke.“ Sie schmückte die Gräber der zwei Föhrer mit Blumen.

Der von Föhr stammende Amrumer Maschinist Ernst Braren (1872-1944) wurde in Indonesien interniert, der Amrumer Jan Knudten (1877-1952) in Peru, Arthur Kruse (1893-1968) und Martin Bendixen (1883-1972) von Amrum fanden in Brasilien gute Anstellungen.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Sep.2015 | 09:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen