Föhrer im Ersten Weltkrieg : Gefallen im Rettungseinsatz

Seit dem April 1915 gehörten Gasangriffe zum regelmäßigen Kampfgeschehen.
Seit dem April 1915 gehörten Gasangriffe zum regelmäßigen Kampfgeschehen.

Der Kriegsfreiwillige Oberprimaner Wilhelm Okkens ließ in Flandern sein Leben, als er einen verwundeten Kameraden bergen wollte.

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06. Mai 2015, 18:00 Uhr

Am 25. April 1915 stellt die Oberste Heeresleitung den Frontdurchbruch bei Ypern/Flandern ein. Ein erneuter Gasangriff am 2. Mai 1915 bringt keinen Erfolg. Im Gegenteil: Deutschland verliert bis zum 9. Mai 35  000 Mann, zu denen auch der Wyker Wilhelm Okkens (1897-1915) gehört. Die Gasangriffe haben Folgen. Künftig setzt auch der Gegner vermehrt diese Kampfstoffe ein. Die Gasmaske wird zur Metapher für den 1. Weltkrieg.

Der Kriegsfreiwillige Oberprimaner Wilhelm Okkens ist der Sohn von Nis Okkens, der in der Wyker Hafenstraße 36 ein „Colonial-, Eisen- und Porzellanwarenlager“ führt. Mit seiner Frau Maria, geborene Schröder, hat er auch die Tochter Eike, die später den Reeder und Minister Knud Knudsen heiratet.

Wilhelm Okkens fällt im gleichen Frontabschnitt wie der Wyker Friedrich Bohn am 25. April: Bei Steenstraat beziehungsweise Het Sas in Flandern „beim Versuch, einen Schwerverwundeten aus dem Feuerbereich zu tragen“. Die Todesanzeige vom 13. Mai 1915 in der „Föhrer Zeitung“ schließt mit den Worten: „Wir denken Dein in unserm Kreise, wie wirst von allen Du vermisst. Wir denken Dein, so klingt es leise, von uns Dich keiner je vergisst! Ruhe sanft in fremder Erde“. Und wie Friedrich Bohn erhält auch Nis Okkens einen noch heute bestehenden Gedenkstein auf dem Boldixumer Friedhof. Die Eltern Okkens setzen unter die Zeilen „Unser einziger geliebter Sohn“ die Worte: „Keiner hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässet für seine Brüder.“

1921 feiert das Geschäft von Nis Okkens sein 25-jähriges Bestehen. Das erlebt er, der die Firma „zu Blüte und Ansehen“ gebracht hat, nicht mehr. Nis Okkens stirbt nur anderthalb Jahre nach dem Tod seines Sohnes, Marie Okkens überlebte ihren Mann um fast 40 Jahre.

Und was geschieht auf Föhr?

Nachdem Daniel Goos Hansen und seine Frau Maria, geborene Jacobs, in Wrixum, Ohl Dörp 55b, gleich zu Kriegsbeginn ihren Sohn Hans verloren haben, erhalten sie die erschütternde Nachricht, dass auch ihr Sohn Peter gefallen ist, am 15. Mai 1915 in den Kämpfen um Arras/Flandern in der sogenannten „Loretto-Schlacht“. Nach sechs Wochen Kampf beträgt der Geländegewinn der Franzosen 1,9 Kilometer auf der Frontbreite von 5,4, Kilometern.

Christina Martens berichtet, dass sie als Kinder die eingezogenen Knechte des Hofes teilweise ersetzen mussten: „Hatten die Kühe Maul- und Klauenseuche, dann hielt Vater ihr Maul auf, und ich bestrich dieses von innen mit Bienenhonig und auch die Klauen. Im Anfangsstadium hatten wir guten Erfolg damit, wahrscheinlich war es die Ameisensäure im Honig, die das bewirkte.“

Eine kleine Wykerin bemerkte, dass „für alles, was wir essen wollten, Lebensmittelkarten nötig waren und daß vor allem unsere Brotschnitten zugeteilt wurden. Mit der Zeit wurden diese auch immer dünner geschnitten. Erst als der Brotteig mit Kartoffeln gestreckt wurde, schnitt Großmutter das Brot wieder etwas dicker. Das ging auch gar nicht anders, sonst wären die Schnitten ja auseinander gebrochen.“







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