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Schliessung : Geburtshilfe auf Föhr: Notfallkonzept noch in weiter Ferne

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ängste, Kritik und etliche Lösungsvorschläge: Der Chef des Föhr-Amrumer Krankenhauses muss sich im Amtsausschuss aufgebrachten Bürgern stellen – und ließ viele Fragen offen.

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erstellt am 26.Sep.2015 | 08:00 Uhr

Der Sitzungssaal platzte aus allen Nähten: Rund 100 besorgte, aufgebrachte Bürger standen in der Zusammenkunft des Amtsausschusses zur Schließung der Geburtshilfe am Föhr-Amrumer Krankenhaus dem Geschäftsführer des Klinkums Nordfriesland, Frank Pietrowski, gegenüber. Sie äußerten Fragen, Ängste, Kritik und etliche Lösungsvorschläge, während unten, auf dem Rathausplatz, die Trillerpfeifen der Demonstranten lärmten.

Kein leichter Job für den Klinikchef, der dem Amtsausschuss Rede und Antwort stehen sollte, aber viele Antworten schuldig blieb. Kein leichter Job auch für Amtsvorsteherin Heidi Braun, die die Wogen immer wieder glätten musste, es aber souverän schaffte, nicht nur viele Bürger zu Wort kommen zu lassen, sondern auch Pietrowski Gehör zu verschaffen. Der allerdings konnte die Insulaner an diesem Nachmittag nicht überzeugen. Auf manche Fragen antwortete er gar nicht, zu anderen konnte er nichts konkretes sagen, doch eine Aussage machte er klar und deutlich: „Ich werde von dieser Entscheidung nicht abrücken, weil ich persönlich hafte.“

Um unabsehbare Risiken bei Geburten auf Föhr ging es dem Klinikchef, darum dass bei schweren Komplikationen, wenn dann auch noch die Wetterlage Hubschrauberflüge oder den Einsatz des Seenotretters nicht zulässt, nicht gehandelt werden könne und das Haftungsrisiko deshalb unabsehbar sei. Entsprechendes hat ein Gutachten der Klinik bescheinigt, das bereits seit einem Jahr vorliegt. Warum wurde dieses Gutachten nicht durch ein zweites abgesichert, wurde Pietrowski gefragt, warum die Schließung erst jetzt, und warum wurden die zurückliegenden Monate nicht genutzt, um wenigstens zusammen mit der Schließungsverfügung ein tragbares Notfallkonzept zu präsentieren?

Denn das blieb Frank Pietrowski weiter schuldig. „Das ist nicht ganz einfach“, sagte er, „wir können hier nur was auf die Beine stellen, wenn alle mitmachen.“ Derzeit würden Gespräche mit dem Rettungsdienst und mit dem Betreiber des in St.-Peter-Ording stationierten Hubschraubers für die Offshore-Windanlagen geführt, der könne auch nachts fliegen. Außerdem seien Helgoland und Norderney schon seit Jahren ohne Geburtshilfe. „Wir können uns auch da informieren, wie die das machen“, schlug der Geschäftsführer vor.

„Das sieht alles etwas kurzgestrickt aus, man fühlt sich allein gelassen“, stieß er mit dieser Aussage nicht nur bei Amtsvorsteherin Heidi Braun auf Unverständnis. „Soll ich dann, um für den Notfall gewappnet zu sein, selber noch schnell einen Hebammenkurs machen?“, fragte eine werdende Mutter.

Ein Frage, die gar nicht so unberechtigt zu sein scheint angesichts der Unsicherheit der Gynäkologen und Hebammen, ob und in welcher Form sie nach der Schließung der Geburtshilfeabteilung bei Notfällen überhaupt noch tätig werden dürfen. „Soll ich mich dann neben eine Gebärende setzen, zugucken und sagen, das wird schon“, fragte Hebamme Kirsten Rickmers, während die Gynäkologen berichteten, dass sie zu diesen Fragen nun selbst ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben hätten.

„Objektiv betrachtet wird es für Schwangere und Kinder nicht sicherer“, führte Amtsausschuss-Mitglied Till Müller genau die gleichen Argumente gegen die Schließung an, die Pietrowski zuvor für seine Entscheidung ins Feld geführt hatte: Einen Notfall während der Schwangerschaft, nachts und bei Sturm, „und die Frau hat dann noch nicht mal eine funktionierende Geburtshilfe vor Ort“. Denn, das wurde bei etlichen Wortmeldungen betont, gerade weil die Insel nicht zu jeder Zeit erreicht oder verlassen werden kann, müssten hier Risiken ganz anders bewertet werden, als bei kleinen Geburtsstationen auf dem Festland.

Während Frank Pietrowski dem Amtsausschuss noch nicht mal ansatzweise ein Notfallkonzept präsentieren konnte, stellten die Insulaner etliche Vorschläge zur Diskussion, um Sicherheitsmängel zu verringern. So schlug eine Schwangere vor, einen Blutspenderpool einzurichten, um im Notfall schnell an zusätzliche Konserven zu kommen, das Amrumer Amtsausschuss-Mitglied Christoph Decker regte eine Kooperation mit der Kinderfachklinik Satteldüne an, deren Kinderärzte, so Deckers Idee, im Umfeld von Geburtsterminen Bereitschaftsdienste auf Föhr machen könnten.

„Wir sind bereit, alles zu tun, um die Geburtshilfe zu halten. Ich bin enttäuscht, dass wir nicht vorher gefragt wurden, ob wir mitwirken“, sagte die Vorsitzende des Krankenhaus-Fördervereins, Sybille Franz, und erinnerte daran, dass ihr Verein in den zurückliegenden Jahren viel in den Kreißsaal investiert habe. „Das haben wir gemacht, weil immer von der Klinikleitung die Botschaft kam, dass die Geburtshilfe gehalten wird“, sagte Franz und legte mit der Frage an Pietrowski nach: „Wie stehen sie grundsätzlich zum Wyker Krankenhaus?“.

„Das ist eine ganz klare Aussage, die Chirurgie und die Innere Abteilung stellen wir in keinem Fall in Frage. Wir werden weiter um den Sicherstellungszuschlag kämpfen“, antwortete dieser, schob dann aber eine Einschränkung nach: „Eine Zusage, dass es das Wyker Krankenhaus in zehn Jahren noch gibt, kann ich bei der derzeitigen Situation im Gesundheitswesen nicht geben.“

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