Geburtsstation in Wyk : Geburtshaus auf Föhr: Echte Inselbabys ab August?

Hebamme Kerstin Lauterberg kämpft seit der Schließung des Kreißsaales 2015 für die Möglichkeit, auf Föhr wieder Geburten zu ermöglichen. Der Einsatz trägt Früchte.

Hebamme Kerstin Lauterberg kämpft seit der Schließung des Kreißsaales 2015 für die Möglichkeit, auf Föhr wieder Geburten zu ermöglichen. Der Einsatz trägt Früchte.

Der Kreißsaal ist seit fast drei Jahren dicht. Doch Insulaner können stur sein – und schaffen zumindest eine „kleine“ Lösung.

shz.de von
17. Juni 2018, 09:42 Uhr

Wyk auf Föhr | Rund drei Jahre nach der Schließung der Geburtsstation in Wyk könnten nun bald wieder mehr echte Inselbabys auf Föhr das Licht der Welt erblicken. In den kommenden Wochen soll in Wyk ein Geburtshaus öffnen. Ein genauer Eröffnungstermin sei noch nicht abzusehen, da noch Restarbeiten anliegen, sagte die Vorsitzende des Vereins „Inselgeburt“, Susanne Keisat. Derzeit realistisch für die Eröffnung sei der erste August. Der Verein ist Träger der hauptsächlich über Spenden finanzierten Einrichtung. Hauptziel des Vereins bleibe trotz der Eröffnung des Geburtshauses die Wiedereröffnung des Kreißsaales, sagte Keisat.

Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen sagte, es freue ihn sehr, dass das Geburtshaus auf Föhr nun bald eröffnen könne. „Der Kreis Nordfriesland hat dieses Projekt im Vorfeld intensiv begleitet und unterstützt.“ Er betonte, der Kreistag von Nordfriesland habe sich darüber hinaus bereit erklärt, sich finanziell und begleitend an dem Projekt zu beteiligen.

Unklar, wie viele Frauen das Angebot annehmen wollen und dürfen

Die Föhrer haben lange dafür gekämpft, dass Geburten auf der Insel wieder möglich werden. Schwangerschaft und Geburt seien keine lebensbedrohliche Risiken, die nur in großen Kliniken abgefangen werden könnten, fanden und finden Keisat und ihre Mitstreiter. Drei Rentner starteten damals die Proteste. Sie gründeten eine Bürgerinitiative, aus der später der Verein hervorgegangen ist.

Prominente Mitstreiter wie der Pharma-Unternehmer Frederik Paulsen unterstützen das Haus finanziell. „Ohne seine Hilfe hätten wir nicht beginnen können“, sagte Keisat.

Die Föhrer Hebamme Kerstin Lauterberg, die das Geburtshaus „Babynest“ führen wird, sagte, der Bedarf für ein solches Haus sei da. Auch wenn sie nicht sagen könne, wie viele Frauen tatsächlich dieses Angebot in Anspruch nehmen wollen und auch dürfen. Denn nur werdende Mütter, mit einem unkomplizierten Schwangerschaftsverlauf und bei denen im Vorfeld davon auszugehen ist, dass die Geburt unkompliziert wird, dürfen im Geburtshaus echte Inselbabys zur Welt bringen. Die anderen müssen für die Geburt nach wie vor auf das Festland fahren.

Lauterberg und ihre Kollegin haben in diesem Jahr bisher je eine Notfallgeburt betreut. Im vergangenen Jahr habe es vier Geburten auf Föhr gegeben, davon drei geplante Hausgeburten.

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