Inselfriesen : Geballte Sangeslust

Stimmgewaltige Insulaner: Die Föhrer und Amrumer Chöre kommen alle drei Jahre zusammen.
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Stimmgewaltige Insulaner: Die Föhrer und Amrumer Chöre kommen alle drei Jahre zusammen.

Frisia Cantat: Beim Treffen in Oldsum erklangen Lieder in verschiedenen Föhrer und Amrumer Dialekten.

shz.de von
29. Mai 2018, 14:00 Uhr

„Frisia cantat“, das alle drei Jahre stattfindende Treffen der Chöre von Föhr und Amrum, zu deren Repertoire friesische Lieder gehören, stand selbstverständlich unter gold-rot-blauer Flagge, doch mischte in diesem Jahr die Farbe lila kräftig mit: Die „Feer Ladies“, bei Auftritten immer zu erkennen an ihren lilafarbenen Blusen, hatten ins Oldsumer „Ual Fering Wiartshüs“ eingeladen, in passenden Fliedertönen dekoriert und erwiesen sich als einfallsreiche und gute Gastgeberinnen. Chorleiterin Birke Licht hatte das Treffen unter das Motto „Leefde an Frees“ (Liebe und Frieden) gestellt und betont, dass Singen verbinde. Mit einem „Speed-Dating“, das von allen Teilnehmern verlangte, sich nach jedem Gong zu einem Sänger zu setzen, den man (oder frau) bis dato noch nicht kannte, wurden Stimme und Ohren bereits „aufgewärmt“, so dass das gemeinsame „Rüm Hart, Klaar Kiming“ von allein über die Lippen kam.

Ein ganz bedeutender Punkt des Sängertreffens ist, dass alle Lieder in friesischen Dialekten (aasdring, weesdring, öömrang) gesungen werden und dass möglichst auch ganz neue Texte dabei sein sollten. Glücklicherweise gibt es innerhalb der Chöre immer wieder Sänger, die Freude am Dichten und Übersetzen haben, so dass bei „Frisia cantat“ auch in Zukunft „nei staken süngen wurd“ (neue Lieder gesungen werden).

„Laache as det best, wat wi du kön“ (Lachen ist das Beste, was wir tun können) sang der Norddorfer (gemischte) Chor „Wäänsdaiinj“, bevor „Klassiker“ folgten. Chorleiterin Sylvia Höcke hatte – im wahrsten Sinne des Wortes – alle Hände voll zu tun, denn nach ihrem Taktstock sang auch der Nebeler „Rüm-Hart“-Chor, da dessen eigentliche Leiterin Inken Rolfs verhindert war. „Juarestidjen üüb Oomram“ ließ dann nicht nur die Herzen der Amrumer höherschlagen.

„Somerinj“, wohl eines der berühmtesten Lieder des Osterland-Föhrers Lorenz Conrad Peters (1885-1949) hatten sowohl die Nebeler in ihrem Programm als auch der Männergesangverein Föhr-West (Leitung Roluf Hennig), was für die ebenfalls geladenen Friesisch-Studenten der Universität Flensburg besonders gewesen sein mag, konnten sie hier doch die feinen Unterschiede der friesischen Dialekte vor Ort studieren, denn Peters Original wurde ins westerlandföhrer und amrumer Friesisch „übersetzt“.

Der Männerchor aus dem Westen präsentierte Föhrer „Evergreens“, die gleichermaßen Fern- und Heimweh der Auswanderer-Generation verdeutlichten. Auch ein Chor, der sich zwischenzeitlich aufgelöst hat, war anwesend, denn einige der Sängerinnen und Sänger des Gemischten Chores Nieblum haben sich dem Männergesangverein oder den „Feer Ladies“ angeschlossen und waren und sind dort sehr willkommen.

Die Gastgeberinnen – wie hätte es passender sein können – hatten drei Melodien aus dem Musical „My fair Lady“ ins Friesische übersetzt und konnten sie als „Tripel“ erstmals einem größeren Publikum vorstellen, bevor ein Quodlibet zum Thema „Kofe an kuuken“ zum kulinarischen Teil des Nachmittags überleitete. Auch hier hatten sich die lila Damen nicht lumpen lassen und servierten ein buntes Kuchenbüffet. Dank großzügiger Sponsoren konnten auch sämtliche weiteren Ausgaben auf ein Minimum reduziert werden, wofür sich die „Feer Ladies“ sehr dankbar zeigten.

Bevor der Kanon „Frinjer brük wi altermaal“ (Freunde brauchen wir alle) für die Amrumer die Rückfahrt einläutete, servierte Birke Licht noch einen kleinen musikalischen Nachschlag, den sie erst kurz zuvor mit jeweils einem Mitglied der Gästechöre einstudiert hatte. „Als Dankeschön gibt es etwas auf die Ohren“, kündigte sie lachend an und erklärte, dass sie vor geraumer Zeit eine selbst komponierte Melodie und einen selbst gedichteten Text von der Amrumerin Nora Grevenitz erhalten habe mit der Bitte, diese Komposition auf „Singbarkeit“ zu überprüfen. Und ja, es war singbar, vierstimmig sogar und es begeisterte nicht nur die Urheberin.


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