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in NOrddorf : Gar nicht mies – die leckere Muschel

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Auf Amrum dreht sich wieder alles um die Schalentiere. Zur Eröffnung der Muscheltage gab es ein gelungenes Fest auf der Hüttmannwiese.

Traditionell am ersten September-Sonnabend beginnen auf Amrum die Muscheltage. „Die Monate mit ‚R‘ sind Muschelmonate“, sagt Dr. Thomas Chrobok vom Naturzentrum des Öömrang Ferian und erklärt die nähere Bedeutung: „Wenn das Wasser kühler wird, ab September, verschwindet auch die Blaualge aus dem Meer, deren Gift durch die Miesmuscheln aufgenommen und an den Menschen weitergegeben wird. Schlimmstenfalls führt das zu einer Muschelvergiftung.“ Nun aber: Wasser kalt – Muscheln satt!

Ein schönes Fest gab es zum Auftakt: Alte Trecker von Föhr, schöne Trachtentänze, eine belebte Hüttmann-Wiese, immer wieder Livemusik vom Iren Steven Foley, der mit tiefer Stimme die großen Titel der Songgeschichte covert. Das Fest erinnert von Stimmung und Aufbau an die Lammtage-Eröffnung im Juni, nur hat man die Rechnung ohne die Königin gemacht. Es gibt eine Lamm- aber keine Muschelkönigin. Warum eigentlich nicht?

„Weil Muscheln sich vielleicht nicht regieren lassen wollen“, schlägt Naturschützer Chrobok vor und grinst. Peter Koßmann, Norddorfs Bürgermeister und Fest-Mitinitiator ist sofort bereit, im nächsten Jahr über die Wahl einer Königin nachzudenken. Der Mann verkauft den ganzen Tag erfolgreich seine Miesmuscheln, in denen Lose stecken. „1000 Muscheln! Haben wir im Winter bei einem Grog mit Losen gefüllt und sorgfältig wieder zusammengeklebt“, spinnt er lachend vor sich hin. 200 Gewinne sind drin. Muschelpfanne, ein Abend-Menü, ein großer Schinken (den später eine neunköpfige Familie gewinnen wird), Duschgel, Massagen und anderes Schönes. Einen Stand weiter wünschen sich Erik und Annika einen Muschelkönig mit einer Königin. Die beiden Lütten aus Aschaffenburg urlauben zum sechsten Mal auf der Insel und unterstützen dieses Jahr Elke Meyer vom Kinderprogramm der Amrum Touristik beim Fingerfilzpuppenmachen. Total stolz!

Jens Lübkemann, Chefkoch im Hotel „Hüttmann“, schwenkt den Tag über 150 Kilogramm Muscheln und nochmal so viel Muschelfleisch durch seine Pfannen. Mit Tomatensoße oder klassisch mit Weißwein. „Große Dinger, wir haben Glück, dass sie schon so gut sind“, sagt er.

Unter Gerta Thomas selbstgemachten Kunstwerken ist auch nichts Muschelköniginähnliches. Die Süddorferin, die früher als Beschäftigungstherapeutin bei der AOK arbeitete, strickt rund 100 paar Socken im Jahr, die sie dann auf Festen wie diesem verkauft. Und die Blumen, die in ihren Kränzen stecken, halten fast ewig, sagt sie. Kein Wunder, schließlich heißen sie auch Immortellen.

Achtung: Hauptgewinn! Punkt 13 Uhr war es soweit. Das große Los war raus aus Peter Koßmanns Muschel-Lose-Topf. Zwei Übernachtungen in seinem Haus mit allem Pipapo. Und gewonnen hat ... jemand, der es gar nicht fassen konnte: „Ich spiele seit zwanzig Jahren Fernsehlotterie und habe in meinem Leben noch nie irgendetwas gewonnen“, sagt Ulrike Fürniß aus Ahrensburg. Die 61-Jährige kann ihr Glück kaum fassen. Sie will ihre Schwester nächstes Jahr damit zum Geburtstag überraschen (zack, hiermit ist die Überraschung raus!). Vorher aber kommt sie noch ein paar Mal nach Amrum. Die Ex-Journalistin, die jetzt bei der Gewerkschaft Verdi die Frau für Medienpolitik ist, arbeitet nämlich ehrenamtlich beim Verein Jordsand und ist in den nächsten zwei Wochen Vogelwartin – bereits im zweiten Jahr. „Ich war mit zwei Jahren erstmals auf Amrum. Mit sieben Geschwistern haben wir direkt unter der Mühle gezeltet“, erzählt sie ganz inselbegeistert.

Zum Gewinnerfoto zieht es sie zum Nieblumer Andreas Johannsen und seinem Lanz Bulldog von 1957. Einer von 14 Treckern, die das Fest säumen. Fast an der Stelle stand vor ein paar Monaten die Lammkönigin. „Aber mit Königinnen hab ich nichts zu tun“, warnt Ulrike Fürniß.





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