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Insel-Bote

12. Dezember 2017 | 15:55 Uhr

Organspende : Ganz besondere Liebesgabe

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Neues Leben für Karin Büschker: Ihr wurde eine Niere ihres Lebensgefährten Hark Münster eingepflanzt.

shz.de von
erstellt am 21.Sep.2013 | 22:00 Uhr

„Harki ist jetzt immer bei mir.“ Karin Büschker strahlt. „Harki“, das ist ihr Lebensgefährte Hark Münster. Und der hat ihr das größte Geschenk gemacht, das man einem Menschen machen kann. Hark Münster hat seiner Karin eine Niere gespendet.

Seit 14 Jahren ist das Paar zusammen. Schon damals war klar, dass Karin Büschker, die an der Erbkrankheit „Familliäre Zystennieren“ (PKD) leidet, irgendwann einmal an der Dialyse hängen würde. Und schon damals war Hark Münster klar, dass er seiner Partnerin dieses Schicksal ersparen würde. Immer wieder sagte er zu ihr: „Wenn es soweit ist, Karin, kannst du meine Niere haben“.

Bereits ihr Vater, so berichtet Karin Büschker, litt an dieser Krankheit, bei der die Funktion der Nieren durch Zysten immer mehr eingeschränkt wird. Und auch ihre Schwestern und weitere Familienmitglieder sind an PKD erkrankt. „Meinem Vater wurden vor 40 Jahren beide Nieren entfernt, er war dann zehn Jahre an der Dialyse, bevor er ein Spenderorgan bekam, mit dem er dann aber nur noch ein halbes Jahr lebte“, hatte die Wykerin, die ursprünglich aus Rheine in Westfalen stammt, schon als junge Frau vor Augen, welches Schicksal ihr einmal blühen könnte. Sie war 30 Jahre alt, als auch bei ihr die Diagnose PKD gestellt wurde, konnte aber viele Jahre recht gut mit der Krankheit leben. „Ich musste auf meinen Blutdruck achten, viel trinken und einmal im Jahr zur Kontrolle zum Nierenspezialisten“, berichtet sie.

„Es heißt, die Nieren versagen in einem Alter zwischen 50 und 60 Jahren“, weiß die 60-Jährige. Und tatsächlich, einen ersten Einbruch erlebte sie vor drei Jahren, damals war eine Zyste geplatzt, Karin Büschker bekam hohes Fieber. Zwei Mal musste sie in jenem Jahr ins Krankenhaus. Seinerzeit Anlass für das Paar, die Schlachterei in der Johannesstraße zu schließen und sich zur Ruhe zu setzen. „Es war Saison, Karin im Krankenhaus und ich allein im Laden, da hatte ich keine Lust mehr“, berichtet Hark Münster.

Eine Zeit lang konnten die beiden unbeschwert ihren Ruhestand genießen, doch im Januar stiegen Karin Büschkers Nierenwerte plötzlich stark an, Wasser sammelte sich in ihrem Körper und auch ihre Ausdünstungen wiesen darauf hin, dass die Nieren nicht mehr arbeiten und sie langsam vergiftet wird. Die seit der Erkrankung des Vaters so gefürchtete Dialyse rückte in greifbare Nähe.

Erstmals sprach nun Hark Münster das, was zwischen den beiden schon lange klar war, auch beim Arzt, dem Niebüller Nephrologen Stefan Winzenhörlein, aus: „Ich werde Karin eine Niere spenden“. Der überwies Karin Büschker und Hark Münster an die Kieler Uni-Klinik, wo über Monate umfangreiche Voruntersuchungen gemacht wurden. Hark Münster wurde auf Herz und Nieren überprüft, „sämtliche Organe mussten gestestet werden und kerngesund sein“, berichtet er. Und das waren sie. „Ich habe ja auch immer solide gelebt, habe immer geraucht und immer getrunken.“ Der 59-Jährige Fleischermeister, der inzwischen tatasächlich auf einen gesunden Lebensstil umgeschaltet hat, grinst breit.

Anfang August war es dann soweit. Die Föhrer fuhren in die Kieler Uni-Klinik. Am nächsten Tag wurden beide operiert. Zunächst wurde Hark Münster eine seiner beiden Nieren entnommen. Anschließend war seine Frau an der Reihe. „Vor der Narkose habe ich noch erfahren, dass es Hark gut geht und er schon am Aufwachen ist“, konnte Karin Büschker beruhigt in ihre eigene Operation gehen, bei der eine ihrer kranken Nieren entfernt und das gesunde Organ ihre Mannes eingesetzt wurde.

„Ich war noch nie zuvor im Krankenhaus“, berichtet Hark Münster, dass nicht nur die Operation selbst für ihn eine völlig neue Erfahrung war. „Dass das Fernsehen dabei war, war interessant und hat abgelenkt“, meint er. Denn ein Team der NDR-Sendung „Visite“ hat die beiden Wyker begleitet, der Film über die Nierentransplantation wird am kommenden Dienstag, 24. September, um 20.15 Uhr im dritten Fernsehprogramm des NDR gezeigt.

Er sei mit seiner Geschichte an den NDR herangetreten, weil er wollte, dass nach den jüngsten Skandalen das Sinnvolle und Positive von Organspenden wieder in den Fokus rückt und sich wieder mehr Menschen bereit finden, einen Organspenderausweis bei sich zu tragen oder auch einem Angehörigen mit einer Lebendspende zu helfen, erklärt Hark Münster. „Und außerdem habe ich mir gedacht, dass sich die Ärzte vor laufender Kamera mehr Mühe geben.“ Nun grinst er noch viel breiter.

Mühe gegeben haben die Ärzte sich ganz offensichtlich, beide Patienten haben die Operationen gut überstanden. Geholfen hat ihnen dabei sicher auch die große Anteilnahme von vielen Insulanern und Inselgästen, für die sie sehr dankbar sind.

Karin Büschkers Körper hat sich gut mit der Spenderniere arrangiert. „Ich muss allerdings jetzt jeden Morgen 17 Pillen schlucken, das ist schon fast ein kleines Frühstück“, berichtet sie. Bäume kann Karin Büschker noch nicht ausreißen, sie muss wegen der Infektionsgefahr größere Menschenmengen meiden und regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen. Aber die neue Niere arbeitet, „und mein Kopf ist frei, es belastet nichts mehr, das ist ein ganz anderes Leben“. Und die Beziehung zu ihrem Hark, die sei seit der Transplantation noch viel intensiver geworden. „Ich hoffe, dass meine Niere bei Karin viele Jahre hält“, machen Hark Münster und Karin Büschker bereits Pläne für viele gemeinsame Aktivitäten in der Zeit, wenn sie sich wieder völlig erholt hat.

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