Wyker Fussgängerzone: : Gähnende Leere beim deutschen Endspiel

Wyk, Große Straße: Gestern kurz vor 16 Uhr ...
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Wyk, Große Straße: Gestern kurz vor 16 Uhr ...

Innenstadt bei der Partie Deutschland gegen Südkorea wie ausgestorben. In vielen Firmen verfolgen die Mitarbeiter die Partie „nebenher“ per Livestream.

shz.de von
28. Juni 2018, 08:30 Uhr

„Ich bin froh, dass ich mir das Elend nicht ansehen muss.“ Stefan Peetz, eigentlich bekennender Fußballfan, stand gestern Nachmittag – die zweite Halbzeit des Spiels Deutschland gegen Südkorea war knapp zur Hälfte geschafft – hinter der Theke seines Wyker Spielzeugladens und hoffte angesichts der bisherigen Leistungen der deutschen Elf und der gähnenden Leere in der Wyker Innenstadt nur, „dass die rausfliegen“. Man könne ja sehen, „wie geschäftsschädigend die WM ist“.

Da hatten andere Insulaner noch einen Funken Hoffnung, dass das deutsche Team das Ruder doch im letzten Moment herumreißen würde. Einige Fußballfans hatten sich eigens für das „Schicksalsspiel“ frei genommen oder früher Feierabend gemacht. So in Alkersum, im Museum Kunst der Westküste. „Unsere Männer sind beide nach Hause gegangen, dabei hätten wir mit dem Aufbau der neuen Ausstellung noch so viel zu tun“, berichtete Museumssprecherin Christiane Morsbach, um dann zu bekennen, dass sie selbst eigentlich auch lieber das Spiel verfolgen würde.

In anderen Betrieben wurde normal weitergearbeitet. So bei der Wyker Dampfschiffs-Reederei. Und auch im Autohaus Föhr wurde wie immer an den Autos geschraubt. Immerhin durfte die Übertragung des entscheidenden Vorrundenspiels für die deutsche Elf per Live-Stream verfolgt werden und die Mitarbeiter konnten ab und an einen Blick auf den Bildschirm werfen. Ähnlich war es bei der Föhr Tourismus GmbH. Hier konnten sich Fußballfans frei nehmen, allerdings auf eigene Kosten. Die Möglichkeit, das Spiel per Live-Stream oder im Rundfunk zu verfolgen, bestand auch hier.

Ganz normal gearbeitet wurde auch im Elektrogeschäft Boetius in der Großen Straße in Wyk. Allerdings war hier die Belegeschaft eindeutig im Vorteil. Sämtliche Fernsehgeräte im kundenleeren Verkaufsraum zeigten ab 16 Uhr nur noch ein Programm: die Live-Übertragung aus Kasan.

Gearbeitet wurde auch beim Wasserbeschaffungsverband in Wrixum – allerdings ohne Fernseher. Hier war für gestern Nachmittag „keine Sonderorganisation erforderlich“, wie Geschäftsführer Hark Ketelsen formulierte. Niemand aus der Belegschaft habe nachgefragt, ob er früher nach Hause gehen dürfe. Und die Frage des gemeinsamen Schauens im Betrieb stellte sich für die Außendienstmitarbeiter ohnehin nicht.

Über „Sonderorganisation“ wegen fußballverrückter Mitarbeiter müssen sich die Chefs Föhrer Betriebe nun für den Rest der Fußballweltmeisterschaft in Russland keine Gedanken mehr machen. Für Deutschland war die „Mission Titelverteidigung“ gestern kurz vor 18 Uhr gelaufen – und langsam kehrte das Leben in die Wyker Fußgängerzone zurück.

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