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Baden anno dazumal (3) : Für Fotografen und Junggesellen verboten

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ein Rückblick auf die Bademoden in den vergangenen 125 Jahren: Christlische Hüter der Moral sorgten auf Amrum noch lange für eine Geschlechtertrennung am Strand.

Eben nach 1900 lockerten sich die von Prüderie und Moral bestimmten Baderegeln an der Nordsee. In Wyk und Westerland wurden in den Jahren 1901/02 zu den weiterhin bestehenden Damen- und Herrenstränden Familienbäder eingerichtet, wo Ehepaare zusammen mit ihren Kindern baden konnten.

Aber es gab doch noch etliche Widerstände gegen diese „lockeren Sitten“. Beispielsweise befassten sich die Synodalen auf einer Synode in Stettin mit dieser neuen Erscheinung und gaben ihrer Entrüstung Ausdruck. Aber die „Sylter Zeitung“ beobachtete nach Eröffnung des dortigen Familienbades „ein munteres Leben und Treiben in tadelloser Ordnung, so dass viele fragten, warum es diese Einrichtung nicht schon früher gegeben habe“.

Am Wittdüner Strand wurde das Familienbad „unter strengster Aufsicht“ im Jahre 1903 eingerichtet. Aber in Norddorf leisteten einige hochrangige Gäste in den christlichen Seehospizen energischen Widerstand und drohten mit der Abreise, falls man sich im Seehospiz „diese schamlose Unsitte gefallen lasse“. Der Damm wurde dann durch einen frechen Regierungsrat aus Kassel gebrochen, der sich von Frau und Kindern nicht mehr trennen lassen wollte, sondern mit denselben einfach in die Brandung sprang. Da schrieb man aber schon das Jahr 1925. Und trotzdem gab es einen Riesenaufstand in der Norddorfer Gästeschar.

Das separate Damenbad blieb dann auch noch bis 1938 bestehen. Und wenn die Damen Badezeit hatten, wurde eine Fahne hochgezogen und der Badewärter Broder Jensen – ein alt gewordener früherer Kapitän der Zwischenlinie Norddorf-Hörnum mit Anschluss an die HAPAG-Dampfer von Hamburg – eilte am Dünenwall hin und her, um zu verhindern, dass vielleicht mittels Spektiv ein unzüchtiger Blick auf das Treiben in der Brandung des Damen-Badestrandes geworfen würde. Aber dort gab es nichts zu sehen, weil trachtenähnliche Badeanzüge alle Weiblichkeit verhüllten.

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