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Föhrer im Ersten Weltkrieg : Für das Vaterland gefallen in der Hölle von Verdun

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Wyker Hans Friedrich Jans starb bei sinnlosen Angriffen auf überlegene Franzosen. Die Kämpfe forderten auf wenigen Quadratkilometern Hunderttausende Opfer.

Nach den Erinnerungen des Wykers Karl Matthiesen (1899-1981) muss es um das Jahr 1910 gewesen sein, als der Lehrer Karl Steffens (1874-1920) mit seiner Klasse einen Ausflug zum Hafen unternahm. Dort lag der Postdampfer „von Thielen“ an der Mole und „schull afleegen, de ganze Damperbesatzung wink uns to, dor weer Peter Schröder …“ Auch John Doorentz aus Wyk erinnert sich an Peter Schröder: „Er hat noch in seinen älteren Jahren viele Keramiksachen, zur Hauptsache Andenkenstücke, geflickt.“

1911 heiratete die Tochter des bekannten Fahrensmanns, Elise, den aus Garding stammenden Maurer Hans Friedrich Jans (1884-1916). Sie hatten drei Töchter miteinander: Anneliese, Elfriede und Petra. Nur fünf Jahre dauerte die Ehe des jungen Paares, dann fiel Hans Friedrich Jans am 15. März 1916 in den Kämpfen um Verdun. Dort waren am 21. Februar 1916 mit dem Beginn des deutschen Angriffs zum ersten Mal Flammenwerfer eingesetzt worden. Schon im März war klar, dass die Franzosen den Deutschen weit überlegen waren. Generalstabschef Erich von Falkenhayn (1861-1922) kamen zum ersten Mal Zweifel, ob es gelingen konnte, „das französische Heer hier auszubluten“. Trotzdem wurden die sinnlosen Angriffe noch monatelang fortgesetzt.

In der „Hölle von Verdun“ musste auch Hans Friedrich Jans sein Leben für das Vaterland opfern. Ob er überhaupt und wenn, dann wo beerdigt wurde, ist im Gegensatz zu manchen anderen Gefallenen im Kirchenregister nicht vermerkt. Am 30. April 1916 wurde für den gefallenen jungen Ehemann und Vater in der St.-Nicolai-Kirche eine Gedächtnisrede gehalten.

Damit gehörte Elise Jans zu den vielen, vielen Kriegerwitwen in Deutschland, die oft in bitterster Armut lebten. Elises Rettung war das Elternhaus in der Süderstraße 32, in dem sie mit ihren drei Töchtern wohl ein Zuhause fand. Noch vor dem Tod ihrer Eltern wurde ihr das kleine Häuschen an der nördlichen Ecke Bade- und Süderstraße überschrieben. Bis in dieses Jahrhundert hinein lebte dann ihre Tochter, die Krankenschwester Anneliese Jans, dort, an die sich viele noch gut erinnern.


Und was geschieht auf den Inseln?


Christina Martens (1902-1982) erzählt: „Nach der Schulentlassung 1916 durfte kein Tanzvergnügen abgehalten werden, da in vielen Familien Trauer um einen gefallenen Soldaten oder Angst um den an der Front kämpfenden war.“

Aus der Midlumer Schulchronik: „Im Winter 1915/16 wurde in der Schule fleißig gestrickt, Dienstag und Freitag Strickabende mit 20 jungen Mädchen des Dorfes. Das Geld für das Garn gesammelt: 350 Mark.“

Aus der Alkersumer Chronik: „Im Laufe des Winters 6 Volksunterhaltungsabende, stets gut besucht. Eintritt 50 Pf. Der Überschuß an das Rote Kreuz und das Hilfslazarett Ihringen bei Breisach (Leitung Dr. Häberlin) überwiesen.“

Auf dem Oldsumer Spielplatz wurde 1916 eine Tirpitz-Ulme gepflanzt, benannt nach Großadmiral Alfred von Tirpitz (1849-1930), der Deutschland nach Großbritannien zur zweitstärksten Seemacht aufsteigen ließ. Unüberwindliche Gegensätze zu Regierungskreisen veranlassten ihn noch 1916, seinen Abschied zu nehmen.

Zu den drei von Amrum stammenden angehenden Lehrern, die sich bei Kriegsausbruch 1914 nach einem Notexamen am Seminar in Tondern freiwillig meldeten und alle fielen, gehörte Tücke Martinen (1894-1916) aus Süddorf. Er soll am 29. Februar 1916 durch einen Kopfschuss in der Champagne gefallen und in St. Etienne beerdigt worden sein. Ende 1915 war es an der Front in der Champagne noch recht ruhig gewesen, trotzdem gab es viel zu tun. Ein Arzt erinnert sich: „Ich komme zu einem armen Teufel, der mit total zertrümmertem Bein auf der Straße liegt. Ich binde ihn schnell ab und amputiere mit einem Taschenmesser. Beim Zweiten ist die halbe linke Brustwand herausgerissen, so dass das Herz frei in der Wunde pulsiert. Er starb auf dem Transport.“

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