Störche auf Föhr : Fünffaches Babyglück im Mühlenpark

Prozedur überstanden: Wie an einer Kette aufgereiht legte Jörg Heyna die Tierkinder zurück ins Nest.
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Prozedur überstanden: Wie an einer Kette aufgereiht legte Jörg Heyna die Tierkinder zurück ins Nest.

Reicher Kindersegen: Das gute Wetter im Frühjahr war für die Jungenaufzucht ideal.

shz.de von
24. Juni 2018, 10:00 Uhr

„Dies war ein gutes Jahr für Störche.“ Jörg Heyna ist zufrieden. Der ehrenamtliche Weißstorch-Gebietsbetreuer für Nordfriesland ist zur Zeit im Kreis unterwegs, um den Nachwuchs, kurz bevor dieser flügge wird, zu beringen. Zwölf kleine Klappertiere hat er in diesem Jahr in Wyk mit diesem „Fußschmuck“ ausgestattet, der die Tiere nicht weiter behelligt, durch den sie aber identifiziert werden können, wo immer sie auch auftauchen mögen.

Das ungewöhnlich warme und trockene Frühjahr war für die Aufzucht der Jungstörche offensichtlich sehr günstig – im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als es auf dem Festland nach sehr heftigen Regenfällen zahlreiche Todesfälle beim Storchen-Nachwuchs gab.

Seit Jahren bemüht sich Dieter Risse, die Langbeine auf Föhr wieder heimisch werden zu lassen, und ein Storchenpaar beschloss vor über zehn Jahren, sich vom zugewiesenen Platz zu emanzipieren und baute sein Nest auf einem Dach beim Wyker Park an der Mühle. Die Tiere waren dort aber nicht wohl gelitten, sorgten sie doch für einigen Schmutz auf dem Dach. Das brachte die Wykerin Renate Sieck auf den Plan, die es mit viel Elan und Durchsetzungskraft schaffte, dass in Wyk, Boldixum und Alkersum stabile Masten für Storchennester errichtet wurden. Außerdem wurden auf der Rüm-Hart-Schule zwei Nester installiert, die mit Hilfe einer Webcam Einblick ins Storchenleben ermöglichen.

Doch wie im wirklichen Leben geht es auch bei Storchens nicht immer friedlich und glücklich zu. Das Nest beim Wellenbad wird zwar regelmäßig bewohnt, doch war dem Paar bisher kein einziges Mal Babyglück beschert. Auf dem Dach der Rüm-Hart-Schule gab es nach anfänglichen Bruterfolgen Ärger. Hier stritten sich Störche heftig um das Wohnrecht – mit dem Ergebnis, dass in diesem Jahr gar kein Adebar dort Einzug hielt. Auch in Boldixum und Alkersum wurde kein Vogel gesichtet, dabei hatten ihnen hier sogar Plastikstörche den Weg zum Nistplatz gewiesen. So sind in diesem Jahr lediglich im Nest im Park an der Mühle junge Störche in freier Wildbahn aus den Eiern geschlüpft.

Dass diese Vögel überhaupt auf Föhr wieder heimisch geworden sind, liegt wohl daran, dass sie hier gefüttert werden. Denn die Insel ist nach Überzeugung von Fachmann Jörg Heyna auf Grund ihrer Struktur nicht geeignet, Störche unabhängig von menschlicher Unterstützung existieren zu lassen.

Als Weißstorch-Gebietsbetreuer darf man nicht ängstlich oder zimperlich sein. Mit Hilfe eines Hubsteigers gelangte Heyna in luftiger Höhe zum Storchennest im Mühlenpark, wo sich fünf propere Storchenküken sofort tot stellten. „Dieses Totstellen ist ein ganz normales Verhalten der Kleinen bei Gefahr“, berichtet Heyna, der in aller Ruhe ein Storchenkind nach dem anderen beringte. Dabei ging es nicht ganz ohne Blessur ab, als einer der jungen Adebare zu einem Schnabelhieb ansetzte. Während der Beringungsprozedur blieb das Elternpaar in der Nähe des Nestes und machte auf einem Dach Station, dessen Giebel durch Metallspitzen vor den gefiederten Besuchern geschützt werden soll. Dieser „Schutz“ ist nach Heynas Überzeugung absolut kontraproduktiv. Einerseits könnten sich die Vögel an dem Metall verletzten und andererseits kann es auch passieren, dass sich Nistmaterial in den Spitzen verfängt und zur Grundlage eines Nestbaus wird.

Störche können, wie von Heyna zu erfahren ist, durchaus bis zu neun Eier legen, dass aber fünf Küken ausgebrütet und großgezogen werden, sei schon etwas Besonderes. Auch in Dieter Risses Gehege waren die Störche nicht untätig. Dort sind von drei Brutpaaren insgesamt sieben kleine Störche ausgebrütet und durch das Gröbste gebracht worden.

Jörg Heyna hofft nun, dass nach dem Tod des Storches Romeo, der „Platzhirsch“ auf dem Schuldach und so eine Art Patriarch für die ganze Population war, neue Strukturen entstehen können. Er vergleicht dies mit der Situation, wenn zwei Ehepaare befreundet waren, und einer der Partner stirbt. „Die Beziehungen verschieben sich bei Menschen und auch bei Tieren, und sie müssen erst wieder in neuen Bahnen kommen, damit wieder Ruhe einkehrt.“

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