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Insel-Bote

18. August 2017 | 02:01 Uhr

Treuer Gast : Frühstück für viele

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Annemargret Kölln feierte auf Amrum ihren 90. Geburtstag. Seit 70 Jahren urlaubt sie regelmäßig auf der Insel.

Es ist ja eher selten, dass man bei fremden Menschen spontan in die Geburtstagsrunde platzt und dann gleich drei Stunden bleiben darf. Aber wo Geschichten aus 70 Jahren Amrum zu erzählen sind, da bleibt man doch gern sitzen. Mit „Nein Mutter, ihr fahrt heute nicht nach Föhr ins Museum, der Wind ist zu stark“, hatte Tochter Meike versucht, ihre Mutter Annemargret Kölln am Morgen ihres 90. Geburtstages zum Bleiben zu bewegen, schließlich war Überraschung geplant. Die klappte vortrefflich. Pünktlich zum Frühstück klingelte es, und Sohn und Schwiegertochter, eigentlich in Dänemark segeln, standen vor der Tür. „Dabei hatte ich gerade im Handy gesehen, dass ihr Schiff in Aalborg liegt“, sagt Harmen Kölln und lacht seine Frau an. Das Ehepaar macht seit 70 Jahren regelmäßig auf Amrum Urlaub. Mit ihren E-Bikes fahren beide bei Wind und Wetter jeden Tag an den Strand. Baden gehört zu ihrem täglichen Sportprogramm. „Wir glauben daran, dass uns das immer über den Winter bringt“, sagte Annemargret Kölln, fröhlich lachend.

Ihre Eltern hatten 1947 ein Haus in der Westerheide gekauft, wo Annemargret mit sechs Geschwistern urlaubte und später mit ihrem Mann und den drei eigenen Kindern. Phantastisch sei das gewesen, sagt Sohn Harmen, „wochenlanges Abenteuer“. Gemeinsam hielt man am Strand von Nebel die Hoheit über das ziemlich luxuriöse, aufgeständerte „Strandhaus“, dessen Größe (acht mal acht Meter) und Ausstattung (Fiberglaswände) manchen Besucher an der Wasserkante staunend zurück ließ, ehe es 1980 dem Sturm erlag.

Die Jubilarin hatte Amrum noch mit der Inselbahn kennengelernt. „Die lag in der Kurve vor der Satteldüne immer ganz schräg“ erinnert sich die alte Dame. „Mein Bruder stieg aus und pflückte Blumen.“ In der Heilstätte Satteldüne hatte Annemargret Kölln 1948 für ein halbes Jahr als Kindergärtnerin gearbeitet, da wurden im den Haus mit den schönen vorgebauten Veranden zum großen Teil tuberkulosekranke Flüchtlinge unterrichtet. „Es gab auf Etage für 20 Kinder eine Toilette“, erzählt sie. „Die Kinder wurden im Bett gewaschen und ihre kleinen Blechbecher in einem großen Kessel ausgekocht.“ Säckeweise Krabben haben sie an machen Tagen puhlen müssen. Es kamen auch viele Spenden aus Schweden, erinnert sich die alte Dame. Gewohnt habe sie in einer Baracke hinter der Heilanstalt, in einem Zimmer zu viert. „Mit Plumpsklo“, sagt sie und lacht.

Ehemann Harmen erinnert sich an die Verfrachtung auf den ersten Autofähren, die zur Insel fuhren. „Die wenigen Wagen, die da drauf passten, wurden mit Hauruck-Rufen über die Kanten gehievt“, sagt der 89-Jährige. „Und neben den Autos standen die Kühe.“ Das harmonische Miteinander von Blech und Tier kannte auch Lars Rickerts aus alten Inselgeschichten. Der Mitarbeiter der Amrum-Touristik war mit der goldenen Jubiläumsnadel für überbordende Amrumtreue (in diesem Fall 70 Jahre) ebenfalls ganz spontan zur Kaffeerunde gestoßen.

Alle erinnerten noch die blauen Busse mit dem weißen Dach, die auf Amrum einen Namen hatten („Seehund“, „Seelöwe“), genau so wie der Busfahrer, den die Köllns familienintern „Segelohr“ nannten. Den Antrittsbesuch, den Herr Kölln seiner Frau Ende der 1940-er Jahre auf Amrum machte, bestritt er übrigens in einem geliehenen Pullover. „Ich hatte damals nicht viel Geld, und eine Amrumer Bekannte half aus“, sagt er, der der Leihgeberin immer verbunden blieb.

Eine große amruminfizierte Familie also. „Für uns ist die Insel Stresslöser“, sagt Tochter Meike Reuter. „Freitags hin und sonntags zurück, das machen wir öfter“, ergänzt ihr Mann Klaus. Sohn Harmen und Frau Andrea haben sogar auf dem Leuchtturm geheiratet. „Und dann mit Tadsens „Eilun“ aufs Meer und mit den „Seeblickern“ an den Strand. „Es war ein toller Hochzeitstag“, sagen beide.

Man urlaubt seit vielen Jahren bei Maria Behder in Nebel. Auch hier steht nächstes Jahr ein 90. Geburtstag an. Behder, die aus Norddorf stammt und für Kurz in den 1950-er Jahren in Amerika war, hält Gastfreundschaft ganz hoch. Sie war es nämlich, die das alles initiierte. „Also, dass der Geburtstag meiner Frau solche Wellen geschlagen hat, freut uns wirklich“, sagt Harmen Kölln, der nächste Woche auch 90 wird, zum Abschied.



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