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Der Erste Weltkrieg : Früher Tod nach einem Granatschuss

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Landsturmmann Richard Possehl wurde nicht einmal 40 Jahre alt. Lange Jahre erinnerte das Haus „Possehl“ an den Gefallenen.

Die Geschichte, die hier erzählt werden soll, beginnt im vorletzten Jahrhundert. 1877 kommt in einem Ort Mecklenburgs Richard Possehl zur Welt, mit dessen Namen bis zum Abbruch 1996 das „Haus Possehl“ am Sandwall 20 verbunden bleibt.

Drei Jahre nach der Geburt von Richard Possehl wird im fernen Wyk auf Föhr der aus Aalborg stammende Tischlermeister und Vermieter von Strandzelten, Friedrich Wilhelm Cortzen, mit Hilfe seines Schwiegervaters, des Wyker Müllers Karsten Broder Andresen, Eigentümer des Hauses Sandwall 20. Seine Frau Caroline ist die Schwester von Emil Andresen, dessen Frau wiederum die bekannte Inseldichterin Stine Andresen war.

Von Caroline und Friedrich Wilhelm Cortzens sieben Kindern heiraten zwei Töchter in die Wyker Familie Bohn ein, Emilie heiratet Franz Köhn, der 1921 an den Folgen seiner Kriegsverletzungen sterben wird, und Caroline heiratet 1907 den Maurermeister Richard Possehl aus Mecklenburg. Uwe Zacchi schreibt 1996 über die nun folgenden Jahre im „Insel-Boten“: „Das Haus erwies sich als zu klein, um mit den Einnahmen ein Jahr leben zu können. In den Jahren 1908 und 1910 wurde darum das Haus errichtet, das jetzt noch steht“. 1996 wurde es zugunsten eines Neubaus abgebrochen. Im Jahr zuvor war Mariechen Sierk, geborene Possehl, gestorben. Neben Frieda und Johanna/ Hannchen ist sie eine der Töchter von Caroline und Richard Possehl.

Mariechen ist zehn Jahre alt, als ihr Vater Richard Possehl im Juli 1917 „bei Überbringung eines Befehls durch einen Granatschuß“ getötet wird. Der Landsturmmann im Landwehr-Regiment 85 wird nicht einmal 40 Jahre alt. „In tiefem Schmerz um den uns so früh Entrissenen“ gibt Caroline Possehl in der „Föhrer Zeitung“ die „tieftraurige Nachricht“ vom Tod ihres Mannes bekannt. Im September 1917 wird für Richard Possehl in der St.-Nicolai-Kirche eine Gedenkrede gehalten. Sechs Jahre später veranstaltet die Wyker Feuerwehr für ihre vermissten oder gefallenen Kameraden, zu denen auch Richard Possehl gehört, eine Gedenkfeier.

Bis 1940 führt die Witwe Caroline Possehl das Haus am Sandwall. Sie baut 1919 die für das „Haus Possehl“ so typischen Veranden an und vermietet später einen Teil ihres Hauses, in dem sich zunächst „Der grüne Heinrich“, ein Schokoladengeschäft, später ein Fotoladen und dann „bu-bu“ von Hans und Gertrud Hildebrandt befinden. Ihr Nachfolger Jürgen Huß zieht 1996 beim Abbruch mit seinen Büchern einige Häuser weiter nördlich und führt „bu-bu“ nun schon seit zirka 20 Jahren im neuen Haus Sandwall 20.

1940 übernehmen Caroline und Richard Possehls Tochter Mariechen und der Schwiegersohn Max Sierck das Haus. Auf einem Grabstein des Friedhofs St. Nicolai sind ihre Namen vereint. Und darunter steht: „Zum Gedenken an Richard Possehl“ (1877-1917). Ein Jahr später, am 3. August 1918, fällt Richard Possehls Bruder Hugo, angestellt im Nordsee-Sanatroium, auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs.


Und was geschieht auf den Inseln?


Der Mangel ist im vierten Kriegsjahr allgegenwärtig. Seit Juni 1917 werden wegen Metallmangels der Armee Kirchenglocken zum Einschmelzen requiriert. Auch die von der Boldixumerin Göntje Jansen gestiftete, 13 Zentner schwere Glocke von St. Nicolai, die zum ersten Mal am Palmsonntag 1914 geläutet hatte, muss als wertvoller Rohstoff abgeliefert werden. Wo Göntje Jansens Glocke ihr Ende fand, konnte nie ermittelt werden. Ein unbekannter Soldat schreibt: „Nun geht es wohl bald aufs Ende zu! Wird wohl noch nicht passiert sein, solange die Christenheit besteht, daß die Kirchenglocken zum Kriegführen Verwendung finden und um Tausende und Hunderttausende blühender Menschenleben zu vernichten.“

Richard Meyer (geb. 1892) aus Nebel stirbt am 12. Juli 1917 im Marine-Lazarett in Hamburg-Veddel. Er fuhr als Steuermann auf verschiedenen U-Booten. Bei Ausbruch des Krieges im August 1914 diente er auf SMS „Kaiser“ und könnte zumindest für kurze Zeit unter dem ersten Prisenoffizier, dem Wyker Hans Julius Volquardsen, gefahren sein, der 1916 auf der SMS „Kaiser“ an der Skagerak-Schlacht teilnahm.

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