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Farbspektakel am Wyker Strand: : Fröhliches Fest oder Umweltfrevel?

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

An der für Sonnabend geplanten Holi-Beach-Tour scheiden sich die Geister.

von
erstellt am 28.Jul.2017 | 12:30 Uhr

„Uns wurde die Aufgabe gestellt, was für Jugendliche und junge Erwachsene zu machen, weil die auf der Insel so arm dran sind und nichts zu tun haben“, berichtet Andreas Miler, Veranstaltungsleiter der Wyk auf Föhr Touristik GmbH (WTG). Von seiner Norderneyer Kollegin habe er dann den Tipp für die „Holi Beach Tour“ bekommen, das Farbbeutel schmeißen am Strand, das morgen Nachmittag vor dem Wellenbad stattfinden soll.

Eine Veranstaltung, für die Miler, obwohl er bereits im Oktober mit den Vorbereitungen begonnen hat, erst vor zwei Wochen die notwendigen Genehmigungen erhielt, und die nicht nur auf Zustimmung, sondern vielfach auch auf Unverständnis und Kritik stößt. Auch auf der Facebook-Seite des Inselboten (www.facebook.com/inselbote) wird das Thema diskutiert. „Es kommt mir so fake vor, ein indisches traditionelles Fest an den Föhrer Strand zu verlegen“, lautet etwa der Kommentar von Hellen Fatherley. „So was gehört auf den Ballermann oder so, aber nicht auf so eine ruhige, beschauliche Insel,“ meint Sanne Meyer an gleicher Stelle, während Thomas Lippold das Ganze gelassen sieht: „Warum nicht am Föhrer Strand? Wird ja keiner gezwungen mitzumachen. Den jungen Leuten scheint’s Spaß zu machen und das bisschen Farbe ... da gibt es anderen Dreck über den man sich aufregen kann.“ Und Tim Jessen freut sich: „Endlich was für die Jugendlichen“.

Zu den Kritikern der Veranstaltung gehört auch der Föhrer Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dessen Mitarbeiterin Angela Ottmann auf Gesundheitsrisiken für die Festbesucher und auf Umweltbelastungen hinweist. Das Farbpulver, das aus eingefärbter Maisstärke besteht, enthalte nach Aussage des Bundesumweltamtes (UBA) bis zu 70 Prozent Feinstaub, berichtet Ottmann. Daher empfehle das UBA Menschen mit Allergien wie zum Beispiel Asthma, solche Veranstaltungen nicht zu besuchen. „Asthmatiker sollten sich möglichst nicht direkt in der Pulverwolke aufhalten – und wenn, bitte nur mit Mundschutz“, empfiehlt übrigens auch die austragende Eventagentur auf ihrer Internetseite.

Doch nicht nur der Feinstaub beschäftigt die Föhrer BUND-Mitarbeiterin, auch der Plastikmüll, der bei dieser Veranstaltung erzeugt wird, ist ihr ein Dorn im Auge. Ottmann geht davon aus, dass am Sonnabend vor dem Wellenbad mehrere Tausend Plastiktüten mit Farbpulver verbraucht werden.

„Wir erzeugen auf der Insel keinen Müll“, betont dagegen Andreas Miler. Es würden extra sechs Mitarbeiter der Agentur nur für den Abfall abgestellt. „Sofort, wenn die Farbbeutel geworfen wurden, werden die dann eingesammelt und vom Veranstalter wieder mit aufs Festland genommen, die werden noch nicht mal hier entsorgt“, sieht Miler kein Müll-Problem.

Mit dem Föhr-Amrumer Ordnungsamt, der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises und dem Nationalparkamt waren drei Behörden am Genehmigungsverfahren für das Spektakel beteiligt, die von der WTG unter anderem ein Gutachten über die Vereinbarkeit der Veranstaltung mit Naturschutzrichtlinien forderten, das von einem Flensburger Büro erstellt worden ist. Dabei ging es laut Miler nicht nur um die Erreichbarkeit des Veranstaltungsgeländes und die Ausstattung mit Wasser, Duschen und Toiletten, sondern auch um die Beschaffenheit des Farbpulvers. „Wir brauchten für die Farbe Zertifikate“, so Miler. Streng genommen sei das Lebensmittelfarbe, da bestehe nicht die geringste Gefahr für Menschen und Natur, ist er überzeugt: „Diese Farbe kann man sogar essen.“ Außerdem gebe es strenge Auflagen, so müssten Ordner darauf achten, dass die Festbesucher nicht in der Nordsee baden. „Diese Veranstaltung macht eine Firma mit uns, die das schon an anderen Küstenorten gemacht hat“, geht Miler davon aus, dass es keine Probleme geben wird.

Doch nicht nur Angela Ottmann ist da kritisch. „Wir haben im Genehmigungsverfahren erhebliche Bedenken angemeldet“, berichtete gestern der Föhr-Amrumer Ordnungsamtsleiter Jörg Michelsen, „denn auch wenn die Farbe biologisch abbaubar ist, ist das ein Stoff, der nicht hierher gehört“. Doch die beiden anderen Behörden seien zu dem Schluss gekommen, dass die Farbe nicht schädlich sei und der Antragsteller habe alle Auflagen erfüllt. „So war das aus unserer Sicht nicht zu verhindern“, erklärt Michelsen.

Beworben wird die Holi-Beach-Tour von der für das Föhrer Marketing zuständigen Föhr Tourismus GmbH (FTG). Ottmann weist darauf hin, dass diese als Nationalparkpartner für eine nachhaltige touristische Entwicklung werbe und zudem ein aktiver Netzwerkpartner der BUND-Initiative „Plastikfrei wird Trend“ sei, die sich unter anderem für die Reduktion des Plastikmülleintrags in die Nordsee einsetzt. „Nachhaltiges Handeln und sorgsamer Umgang mit Ressourcen in unserer besonderen Naturlandschaft sollte beim Auswählen von Veranstaltungen in Zukunft eine größere Rolle einnehmen, damit die Glaubwürdigkeit des Föhr-Marketings sich nicht verliert“, meint Ottmann. Auch Ann-Kathrin Meyerhof von der FTG-Marketingabteilung räumt ein, dass solche Veranstaltungen auf einer im Weltnaturerbe Wattenmeer gelegenen Insel immer eine „Gratwanderung“ seien. Doch das sei beim Red-Bull-Triathlon, bei Föhr on Fire und selbst bei den Beachpartys am Strand auch nicht anders. „Da muss man immer abwägen“, so Meyerhof.

Von 13 bis 22 Uhr sollen morgen am Strand vor dem Wellenbad stündlich die Farbbeutel in die Luft geworfen werden. Miler rechnet bis 800 bis 1000 Besuchern – wenn es denn so viele werden. Denn deutsche und dänische Wetterdienste verheißen übereinstimmend nichts Gutes: Regen, stürmische Böen und Temperaturen deutlich unter 20 Grad lautet die wenig einladende Prognose.

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