Föhr : Friesen zu Gast im „Ländle“

Zeigt das  Leben auf den Inseln: Die „Halligstube“ von Jacob E. Alberts.
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Zeigt das Leben auf den Inseln: Die „Halligstube“ von Jacob E. Alberts.

Für eine Ausstellung erhielt die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen elf Werke aus dem Alkersumer Museum Kunst der Westküste. Sie hängen dort noch bis zum 8. Juli.

shz.de von
26. Juni 2018, 18:30 Uhr

Die Sammlung des Museums Kunst der Westküste (MKDW) ist auch überregional von Bedeutung. Immer wieder gehen Werke aus Alkersumer Beständen auf große Fahrt, um als Leihgaben in Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt zu werden. Diesen Werken widmen sich Gastbeiträge des MKDW. Heute berichtet Ulrike Ide, wissenschaftliche Volontärin am Alkersumer Museum, über Föhrer Bilder in einer Ausstellung in Baden-Württemberg.

Elf Werke aus dem Bestand des Museums Kunst der Westküste gingen auf Fahrt nach Bietigheim-Bissingen. In der dortigen Städtischen Galerie wird noch bis zum 8. Juli die Ausstellung „Im Bann der Nordsee. Die norddeutsche Landschaft seit 1900“ gezeigt. Als Leihgaben aus Alkersum mit dabei sind Ölgemälde, wie die „Halligstube“ (1894) von Jacob E. Alberts und die lichtdurchflutete „Friesische Stube“ (1906) von Otto Heinrich Engel.

Mit viel Herzblut organisierte die gebürtige Ostfriesin und stellvertretende Leiterin der Galerie, Petra Lanfermann, die Ausstellung im Süden Deutschlands. Sie verwirklicht damit ihren lange gehegten Traum, Werke friesischer Künstler und Künstlerinnen und jener, die zur Inspiration oft und gerne an die Nordsee kommen und kamen, zu zeigen. Von der Idee bis zur Eröffnung vergingen zwei Jahre. Die Schau musste konzipiert, eine Bildauswahl getroffen und Leihanfragen an norddeutsche Museen, zeitgenössische Künstler sowie private Leihgeber gestellt werden. Neben dem Museum Kunst der Westküste entlieh unter anderem das Ostfriesische Landesmuseum Emden zahlreiche Werke.

Welche Leihgaben des Föhrer Museums gingen außer den genannten Gemälden von Engel und Alberts nach Bietigheim-Bissingen? Ausgestellt sind einerseits Werke einheimischer Künstler, die die Landschaft und den Alltag der Menschen Nordfrieslands kannten und eindringlich zu schildern vermochten. Zu ihnen zählt der in Westerschnatebüll geborene Hans Peter Feddersen (1848–1941). Seine „Kartoffelsammlerin“ (1902) sortiert im gleißendem Sonnenlicht auf Knien hockend mühselig Kartoffeln in ihre ausgebreitete Schürze. Ein anderes Gemälde des mit Land und Leuten eng verbundenen Künstlers lässt die Ausstellungsbesucher die klirrende Kälte und den eisigen Wind eines „Winterabends bei Deezbüll“ (1904) erahnen. Ganz andere Eindrücke der nordfriesischen Landschaft liefern farbintensive Aquarelle des Expressionisten Emil Nolde (1867–1956). So taucht zum Beispiel ein über roten Backsteinhäusern und saftig-grünen Wiesen wabernder gelb, blau-violetter Wolkendunst die nordfriesische Landschaft in ein mystisches Licht. Das Gemälde „Wattenmeer bei Wyk“ des rheinländischen Malers Max Clarenbach (1880-1952) bietet hingegen einen beruhigten Blick auf die Inselwelt.

Die Eilande Föhr, Sylt, Amrum sowie die umliegenden Halligen waren Sehnsuchtsorte vieler reisender Maler aus dem ganzen Land. Eugen Felix Bracht (1842–1921), Alf Bachmann (1863–1956), Johann Cissarz (1873–1952) und Paul Lehmann-Brauns (1885–1970) entführen in die beeindruckende Weite der einzigartigen Landschaften Nordfrieslands.


Weitere Informationen zu dieser Ausstellung gibt es unter www.galerie.bietigheim-bissingen.de.




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