Fering und Öömrang : Friesen fordern mehr Unterstützung

Besuch beim Friisk-Funk: Johannes Callsen (Mi.) und Hans Staecker.
Besuch beim Friisk-Funk: Johannes Callsen (Mi.) und Hans Staecker.

Der Minderheitenbeauftragte des Landes informierte sich auf Föhr. Er besuchte die Ferring-Stiftung und das Wyker Museum.

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04. April 2018, 10:00 Uhr

„Wir hatten eine sehr konstruktive Überfahrt“, betonte Johannes Callsen, der Beauftragte des Ministerpräsidenten in Angelegenheiten nationaler Minderheiten und Volksgruppen, Grenzlandarbeit und Niederdeutsch – so die offizielle Bezeichnung seines Ehrenamtes.

Callsen war zusammen mit Hans Staecker von der Schulaufsicht des Bildungsministeriums und Lena Grützmacher, Landesfachberaterin für Friesisch am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holsteins (IQSH), nach Föhr gereist, um sich ein Bild von der Arbeit, den Nöten und den Zukunftsperspektiven der Föhrer Friesen zu machen.

Der Vorstandsvorsitzende der Ferring Stiftung, Volkert Faltings, hatte dazu eingeladen und konnte auch eine Schar von Mitarbeitern der Stiftung und des Friisk Funk sowie Vertreter der Eilun-Feer-Skuul begrüßen. Nach seinem Einführungsvortrag erläuterten drei Stiftungsmitarbeiter ihre Arbeit mit dem reichen Fundus der Stiftung, die keinerlei staatliche Förderung genießt. Die zahlreichen Anfragen und die Überlassung von persönlichen Nachlässen zeigten die hohe Akzeptanz, das Vertrauen und die Verbundenheit der Bevölkerung mit der Stiftung, so Faltings.

Der Minderheitenbeauftragte zeigte sich sehr beeindruckt von dem vielfältigen Engagement, das augenscheinlich mit Liebe und Leidenschaft auf Föhr gelebt werde. „Mein Ziel ist es, dass dieses wichtige Kulturgut am Leben erhalten und gestärkt wird“, positionierte sich Callsen eindeutig.

In der anschließenden Diskussion wurden verschiedene friesische Baustellen benannt und eine bessere finanzielle Unterstützung gefordert. Aber auch eine verbesserte und transparentere Öffentlichkeitsarbeit des Friesenrates wurde angemahnt.

Beim Besuch des Friisk Funk gewannen die Gäste einen Eindruck von der Arbeit des kleinen regionalen Senders und die Redakteurinnen nutzten die Gelegenheit zu einem Interview.

Einen Schwerpunkt der Gespräche nahm der Friesischunterricht an den Föhrer Schulen ein. „Das ist schön zu hören“, reagierte Schulleiter Carl Wögens von der Eilun-Feer-Skuul auf die Absicht des Schulaufsichtsbeamten Hans Staecker, der bei der Ausbildung und dem Einsatz von Friesischlehrern „die Inseln attraktiver machen und flexible Lösungen anbieten“ wollte. Er regte eine Homepage mit Zugang zu Unterrichtsmaterial und eine Tauschbörse an, angesichts der vielen, zum Teil recht unterschiedlichen Friesischdialekte. Verbesserungswürdig seien auch die Online-Informationen der Universitäten in Flensburg und Kiel bezüglich eines Studiums dieser Sprache. Hier müssten schnell klare Antworten auf die Frage „Wie werde ich Friesischlehrer?“ zu finden sein, waren sich alle Teilnehmer vor dem Hintergrund des eklatanten Nachwuchsmangels einig.

Um Nachwuchs ging es auch am Nachmittag, als sich Callsen, Grützmacher und Staecker im Wyker Museum mit Vertretern des Fering Ferian, des Öömrang Ferian und des Nordfriesischen Vereins trafen. Diese berichteten von ihren Aktivitäten und den finanziellen Nöten bei der Durchführung der zahlreichen Projekte. Beispielsweise finanziert der Fering Ferian die friesische Spracharbeit in den Kindergärten über Patenschaften, erfuhr aber nun, dass er dafür auch beim Kreis Nordfriesland Fördergelder beantragen könne.

Callsen, der selbst schon als Jugendlicher auf seinem Familiensitz ein kleines Museum eingerichtet hatte, zeigte sich sehr interessiert am Föhrer Friesenmuseum, wo es sich die Leiterin Jutta Kollbaum-Weber nicht nehmen ließ, den Gästen „ihre“ musealen Schätze zu zeigen.

Nach dem sechsstündigen Besuch auf Föhr, dem Kontakt mit vielen Akteuren der verschiedenen Institutionen und den vielfältigen Eindrücken von der Arbeit der friesischen Minderheit, bedankte sich der Minderheitenbeauftragte herzlich und verließ die Insel mit einem prall gefüllten Notizblock.

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