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Insel-Bote

12. Dezember 2017 | 21:18 Uhr

Auf Föhr : Forschungsreise an die Nordsee

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Alle Jahre wieder: Schüler aus Luxemburg erleben praktischen Naturwissenschafts-Unterricht auf der Insel.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2017 | 17:15 Uhr

Praktisch unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich seit einer Reihe von Jahren eine feste Verbindung zwischen der Insel Föhr und dem Großherzogtum Luxemburg aufgebaut: Bereits seit 2008 absolvieren in jedem Jahr Schüler des luxemburgischen „Lycée Technique Michel Lucius“ von der Wyker Jugendherberge aus ein naturwissenschaftliches Praktikum, in dessen Mittelpunkt das Wattenmeer steht.

Noch früher reisten die Luxemburger, wie Chemielehrerin Diane Muller berichtet, auf die Hallig Hooge. „Die Schüler sollten einen Ort erleben, der so gar nichts gemein hat mit ihrer Heimat“, meint die Lehrerin, die zwar eingesteht, dass die Anreise nach Nordfriesland durchaus recht langwierig ist. Doch Nordfriesland sollte es sein und nach zwei Jahren folgte der Wechsel nach Föhr, „weil hier einfach mehr Möglichkeiten geboten werden“.

Jetzt waren wieder 40 junge Luxemburger in zwei Gruppe aufgeteilt, jeweils eine Woche lang auf der Insel. Neu war aber dieses Mal für die Schüler der zehnten Klasse mit Leistungsfach Naturwissenschaften und dem Schwerpunkt auf fächerübergreifendes Arbeiten, dass für sie ein interdisziplinäres Umweltpraktikum auf dem Programm stand. Dabei ging es um die Frage, ob eine Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz auf der Insel möglich ist.

Dieses Praktikum bedeutete für die Jugendlichen weit mehr als einen fröhlichen Schullandheim-Aufenthalt, denn es beinhaltete ernsthafte Studien, die wenig Zeit für Vergnügungen ließen. Deutlich wird dies unter anderem durch die Tatsache, dass sieben Lehrer, die die Fächer Chemie, Biologie und Informatik unterrichten, mit von der Partie waren, eine komplette Laboreinrichtung mitgebracht wurde und auch die digitale Ausrüstung der 16 bis 18 Jahre alten Schülerinnen und Schüler absolut topp war.

Mitgereist ist schließlich auch der in Luxemburg lebende Künstler Alan Johnston, der einen Gegenpol zum wissenschaftlichen Arbeiten bildete. Gemeinsam mit jungen Luxemburgern ging er zum Zeichnen in die Natur und lehrte sie dabei das genaue Beobachten. Diese künstlerische Arbeit soll in ein Buch münden, wobei die Realisierung des Projektes auch eine Aufgabe der Jugendlichen ist.

Dass solch ein Projekt des Lycée in Luxemburg ernst genommen wird, macht schließlich auch deutlich, dass der „Fonds National de la Recherche Luxembourg“ sowie das „Oeuvre Grand-Duchesse Charlotte“ das ganze Unternehmen gesponsert haben.

Vorbereitend waren die Schüler schon zu Hause in die Besonderheiten der Insel Föhr, des Wattenmeeres und seiner Gegebenheiten eingeführt worden, um dann vor Ort auf einer soliden Basis aufbauen zu können. Dabei war verdeutlicht worden, dass die komplexe Problematik nur in einem interdisziplinären Licht betrachtet werden kann. Während des Praktikums standen Aktivitäten in den Bereichen Biologie, Chemie, Physik, Geographie und Umweltforschung auf dem Programm.

Außerdem waren Gespräche mit verschiedenen Akteuren geplant. So besuchten die Jugendlichen einen konventionell wirtschaftenden Landwirt, einen Biobauern, hatten Gespräche beim Naturschutzverein Elmeere, besichtigten das Nationalparkhaus in Wyk und konnten mit der Schutzstation Wattenmeer an einer Seetierfangfahrt teilnehmen.

Einen breiten Raum nahm schließlich auch die naturwissenschaftliche Forschung ein, wozu im Keller der Jugendherberge das Labor aufgebaut worden war. Dabei bekamen die Schüler die Gelegenheit, eigenständig Untersuchungen anzustellen. Hier wurden unter anderem Wasserproben aus der Godelniederung und aus anderen insularen Bereichen untersucht und ihre Güteklasse ermittelt.

Nach ihrer Rückkehr nach Luxemburg ist für die Schülerinnen und Schüler das Thema Föhr noch nicht abgeschlossen. Vielmehr müssen sie nun in einzelnen Gruppen einen mehrseitigen Bericht verfassen, in dem sie das Erforschte aufarbeiten und versuchen, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

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