Zukunfts-konferenz : Föhrer Tourismus in schwerer See

Volle Strände und zufriedene Urlauber sind das Ziel: Das Angebot für Gäste wird derzeit überarbeitet. Föhr will neue Wege beschreiten.
Volle Strände und zufriedene Urlauber sind das Ziel: Das Angebot für Gäste wird derzeit überarbeitet. Föhr will neue Wege beschreiten.

Die Signale waren klar und die Appelle eindringlich: Nur gemeinsam kann der Tourismus auf Föhr mittel- und langfristig Erfolg haben. Im Wyker Kurgartensaal wurden die Ergebnisse der Projektgruppen für eine Umkehrung des negativen Trends vorgestellt.

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13. März 2014, 08:00 Uhr

Die Signale waren klar und die Appelle eindringlich: Nur gemeinsam kann der Tourismus auf Föhr mittel- und langfristig Erfolg haben. Dass dies noch nicht alle so sehen, zeigte die Resonanz auf die zweite Auflage der Zukunftswerkstatt zum Tourismuskonzept „Föhr 2015 – und weiter“, bei der knapp die Hälfte der Sitzplätze im Wyker Kurgartensaal unbesetzt blieb.

Hintergrund der Veranstaltung: Ein Zwischenergebnis und der Stand der Entwicklung sollte aufgezeigt werden, und die touristischen Leistungsträger animiert, weitere Ideen einzubringen. Dass auch von diesen viele den Weg in den Kurgartensaal nicht gefunden hatten, sorgte bei Armin Korok, Geschäftsführer der Föhr Tourismus GmbH, für Enttäuschung. „Wenn so wenige ihre Anregungen einbringen wollen, kann uns das nicht zufriedenstellen.“

Ein dürftiger Besuch und wohl dem mangelnden Interesse geschuldet, drückte auch Peter Boy Weber sein Unverständnis aus, zumal jeder Einzelne auf Föhr vom Tourismus abhängig sei. Weber ist Mitglied des Projektbeirates, der parallel zur internen Objektgruppe der Föhr Tourismus GmbH (FTG) Ideen und Maßnahmen erarbeitet hatte, und mahnte zur Gemeinsamkeit. Angesichts der Zahlen, die Claudius Obier, Geschäftsführer der Firma „Project M“, zuvor präsentiert hatte, und die, so Weber, „nicht gut oder schlecht sind, sondern saumies“.

Etwa 20 Prozent der gewerblichen Beherbergungsbetriebe seien im Zeitraum von 2008 bis 2012 weggefallen, hatte Obier vorgerechnet, um fast zehn Prozent seien die Übernachtungen in gewerblichen Betrieben laut dem Statistischen Landesamt im gleichen Zeitraum zurückgegangen. Auch sei es in den vergangenen fünf Jahren nicht gelungen, die Saisonalität zu entzerren. Fatal insbesondere vor dem Hintergrund, dass aufgrund des demografischen Wandels die älteren Menschen nicht nur in der Ferienzeit reisen.

Die Ursachen seien hausgemacht, so der Fachmann. Nach der Entwicklung des Tourismus-Konzeptes 2008 sei das Marketing neu ausgerichtet und ein inselweites Infrastrukturkonzept entwickelt worden. Ab 2011 aber standen Diskussionen um Organisations- und Marketingstrukturen im Vordergrund; statt mit dem Wettbewerb beschäftigte man sich mit den eigenen Problemen. Für Föhr als Urlaubsregion sei es überlebenswichtig, die Probleme in der Steuerung des Tourismus zu beenden, den parallel diskutierten Organisationsprozess bis Ostern zu einem positiven Ergebnis zu führen und eine finanzierte sichere Struktur für die nächsten Jahre sicherzustellen.

Die Voraussetzungen, die die Insel in den Bereichen Natur und Nachhaltigkeit bietet, sind herausragend, befand Cornelius Obier. Ergänzt um die gelebte Tradition ergäben sich gute Chancen für eine glaubwürdige Markenführung und ein schlagkräftiges Marketing. Allerdings werden die Potenziale nicht genutzt und eine Marke Föhr scheitert daran, dass es sie nicht gibt. Längst hat der Slogan „Friesische Karibik“, für den Referenten eine gelungene Werbestrategie, diese Position eingenommen. Eine Föhr-Identität aber müsse nach innen und außen deutlich gestärkt werden.

Mit Blick auf die organisationsstrukturellen Probleme bescheinigte der Berater allen Akteuren ein mangelndes Bewusstsein für den Tourismus. Zudem bemängelte er das teilweise fehlende Tourismus-Know-How bei kleinen Anbietern und sieht die gesamtinsulare Marketingorganisation in schwerer See. Darüber hinaus gebe es zu wenig Hotels auf Föhr, mit negativen Auswirkungen auf Kurztrips und Reisen in der Vor- und Nachsaison.

Einen Neun-Punkte-Plan legte der Berater als Zwischenergebnis der bisherigen Sitzungen der internen Objektgruppe und des Projektbeirates vor, der das Marketing, die Organisationsstrukturen und die touristische Infrastruktur abarbeitete. Denn die Konkurrenz entwickelt sich weiter, und die Trends sprechen eine deutliche Sprache. So gehen erhebliche Veränderungen im Reiseverhalten mit immer höheren Qualitätserwartungen der Gäste einher. Die ihren Urlaub immer häufiger online buchen, sich im Netz über die Urlaubsziele informieren und vor Ort mobil und erlebnisorientiert sind.

Dies alles führt zu einem härter werdenden Verdrängungswettbewerb, den nur eine starke Marke bestehen kann. Hoch seien auch die Anforderungen an die Kompetenz des touristischen Fachpersonals, erläuterte Cornelius Obier, und Investitionen in die Infrastruktur auch in den Gemeinden seien dringend erforderlich. Denn ein homogener Erlebnisraum sei für den Gast entscheidend, mit einer Vernetzung der Informations-, Service-, Angebots- und Mobilitätskette.

Deutliche Worte und eine Fülle an Informationen, die weitere Anregungen zur Folge hatten. Die von der internen Projektgruppe bereits gestern ausgewertet wurden. Das vorerst letzte Treffen, so der FTG-Chef, denn nun werde das Toursimuskonzept ausgearbeitet. Ende März soll es fertig sein, und, nachdem die organisatorische Umstrukturierung der Föhr Tourismus GmbH abgeschlossen ist, der Öffentlichkeit präsentiert werden.

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